Berichte über Serienvergewaltigungen in Wiener Kinderheim

Wien - In einem städtischen Kinderheim in Wien sollen Mädchen in den 1970-er Jahren systematisch missbraucht und vergewaltigt worden sein - das berichten mehrere Opfer.

Ihre schweren Anschuldigungen gegen das Pflegepersonal wurden von der Zeitung "Kurier" (Sonntag) und dem Österreichischen Rundfunk (ORF, Samstag) dokumentiert. Die Pflegekinder wurden demnach in der inzwischen geschlossenen Einrichtung Schloss Wilhelminenberg physisch und psychisch schwer missbraucht.

Zwei Schwestern - heute 49 und 47 Jahre alt - berichteten, dass die Mädchen von bis zu sieben Männern vergewaltigt worden seien. Unter den Tätern seien auch die Erzieher gewesen. Der Missbrauch habe regelmäßig nachts stattgefunden. "Im Zimmer waren 20 Mädchen. Da ist jede drangekommen. Wir haben darüber nie im Heim gesprochen, weil die Scham so groß war und die Schmerzen, diese unerträglichen Schmerzen, was uns die angetan haben", zitierte die Zeitung ein mutmaßliches Opfer.

Die Angaben der Opfer sind nach Einschätzung der Opferschutz-Organisation Weißer Ring im "Kurier" glaubwürdig. Den Berichten nach wurden die Kinder vom weiblichen Pflegepersonal dazu angehalten, Reizwäsche zu tragen, wenn die Vergewaltiger kamen. "Im Nachhinein kommt es mir so vor, dass jemand für uns bezahlt wurde", sagte die ältere Schwester der Zeitung.

Im ORF berichtete die Frau, dass den Kindern damals gesagt wurde: "Heimkinder sind nichts wert auf der Welt." Der Anwalt der Opfer, Johannes Öhlböck, erklärte im ORF, dass bislang insgesamt 41 000 Euro Entschädigung gezahlt wurden. Das werde dem Leid aber nicht gerecht. Die Stadt Wien solle daher über weitere Zahlungen nachdenken.

Während sich die Öffentlichkeit vor allem auf den Missbrauch durch katholische Geistliche konzentriert, hatte die Stadt Wien im vergangenen Jahr eine Kommission zur Untersuchung entsprechender Taten in städtischen Einrichtungen eingesetzt. Als Reaktion auf die Berichte der beiden Frauen kündigte ein Gemeinderat an, auch diesen Fall in die Untersuchung einzubeziehen. Die Verfolgung der Täter ist nach österreichischem Recht schwierig, weil die Taten lange zurückliegen.

dpa

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