Bankräuber geben nach über 30 Stunden auf

Caracas - Es war der längste Tag ihres Lebens - dann endete nach 30 Stunden und 45 Minuten für insgesamt mehr als 30 Menschen ein Geiseldrama in Venezuela ohne Blutvergießen. Die vier schwerbewaffneten Täter, die mit zuletzt fünf Geiseln in einem Krankenwagen geflüchtet waren, ergaben sich der Polizei.

Bevor die Täter mit dem Fluchtfahrzeug davonrasten, spielten sich am Tatort in der Ortschaft Altagracia de Orituco im Bundesstaat Guarico erschütternde Szenen ab. Verzweifelt schlugen die 30 in der Bank verbliebenen Menschen gegen die Schaufensterscheibe, die unter dem Druck zersplitterte. Unterdessen verhandelten die Behörden mit der Mutter eines der Täter und baten sie, ihren Sohn zum Aufgeben zu überreden. Unter den Festgehaltenen waren mindestens drei Kinder, ein Baby und eine schwangere Frau.

Als die Verbrecher damit drohten, alle 20 Minuten eine Geisel zu erschiessen, erhielten sie schließlich von den Behörden freies Geleit. Nach einer rund dreistündigen Fahrt von mehr als 100 Kilometern stellte die Polizei schließlich das Fahrzeug auf einer Landstraße in einem Vorort der Hauptstadt Caracas und zwang die Verbrecher zur Aufgabe, berichteten Medien unter Berufung auf die Behörden. Am Steuer saß laut Medien eine Geisel. An dem Krankenwagen hatte die Polizei ein Ortungsgerät angebracht.

Der Gouverneur von Guarico, Eduardo Manuitt, würdigte die Arbeit der Polizei. Kein einziger Mensch sei bei der Aktion verletzt worden, betonte der Gouverneur. Die Täter hätten sich widerstandslos ergeben. Auch Angehörige der Geiseln, die an der Verfolgungsjagd der Polizei und den Verhandlungen mit den Entführern teilgenommen hätten, seien zu loben, sagte Manuitt.

Die Verbrecher waren am Montagvormittag (Ortszeit) mit Pistolen und einer Granate in die Filiale der Banco Provincial gestürmt. Als plötzlich eine Streife vorfuhr, verbarrikadierten sie sich mit Angestellten und Kunden in der Bank. Vier Frauen wurden noch am Montag auf freien Fuß gesetzt. In der Nacht konnten dann ein Mitglied des Wachpersonals sowie ein Angestellter fliehen. Trotz der Polizeiabsperrung hatte Dutzende von Journalisten und Schaulustige aus nächster Nähe das Drama verfolgt. Die Bank wurde vor laufenden TV-Kameras von einem Sonderkommando und Hubschraubern bewacht. Angehörige forderten die Vermittlung von Staatschef Hugo Chávez.

dpa

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