Geiselnahme in Rundfunkgebäude - Polizei: Lage ernst

Geiselnahme in Rundfunkgebäude - Polizei: Lage ernst

Ministerialbeamter verbreitete Kinderpornos

Kiel - Ein Beamter des Kieler Bildungsministeriums ist wegen Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Dateien am Mittwoch zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Das Amtsgericht Kiel setzte die Strafe für zwei Jahre zur Bewährung aus. Wird das Urteil rechtskräftig, verliert der vom Dienst suspendierte 60-Jährige seinen Beamtenstatus und seine Pensionsansprüche. Geringere Altersbezüge würden ihm aber bezahlt.

Das Gericht sprach den 60-Jährigen Regierungsschuldirektor in 18 Fällen wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie schuldig und folgte weitgehend dem Antrag der Staatsanwältin. Der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe von unter einem Jahr gefordert. Er will eine Berufung prüfen. Auf die Spur des Vaters von drei Kindern hatten Ermittlungen des hessischen Landeskriminalamtes geführt.

Bei dem im Ministerium für Medienpädagogik zuständigen Beamten waren bei einer Hausdurchsuchung im April 2010 rund 670 Bild- und Videodateien gefunden worden. “Damit hab ich nichts zu tun“, behauptete der Mann damals. Vor Gericht meinte er: “Ich hatte kein Unrechtsbewusstsein.“

Er habe die Dateien aus dienstlichem Interesse aus dem Internet heruntergeladen, um Sicherheitsprogramme für Schulcomputer zu entwickeln, behauptete der Angeklagte. Doch das Schöffengericht unter der Vorsitzenden Myriam Wolf erklärte: “Es spricht nichts für ein dienstliches Interesse.“ Der Medienexperte habe genau gewusst, dass seine Aktivitäten im Internet verboten waren. Er habe auch seine Vorgesetzten nicht informiert.

Laut Gutachter lud der Angeklagte über Jahre hinweg unter anderem aus Internet-Tauschbörsen kinderpornografische Dateien herunter. Obwohl er immer wieder Dateien löschte und Verschlüsselungsprogramme benutzte, konnten Daten nachgewiesen werden.

Der Angeklagte habe die Möglichkeit, erwischt zu werden, unterschätzt, sagte die Richterin. Eine Freiheitsstrafe sei notwendig, weil die gefundenen Bilddateien auch brutalsten sexuellen Missbrauch selbst von Babys zeigten. “Das sind Bilder, die schwerste Verbrechen zeigen - das ist reales Geschehen“, sagte sie. Der Angeklagte hatte vor Gericht sexuelle Interessen oder pädophile Neigungen bestritten. Die Staatsanwältin ging dagegen von der Befriedigung sexueller Neigungen aus.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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