UNO berät über Katastrophenschutz

- Kobe - Unter dem Eindruck der Fluttragödie in Asien hat im japanischen Kobe eine UN-Konferenz zur Katastrophenvorsorge begonnen. Gut 800 Delegierte aus 150 Ländern beraten über Wege, wie die Menschen mehr Sicherheit vor Erdbeben, Flutwellen und anderen Naturgewalten gewinnen können.

Die beste Art, die Toten von Katastrophen zu ehren sei, die Lebenden zu schützen, sagte UN-Hilfskoordinator Jan Egeland zum Auftakt der fünftägigen Tagung. Deutschland will angesichts der Tsunami- Katastrophe am Indischen Ozean sicher stellen, dass künftig sämtliche weltweit existierenden Warnpotenziale genutzt werden.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) stellte das deutsche Modell für ein Tsunami-Frühwarnsystem vor. Es sieht die Integration von Boden, Meer-und Luftbeobachtung vor. Meeresbojen erfassen dabei Wellenbewegungen und übertragen sie per Funktechnik in Echtzeit an Rechenzentren. Das deutsche Frühwarnsystem könne auch bei Katastrophen wie Vulkanausbrüchen und Erdbeben verwendet werden, sagte die Ministerin. Zur Errichtung eines Tsunami-Frühwarnsystems biete Deutschland den Regierungen der betroffenen Länder wissenschaftliche und technische Hilfe an, sagte Bulmahn.

Der Gastgeber regte eine bei den Vereinten Nationen angesiedelte Datenbank an. Darin sollen weltweite Erfahrungen im Umgang mit Katastrophen gesammelt sowie Informationen zu Technologien für den Katastrophenschutz erfasst werden. Experten forderten in ersten Arbeitssitzungen, künftig Mittel für die Präventionsmaßnahmen bereit zu stellen. «Es macht Sinn, in Katastrophenvorsorge zu investieren, weil es billiger ist als der Wiederaufbau», sagte Thomas Schaef, Experte für Katastrophenvorsorge bei der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Rande der Konferenz in Kobe.

Eine Kosten-Nutzen-Analyse könne helfen, Finanzminister zu überzeugen, mehr Mittel für Vorsorgemaßnahmen bereit zu stellen. Dies gelte vor allem für Entwicklungsländer. Schaef zeigte sich jedoch optimistisch. Im Moment werde viel angestoßen. «Es gab noch nie eine so große Katastrophe», sagte Schaef. Doch die Erfahrungen hätten andererseits gezeigt, dass die «Lernkurve» oft wieder abfällt.

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