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Bangladesch: Alles über das Land der Bengalen

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Frauen tragen traditionelle Kleider mit Blumenornamenten während Basanta Utsab (Frühlingsfest), auch Pohela Falgun genannt, in Dhaka, Bangladesch.
Frauen tragen traditionelle Kleider mit Blumenornamenten während Basanta Utsab (Frühlingsfest), auch Pohela Falgun genannt, in Dhaka, Bangladesch. © Joy Saha / IMAGO

Bangladesch ist ein Land in Südasien, das am Golf von Bengalen liegt und sowohl an Indien als auch Myanmar grenzt. Obwohl es von indischen Bundesstaaten förmlich umschlossen ist, sind 90 Prozent der Bevölkerung Muslime.

Dhaka – Mit einer Fläche von 147.570 Quadratkilometern und einer Einwohnerzahl von etwa 165 Millionen Menschen steht Bangladesch auf Platz acht der größten Staaten der Erde und auf Platz elf gemessen an seiner Bevölkerungsdichte. Das Land weist mit seinen vielen Flüssen eine üppige Natur aus. Der Mangrovenwald an der Südküste bietet dem indischen bzw. bengalischen Königstiger einen idealen Lebensraum. Wirtschaftlich gesehen zählt Bangladesch immer noch zu den ärmsten Ländern des asiatischen Kontinents.

Bangladesch: Von Britisch-Indien zu Ostpakistan

Bangladesch ist noch ein relativ junger Staat, der erst 1971 nach dem Unabhängigkeitskrieg aus dem früheren Ostpakistan entstand. Bis 1947 bildete der Staat noch einen Teil Britisch-Indiens. Durch die Teilung Indiens aufgrund religiöser und ethnischer Auseinandersetzungen wurde das Land dem Staat Pakistan als Ostpakistan zugesprochen – obgleich beide Staaten geographisch durch Indien voneinander getrennt waren. Zusätzlich gab es kulturelle Differenzen zwischen West- und Ostpakistan.

Bald schon zeigten sich die Konflikte, als durch die pakistanische Staatsführung versucht wurde, Urdu als alleinige Sprache einzuführen. Dies führte unter anderem auch zur Bengalischen Sprachbewegung, die ab 1956 Bengalisch als zweite Amtssprache einführte. Auch wirtschaftlich wurde der fruchtbare Osten vom westlichen Pakistan sukzessive ausgebeutet. Die Überschüsse aus den Jute- und Reisexporten fielen weitgehend dem Westteil zu.

Bangladesch: Der Weg zur Unabhängigkeit

Bereits im pakistanisch-indischen Kaschmirkrieg im Jahr 1965 wurde die Kluft zwischen Ost- und Westpakistan immer deutlicher. Zu diesem Zeitpunkt forderte Scheich Mujibur Rahman, Führer der ostpakistanischen Awami-Liga, die Autonomie des Landes. Nachdem die gesamtpakistanische Regierung nach einem verheerenden Zyklon im November 1970 – bei dem es Hundertausende von Todesopfern gab – nur unzureichend reagiert hatte, konnte die Awami-Liga in Ostpakistan einen Erdrutsch-Sieg verzeichnen.

Westpakistan reagierte auf die Unabhängigkeitsbewegung des Ostens mit blutigen Auseinandersetzungen, Massentötungen und Terrorisierung der bengalischen Bevölkerung. Millionen von Menschen flohen in die Nachbarländer, sodass schließlich auch Indien sich militärisch in den Bangladesch-Krieg einmischte und somit am 16. Dezember 1971 dem Land unter dem Namen Bangladesch zur völkerrechtlichen Unabhängigkeit verhalf. Im Januar 1972 verkündete Mujibur Rahman in der Hauptstadt Dhaka vor einem Millionenpublikum den offiziellen Bruch zwischen West- und Ostpakistan.

Er stellte schließlich eine Regierung vor, in der er selbst die Funktion des Ministerpräsidenten ausübte. Von Pakistan wurde die Autonomie des Landes erst 1974 anerkannt.

Bangladesch: Zwischen Militärdiktatur und Demokratisierung

Die unter Mujibur Rahman eingeführte parlamentarische Demokratie geriet infolge von Hungersnöten immer mehr ins Wanken. Nachdem der Premierminister ein Ein-Parteien-Regime eingeführt hatte, kam es 1975 schließlich zum Militärputsch, bei dem Rahman und ein Großteil seiner Familie umgebracht wurde. Es folgten neue Putsche und Gegenputsche. Bis in die 1980er Jahre hinein kam es zu wechselnden Regimes, die sich vorwiegend als Militärdiktaturen erwiesen.

Erst nach einem Volksaufstand von 1990 hielt in Bangladesch wieder die parlamentarische Demokratie Einzug. Dabei wechselten sich in unregelmäßigen Abständen immer wieder die Regierungen unter der Führung der BNP (Bangladesh Nationalist Party) und Awami-Liga ab. Seit 2008 ist Hasina Wajed – eine überlebende Tochter von Mujibur Rahman – die Premierministerin des Landes.

