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Bahnstreik-Chaos erhitzt die Gemüter - Viele reagieren unerwartet

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Von: Franziska Schwarz

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Zahlreiche Reisende warten am frühen Morgen im Frankfurter Hauptbahnhof auf einen ICE nach Berlin zu Beginn eines bundesweitern 48-stündigen Streiks im Personenverkehr der Bahn und in der Bahn-Infrastruktur.
Warten auf einen Zug: Passagiere im Bahnstreik © Frank Rumpenhorst/dpa

Mitten in der geplanten Verkehrswende stehen in Deutschland die Züge still. Im Netz klingen viel geteilte Tweets zu dem Thema jedoch geduldig.

Berlin - Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt seit diesem Mittwochmorgen die Deutsche Bahn. Dass #Bahnstreik schon zuvor auf Twitter trendet, war zur erwarten. Die Meinungen der Diskutierenden gehen dabei ziemlich auseinander.

„Mobilität ist ziemlich essentiell. Menschen müssen mit der #Bahn zur Arbeit, Schule, zu Liebsten, in die Arztpraxis …… Trotzdem gibt es einen #Bahnstreik. Gutes Recht der #Lokführer:innen. Und jetzt erklärt mir bitte nochmal, warum #Pflegepersonal nicht flächendeckend streikt“, zieht Userin @thesismum einen Parallele zum stark belasteten Mitarbeitern im Gesundheitssystem während der Corona-Krise.

Bahn-Streik-Debatte auf Twitter: „Verstehe die Aufregung nicht“

Ähnlich argumentiert @Elquee.: „Das Wesen von Streiks ist es übrigens, Leuten zu zeigen, wie aufgeschmissen sie ohne die Arbeit der Streikenden wären. Dem Genöle über den #Bahnstreik hier auf Twitter zufolge scheint das noch nicht umfassend verstanden worden zu sein“, so der Tweet.

Rückhalt für die GDL-Mitarbeiter kommt von @HRMRKR: „Verstehe die Aufregung um den #bahnstreik nicht. 1,5% mehr Lohn sind weniger als der Inflationsausgleich. Dass die Bahn das ihren Angestellten nicht zugesteht, ist doch der eigentliche Skandal“, findet er.

Die Fridays-for-Future-Aktivisten um Greta Thunberg zeigen zwar Verständnis für den Frust der Reisenden, sehen in dem Bahnstreik aber einen Nutzen für ihre Klima-Mission: „Für uns macht der #Bahnstreik einiges komplizierter, trotzdem stehen wir zu 100% hinter den Streikenden! Statt in Kohle sollte endlich in den ÖPNV investiert werden“, twittert ihr lokale Ableger aus Frankfurt.

Genau anders sieht das @hubertus_knabe: „Fast alle Züge fallen aus. Wünsche denen, die der Meinung sind, die Deutschen sollten keine Autos mehr besitzen, einen angenehmen Tag!“ schreibt er mit ironischem Unterton.

Bahn-Streik in Deutschland wirkt sich „stark auf den Zugverkehr aus“

Wegen des Streiks stehen viele Züge still, er wirke sich „stark auf den Zugverkehr aus“. Der Ersatzfahrplan sei jedoch „stabil angelaufen“, teilte die Deutsche Bahn mit. GDL-Chef Claus Weselsky wies am Morgen Vorwürfe zurück, den Arbeitskampf zu spät angekündigt zu haben.

Im Fernverkehr sei das „bundesweite Angebot auf rund ein Viertel reduziert“, erklärte die Bahn. Im Regional- und S-Bahnverkehr schwanke die Anzahl der angebotenen Züge je nach Region stark. „Streikschwerpunkte zeichnen sich im Osten Deutschlands ab und in einigen Metropolregionen.“

Das Unternehmen könne „nicht garantieren, dass alle Reisenden wie gewünscht an ihr Ziel kommen.“ Die Bahn bitte Fahrgäste, die „nicht zwingend fahren müssen, ihre Reise, sofern es möglich ist, zu verschieben“. Wer nicht auf die Bahn verzichten könne, solle sich vor Reiseantritt im Internet informieren.

Seit Mittwochmorgen um 02.00 Uhr hat die GDL auch im Personenverkehr zu Streiks aufgerufen. Der Güterverkehr wird schon seit Dienstagabend bestreikt. Der Streik soll der GDL zufolge bis Freitagmorgen um 02.00 Uhr andauern. Die Gewerkschaft will durch den Streik im Tarifstreit mit der Bahn ein neues Angebot erzwingen. Das zuletzt von der Bahn vorgelegte Angebot bezeichnete sie als „nicht verhandelbar“.

GDL-Chef Weselsky sieht „Selbstbedienungsladen“ bei Deutscher Bahn

Kritik wegen eines Streiks während der Corona-Pandemie ließ Weselsky nicht gelten. Die Menschen im Eisenbahnsystem hätten über die gesamte Corona-Zeit den Verkehr aufrechterhalten. „Wir erwarten Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit“, erklärte der GDL-Chef im „Morgenmagazin“ des ZDF. Bei der Bahn sei „ein Selbstbedienungsladen entstanden in einem staatseigenen Konzern“. Das müssten sich „die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner nicht bieten lassen“.

Die Bahn kritisierte die Streiks scharf und sprach von einer „unnötigen Eskalation“ auf dem Rücken der Bahnkunden.

Die Bahn kündigte wegen des Streiks zugleich „besondere Kulanzregelungen“ an. Bereits gebuchte Fahrkarten für betroffene Strecken behalten ihre Gültigkeit demnach bis zum 20. August. Die Zugbindung bei Sparpreisen und Super Sparpreisen ist aufgehoben. Für die Weiterfahrt können auch andere Züge genutzt werden. Auch eine kostenfreie Erstattung der Zugtickets ist möglich.

Die Bahn rechnet zudem an den Streiktagen mit einer sehr hohen Auslastung der verbleibenden Züge und wies auf die Maskenpflicht hin. Außerdem richtete sie eine kostenfreie Sonderhotline ein (08000/996633). (frs mit Material der AFP)

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