Das neue Gemälde von Banksy dreht sich um seine persönlichen Corona-Heldinnen. 
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Das neue Gemälde von Banksy dreht sich um seine persönlichen Corona-Heldinnen. 

Neues Gemälde

Corona in Großbritannien: Street-Art-Künstler Banksy ehrt die Superheldinnen der Krise

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Großbritannien zählt die meisten Corona-Todesopfer in Europa. Die Krankenschwestern sind für viele Menschen die Heldinnen der Krise. Das sieht auch Street-Art-Künstler Banksy so.

  • Großbritannien ist schwer von der Corona-Pandemie* gebeutelt 
  • Das staatliche Gesundheitssystem NHS ist chronisch unterfinanziert
  • Street-Art-Künstler Banksy dankt Corona-Heldinnen

London – Großbritannien leidet unter der Corona-Pandemie. Außer den USA gibt es kein anderes Land in der Welt, das so schwer vom Coronavirus gebeutelt ist wie das Vereinigte Königreich. Inzwischen beklagt das Land meisten Todesopfer in ganz Europa. Der Regierung von Premier Boris Johnson muss sich deshalb immer wieder vorhalten lassen, viel zu spät auf die Krise reagiert zu haben. 

Erst gestern (06.05.) wieder griff Keir Starmer von der Labour-Partei Boris Johnson scharf an. Als der Premier und der Oppositionsführer zum ersten Mal im Parlament aufeinandertrafen, nahm Starmer seinen Kontrahenten regelrecht auseinander. „Vor einer Woche hat der Premierminister die Erfolge seiner Regierung im Kampf gegen die Pandemie in den höchsten Tönen gelobt“, sagte Starmer. „Gestern mussten wir nun erfahren, dass tragischerweise gegen 30.000 Menschen ihr Leben verloren haben. So sieht Erfolg nicht aus.“ 

Street-Art-Künstler Banksy ehrt Corona-Heldinnen 

Vor allem der staatliche Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) ist durch die Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre chronisch unterfinanziert. Es mangelt an Ärzten, Pflegern, Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräten. Diese Situation hat nun der ebenso berühmte wie mysteriöse Streetart-Künstler Banksy zum Anlass genommen, um sich auf seine Weise bei denjenigen zu bedanken, die aus seiner Sicht zu den wahren Heldinnen der Corona-Krise in Großbritannien gehören. 

Ein großes Gemälde im General Hospital in Southampton zeigt einen Jungen, der kniet und eine Krankenschwester-Puppe in seiner Hand durch die Luft schweben lässt. Dabei streckt sie wie Superwoman ihre Hand aus - und trägt Gesichtsmaske*, Umhang und eine Schürze mit einem roten Kreuz, das einzige farbige Element in dem sonst schwarz-weißen Gemälde. Im Papierkorb vor dem Jungen liegen eine Spiderman- und eine Superman-Figur. Banksy hinterließ laut BBC im Krankenhaus einen Zettel, auf dem stand: „Danke für alles, was Sie tun. Ich hoffe, dies erhellt den Ort ein wenig, auch wenn es nur schwarz und weiß ist.“ 

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. . Game Changer

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Corona-Gemälde von Banksy soll bis in den Herbst hinein im Krankenhaus bleiben

Das ein Quadratmeter große Gemälde, zu dem Banksy nur „Game Changer“ (Spielwende) schrieb, soll bis in den Herbst im Krankenhaus bleiben und dann versteigert werden, wie BBC berichtete. Der Erlös soll an den NHS gehen. Das Gemälde werde von allen im Krankenhaus geschätzt, sagte Paula Head. Menschen hätten einen Moment, um innezuhalten, nachzudenken und das Kunstwerk zu würdigen, fuhr die Geschäftsführerin des Krankenhauses fort. „Es wird zweifellos auch massiv die Moral aller stärken, die in unserem Krankenhaus arbeiten und die gepflegt werden.“

Banksy veröffentlichte im April 2020 erstes Corona-Bild aus dem Homeoffice

Bereits im April hatte Banksy aus seinem Homeoffice heraus ein Bild zur Corona-Krise veröffentlicht: Auf Instagram postete der Brite ein Bild, auf dem er mehrere Ratten an die Wand des Badezimmers gemalt hat. Die herumstehenden Gegenstände sind so arrangiert, dass es so aussieht, als hätten die Ratten diese Unordnung verursacht. Darunter schrieb Banksy: „Meine Frau hasst es, wenn ich von zu Hause aus arbeite.“

Banksy ist bekannt für gesellschaftskritische Werke

Banksys Identität gibt bis heute Rätsel auf. Bekannt ist nur, dass er aus Bristol stammt und Ende der 90er nach London kam.  Einen Namen machte er sich mit seinen gesellschaftskritischen und meist kontroversen Motiven. Im Oktober 2019 wurde sein Werk mit dem Titel „Devolved Parliament“ („Dezentralisiertes Parlament“) für die stolze Summe von 9,8 Millionen Pfund (11,06 Millionen Euro)im Londoner Auktionshaus Sotheby’s versteigert. 

Bansky selbst war davon wenig begeistert. „Eine Schande, dass es nicht mehr mir gehörte“, schrieb er auf Instagram und postete dazu ein Zitat des Kunstkritikers Robert Hughes. Darin heißt es, Kunstwerke seien zum „speziellen Eigentum von jemandem geworden, der es sich leisten kann“, anstatt „das gemeinschaftliche Eigentum der Menschheit zu sein“, wie es bei Büchern der Fall sei. „Angenommen jedes lohnenswerte Buch würde eine Million Dollar kosten - stellen Sie sich vor, welch katastrophale Auswirkung das auf die Kultur hätte.“

Banksy schreddert eigenes Bild 

Schon vorher hatte Banksy bei einer Sotheby’s-Versteigerung für Schlagzeilen gesorgt, als er sein vielleicht berühmtestes Gemälde „Girl with a Balloon“ (Mädchen mit Ballon) zerstörte*. Kaum war der Hammer bei einem Preis von 1,04 Millionen Pfund gefallen, ertönte ein Warnsignal, ehe vor aller Augen die Hälfte des Blattes in einem Schredder verschwand, der im unteren Rand des Goldrahmens verborgen war. Übrig blieb nur der obere Teil, der Rest hing in Streifen herunter.

Von Christian Stör

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