Bangladesch: Das politische System

Bangladesch ist der Verfassung von 1972 nach eine Republik mit einem Ein-Kammern-Parlament, das aus 350 Abgeordneten besteht. Eine Legislaturperiode dauert fünf Jahre. Während er Präsident als Staatsoberhaupt eher zeremonielle Aufgaben übernimmt, wird der Premierminister als Regierungschef vom Parlament gewählt.

In Bangladesch dominiert schon seit Jahren die Awami-Liga. Die konkurrierende BNP wurde durch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Prozesse weitgehend außer Gefecht gesetzt. Ausländische Beobachter beurteilten die Parlamentswahlen von 2018 daher nicht mehr als wirklich frei und demokratisch.

Bangladesch: Fakten im Überblick

Bangladesch: Sprachen und Bevölkerung

Mit einer Bevölkerungsdichte von 1.084,2 Menschen pro Quadratkilometer gilt Bangladesch als der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Welt. Dies liegt mitunter daran, dass der Staat lange Zeit eine sehr hohe Geburtenrate zu verzeichnen hatte. Mit Selbsthilfeinitiativen der Bevölkerung konnte die Fruchtbarkeitsziffer inzwischen gesenkt werden. Laut Prognosen wird die Einwohnerzahl aber in den nächsten Jahrzehnten aber noch auf 200 Millionen Menschen anwachsen.

Bangladesch gilt – im Vergleich zu anderen Staaten Südasiens – ethnisch gesehen als relativ einheitlich. Dies macht sich auch sprachlich bemerkbar. Das Bengalische, das zu den indoarischen Sprachen zählt, wird als Muttersprache von 98 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Aber auch Englisch ist als Bildungssprache weit verbreitet und wird als Verwaltungs- und Geschäftssprache genutzt – es hat aber keinen offiziellen Status als Amtssprache, wie im benachbarten Indien. Zusätzlich lassen sich noch 39 weitere Sprachen und Idiome identifizieren.

Bangladesch: Geografie und Städte

Das Land grenzt an die indischen Bundesstaaten Westbengalen, Assam, Meghalaya, Tripure und Mizoram sowie an Myanmar und den Golf von Bengalen. Bangladesch ist durchzogen von zahlreichen Flüssen, von denen die meisten dem Mündungsdelta der Flüsse Brahmaputra, Ganges und Meghna entspringen. Da rund 90 Prozent des Landes aus flachem Tiefland bestehen, werden während der Monsunzeit vor allem die zahlreichen Sumpfgebiete vom Flusshochwasser überschwemmt.

Aufgrund der geografischen Bedingungen macht sich auch in Bangladesch die globale Klimaerwärmung bemerkbar. Durch den Anstieg des Meeresspiegels ist eine zunehmende Versalzung von Grundwasser und Ackerböden im Landesinneren zu beobachten. Dies könnte in Zukunft zusätzlich demografisch wie wirtschaftlich zur Herausforderung für einen Großteil der Bevölkerung werden, von der etwa 80 Prozent unterhalb der Armutsgrenze liegt. Schon in der Vergangenheit haben zahlreiche Naturkatastrophen wie tropische Wirbelstürme, Sturmfluten, Erdrutsche und Erdbeben das am Äquator gelegene Land erschüttert.

Die größten Städte Bangladeschs im Überblick

Bangladesch: Wissenswertes zum Land

Obwohl Bangladesch immer noch zu den ärmsten Ländern des asiatischen Kontinents zählt, befindet es sich wirtschaftlich gesehen auf einem soliden Wachstumskurs. Dabei stellt die Landwirtschaft immer noch den größten Wirtschaftssektor her. Weit über 40 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten im Agrarbereich. Vor allem Reis gilt als Hauptexportschlager. In den letzten Jahren haben aber auch der Anbau von Weizen, Mais, Gemüse und Zuckerrohr an Bedeutung gewonnen.

Durch die Verarbeitung von Jute- und Lederprodukten hat sich das Land zum zweitgrößten Textilproduzenten der Welt entwickelt. Trotz seiner hohen Armut zählt Bangladesch mit seiner sehr jungen Bevölkerung zur den aufstrebenden Next-Eleven-Märkten. Für die positive Entwicklung sorgt außerdem ein Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Trotzdem steht das Label „Made in Bangladesch“ immer noch für geringen Lohn, schlechte Arbeitsbedingungen sowie Kinderarbeit.

Als landschaftlich besonders reizvoll gelten die Sundarbans. Dabei handelt es sich mit fast 4.000 Quadratkilometern um eines der größten Magrovenwaldgebiete der Welt. Diese Region im Süden des Landes bietet auch idealen Lebensraum für den vom Aussterben bedrohten bengalischen Königstiger, der auch als Nationaltier Bangladeschs gilt. Männliche Exemplare können bis zu drei Meter lang und bis zu 300 Kilogramm schwer werden. Der Bestand der Tiger in den Sundarbans wird auf rund 670 Stück geschätzt.

Die Küche des Landes ist stark geprägt von Curry- und Reisgerichten, die mit Geflügel, Lammfleisch und Meeresfrüchten angereichert werden. Dabei wird traditionell mit der rechten Hand gegessen, da sie als „reine“ Hand gilt. Landetypische Gerichte sind beispielsweise Fleischspieße wie Shis Kebab oder Shami Kebab.

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