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Leben eines todkranken Babys vor Gericht

Eltern verlieren Streit mit Ärzten

Baby Charlie darf jetzt sterben

Man kann sich den Schmerz von Connie Yates und Chris Gard kaum vorstellen: Sie sind Eltern eines todkranken Babys. 

London - Als die Ärzte in London die Maschinen, die den kleinen Charlie seit Monaten am Leben halten, abstellen wollen, klagten sie vor Gericht, verloren und wandten sich am Ende an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Der entschied jetzt: Baby Charlie darf sterben. Bei dem zehn Monate alten Jungen Charlie Gard müssen die Beatmung und andere Maßnahmen eingestellt werden. Ende eines langen Kampfes.

Charlie hat im Juli Geburtstag

Charlie wurde im Juli 2016 mit einem seltenen Gendefekt geboren: mitochondriale Myopathie. Liebevoll kümmerten sich Connie und Chris um ihren Kleinen, unterstützt von engagierten Ärzten am Londoner Krankenhaus Great Ormond Street. Doch alles Bemühen nützte nichts: Charlies Gehirn ist inzwischen stark geschädigt, er kann nicht selbstständig atmen oder Beine und Arme bewegen. Als Charlie acht Monate alt ist, wollen die Mediziner die lebenserhaltenden Apparate abschließen und den Säugling „in Würde sterben lassen“, wie es später auch die Richter formulieren.

Britisches Paar kämpft

Aber Connie Yates und Chris Gard wollen ihren Charlie nicht gehen lassen. Sie haben von einer experimentellen Therapie in den USA gehört – ein letzter Strohhalm, an den sie sich klammern. Über soziale Netzwerke lassen sie die Öffentlichkeit an Charlies Schicksal teilhaben. Sie posten Fotos von gemeinsamen Momenten und unter dem Stichwort #charliesarmy finden sie Unterstützer für ihren Kampf gegen die Gerichte und für die Therapie: 1,4 Millionen Euro Spendengelder kommen zusammen.

In Würde sterben

Die Richter am Europäischen Gerichtshof nahmen sich viel Zeit für ihre Urteilsfindung und stellten sich schlussendlich hinter die britischen Kollegen. Denn Ärzte und Experten halten Charlies Heilung für ausgeschlossen. Nun geht es darum, den Kleinen in Würde sterben zu lassen. Das Krankenhaus erklärte: „Unsere Gedanken sind bei Charlies Eltern, von denen wir wissen, dass diese Nachricht ihnen Schmerzen bereiten wird.“ Man werde die lebenserhaltenden Maßnahmen auf keinen Fall übereilt beenden. Aber Charlie soll sterben dürfen.

Die Eltern möchten den zehn Monate alten Charlie, der an einer seltenen genetischen Erkrankung leidet, für eine experimentelle Therapie in die USA bringen.

Zuvor hatte das Europäische Menschenrechtsgericht hatte das Londoner Krankenhaus zwei Mal angewiesen, das Baby zunächst weiter zu behandeln. In ihrer abschließenden Entscheidung gaben die Richter nun allerdings der Einschätzung Recht, dass es für das Kind keine realistische Heilungschance gebe.

Was ist Mitochondriale Myopathie?

Charlie Gard leidet an einer Form der mitochondrialen Myopathie. Diese Erbkrankheit ist sehr selten. Dabei ist der Energiestoffwechsel der einzelnen Zellen gestört. Die Mitochondrien sind als „Kraftwerke der Zellen“ hauptsächlich für die Versorgung mit Energie verantwortlich. Ist dieses System gestört, kommt es zu Schädigungen vor allem in jenen Zellen, die einen großen Energiebedarf haben. Dazu zählen Muskelzellen, aber auch Nervenzellen. Weil sie im gesamten Körper verteilt sind, zieht eine Störung oft weitere Erkrankungen nach sich. Eine Heilung ist nach derzeitigem Stand der Medizin nicht möglich, lediglich eine Linderung der Symptome.

afp/dpa

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