+
Baby zu Tode geschüttelt: Vater wurde zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Foto: Markus Scholz/Illustration

Eklat im Gerichtssaal

Baby zu Tode geschüttelt: Haftstrafe für Vater

Lübeck - Der emotionsgeladene Prozess um ein zu Tode geschütteltes Baby ist zu Ende. Der geständige Vater wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Bei der Urteilsverkündung kommt es zum Eklat.

Er schüttelte sein schreiendes Baby, um es zu beruhigen. Plötzlich wimmerte der kleine Leon nur noch, verlor das Bewusstsein. Sechs Tage später war das Kind tot, gestorben an den Folgen eines Schütteltraumas. Am Donnerstag verurteilte das Landgericht Lübeck den 30 Jahre alten Vater wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu dreieinhalb Jahren Haft. Verstandesmäßig habe der Angeklagte um die Gefährlichkeit seines Tuns gewusst, in der Realität habe er sein Handeln jedoch nicht im Griff gehabt, sagte der Vorsitzende. Er sprach von einem „Augenblicksversagen“.

Für einen Eklat sorgte die 30 Jahre alte Mutter, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftrat, nach der Urteilsverkündung. „Wir sehen uns in dreieinhalb Jahren ...“, rief sie dem Angeklagten zu und beleidigte ihn, bevor sie schluchzend aus dem Gerichtssaal rannte.

„Als ich wegfuhr, war alles in Ordnung..."

In der Hauptverhandlung hatte sie den Angeklagten, mit dem sie zur Tatzeit verlobt war, dagegen als liebevollen und fürsorglichen Vater geschildert. An dem Tag der Tat hatte sie die gemeinsame Wohnung in Schönwalde in Schleswig-Holstein kurz verlassen, um zum Einkaufen zu fahren. „Als ich wegfuhr, war alles in Ordnung und als ich etwa 15 Minuten später zurückkam, atmete Leon kaum noch“, hatte sie unter Tränen im Prozess ausgesagt.

Sichtlich emotional hatte der Angeklagte erst kurz vor Ende des Prozesses gestanden, am 18. November 2015 sein schreiendes Kind unter den Achseln gehalten und geschüttelt zu haben. Dabei wurde es so schwer verletzt, dass es sechs Tage später in der Lübecker Uniklinik starb. Ein Sachverständiger hatte in der Verhandlung ausgesagt, dass die Verletzungen des Kindes nur durch mehrmaliges heftiges Schütteln entstanden sein können. „Sie waren vergleichbar mit denen nach einem Sturz aus dem zweiten Stock.“

Das Gericht wertete das Geständnis des Angeklagten zu seinen Gunsten

 „Auch wenn wir uns eine ausführlichere Schilderung des Tathergangs und auch eine Entschuldigung gewünscht hätten“, sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag. Zur eigentlichen Tat hatte der Angeklagte auch in seinem Geständnis nichts gesagt und sich auf eine Erinnerungslücke berufen.

Mit dem Urteil blieb das Gericht weit unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Der Ankläger hatte fünfeinhalb Jahre wegen Totschlags, der Nebenklagevertreter sogar sechs Jahre Haft gefordert. Der Vorsitzende Richter begründete die Entscheidung des Gerichts damit, dass nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnte, dass der Angeklagte den Tod seines Kindes billigend in Kauf genommen habe.

Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob sie Revision beantragt. Die Verteidigung hatte eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge oder wegen fahrlässiger Tötung beantragt, jedoch keinen konkreten Antrag zum Strafmaß gestellt.

Bis das Urteil rechtskräftig ist, bleibt der Angeklagte auf freiem Fuß. „Wir gehen davon aus, dass er zu seinen Eltern zieht, so dass keine Fluchtgefahr besteht“, sagte der Richter.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lotto am Mittwoch vom 18.07.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
Lotto am Mittwoch vom 18.07.2017: Hier finden Sie die aktuellen Lottozahlen vom Mittwoch. 4 Million Euro liegen heute im Jackpot.
Lotto am Mittwoch vom 18.07.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen von heute
Vater (†63) und Tochter (†5) tot in Haus gefunden: Schlimmste Befürchtung bestätigt
Am Montagnachmittag findet eine Frau ihre fünfjährige Tochter in der Wohnung des Vaters (63) – beide liegen leblos auf dem Boden. Einen Tag später bestätigen sich die …
Vater (†63) und Tochter (†5) tot in Haus gefunden: Schlimmste Befürchtung bestätigt
Leiche im Main identifiziert: Polizei vor Rätsel um 16-jährigen Toten
Leiche im Main identifiziert: Polizei Frankfurt vor Rätsel um 16-jährigen Toten aus Offenbach.
Leiche im Main identifiziert: Polizei vor Rätsel um 16-jährigen Toten
Extra Rundfunkbeitrag für Zweitwohnungen verfassungswidrig
Der große Paukenschlag bleibt aus: Das Bundesverfassungsgericht erteilt dem Rundfunkbeitrag weitgehend seinen Segen. Damit bleibt alles beim Alten - fast.
Extra Rundfunkbeitrag für Zweitwohnungen verfassungswidrig

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.