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Das Verfahren gegen Debra Milke wird eingestellt.

Nach 22 Jahren in US-Todeszelle

Ex-Todeskandidatin Debra Milke endgültig frei

Phoenix - Fast die Hälfte ihres Lebens saß die gebürtige Berlinerin Debra Milke im Gefängnis, im Todestrakt wartete sie auf ihre Exekution. 2013 kam sie vorläufig frei - nun ist diese Freiheit gerichtlich besiegelt.

Nach einem langen Justizkrimi und 22 Jahren in einer US-Todeszelle kommt die in Berlin geborene Debra Milke endgültig frei. Ein Bundesgericht im Staat Arizona kündigte am Montag die Einstellung des Verfahrens gegen die 51-Jährige an. Sie war bereits seit 2013 gegen Kaution und Auflagen auf freiem Fuß.

Die Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners war 1991 zum Tode verurteilt worden, weil sie 1989 zwei Männer angestiftet haben soll, ihren damals vierjährigen Sohn Christopher zu töten. Statt wie versprochen zum Weihnachtsmann in ein Einkaufszentrum zu fahren, töteten sie den Jungen in einem trockenen Flusslauf mit mehreren Schüssen in den Hinterkopf. Die Justiz ging davon aus, Milke habe ihren Sohn loswerden und eine Versicherungssumme einstreichen wollen. Milke selbst beteuerte stets ihre Unschuld. Die Männer wurden zum Tode verurteilt, aber noch nicht hingerichtet.

Anhörung dauert keine fünf Minuten

Die Gerichtsanhörung in Phoenix dauerte keine fünf Minuten. Richterin Rosa Mroz ordnete an, dass sämtliche zuvor verhängte Auflagen gegen Milke aufgehoben werden. Milke musste eine elektronische Fußfessel tragen, unterlag einer nächtlichen Ausgangssperre und durfte bis zum Ende des Verfahrens keinen Alkohol trinken. Die in Phoenix lebende Frau, die zwischen ihren Verteidigern im Gerichtssaal Platz genommen hatte, zeigte zunächst kaum Regung, wie in der TV-Übertragung aus dem Saal zu sehen war.

Milkes Verteidiger Michael Kimerer hatte bereits vergangene Woche gesagt, dass der Fall endgültig beendet sei. Denn der Oberste Gerichtshof von Arizona hatte eine weitere Anhörung abgelehnt, womit Milke kein erneuter Prozess gemacht werden durfte. Milke zeigte sich Kimerer zufolge danach „erleichtert, dass ihr endlich Gerechtigkeit widerfährt“. Es habe sich um einen „schrecklichen Justizirrtum“ gehandelt. Für diesen Dienstag kündigte Kimerer eine Pressekonferenz für 19.30 Uhr deutscher Zeit an.

Als nächsten Schritt streben Milkes Verteidiger eine Zivilklage gegen den Staat und die Polizei wegen ihrer Inhaftierung an. Bei einem Erfolg könnte Milke Schadenersatz in Millionenhöhe bekommen. In sozialen Medien Milke gratulierten ihre Unterstützer kurz nach der Entscheidung zur endgültigen Freiheit.

dpa

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