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Die Feuerwehr in Berlin musste immer wieder in Brand gesetzte Autos löschen.

Berliner Feuerteufel: Das war sein Motiv

Berlin - Seit Wochen stehen in der Hauptstadt immer wieder zahlreiche Autos in Flammen. Nun hat die Berliner Polizei den mutmaßlichen Feuerteufel gefasst. Auch sein Motiv ist inzwischen geklärt.

Am Ende war es eine Mischung aus massivem Polizeieinsatz, Können und einer großen Portion Zufall. Monatelang war die Berliner Polizei einem Serien-Brandstifter auf den Fersen. Am Freitag wurde der 27-jährige Mann festgenommen - und gestand. 67 Autos hatte er angezündet, viele weitere wurden beschädigt. Politische Motive hatte er nicht, eher persönlichen Frust. Stolz präsentierten die Ermittler am Sonntag auf einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke ihren Erfolg.

Hunderte Autos brannten in den vergangenen Jahren in Berliner Straßen, trotzdem sorgte die heftige Brandserie im Sommer für großes Aufsehen. Denn plötzlich standen auch im bürgerlichen Westen der Hauptstadt, weit ab von den linksalternativen Stadtteilen Kreuzberg und Friedrichshain, Nacht für Nacht Autos in Flammen. In einigen Nächten im August kam die Feuerwehr mit dem Löschen kaum hinterher. 500 Polizisten suchten Nacht für Nacht nach den Tätern.

Ein dummer Fehler des Täters kam der Polizei zu Hilfe. In der Nacht zum 23. August gegen 0.30 Uhr brannten in in Berlin-Spandau drei Autos. Die Polizei analysierte schon länger die Videofilme aus Bussen und U-Bahnen aus der Nähe von Brandorten. Diesmal landete sie einen Treffer. Auf den Filmen war ein auffälliger Mann zu sehen: Kurz vor den Anschlägen fuhr er Richtung Tatort und entfernte sich unmittelbar danach wieder, sagte Oliver Stepien, Leiter des für politische Taten zuständigen Staatsschutzes der Polizei.

“Wir wussten natürlich nicht, ob das der Täter ist“, sagte Stepien. Die Polizei schickte sein Bild intern herum - wenige Tage später erkannten Bundespolizisten den Mann und verfolgten ihn. Die Polizei ermittelte den Namen und beobachtete den Verdächtigen in den nächsten Wochen. Zunächst ohne Ergebnis.

Daten von seinem Handy zeigten, dass sich der 27-Jährige schon früher in der Nähe von Brandanschlägen aufgehalten hatte. Die Polizei sammelte weiter Indizien. Am Freitag luden die Fahnder den Verdächtigen dann zur Vernehmung und landeten den Coup. Trotz dünner Beweislage gestand er zunächst einen und dann weitere Brandanschläge. “Letztlich wollte er dann offenbar auch sein Gewissen entlasten und hat 67 Taten eingeräumt“, sagte der leitende Ermittler James Braun.

Die Kripo sei sicher, einen von mehreren Serien-Tätern erwischt zu haben, sagte Braun. “Er hat sehr detailliert geschildert, was er wann gemacht hat, so dass für uns auch kein Zweifel besteht, dass er womöglich nur aufgrund unseres Druckes Angaben gemacht hat.“

Als Grund für die Streifzüge mit Feuerzeug und Grillanzünder nannte der arbeitslose Lackierer persönlichen Frust über seine Arbeitslosigkeit. Staatsschutz-Chef Stepien sprach von “einer Art diffuser Sozialneid“. “Nach dem Muster: Mir geht es schlecht und anderen Leuten geht es gut, die will ich treffen.“ Ende August gingen die Anschläge deutlich zurück. “Da hat er schlicht und ergreifend einen Aushilfsjob gefunden und seine Frustreaktion etwas abgebaut.“

Dem Mann droht eine Gefängnisstrafe. Zwei Brandanschläge geschahen direkt neben Wohnhäusern, ein Altersheim musste geräumt werden. Weil Menschen in Gefahr waren, geht es um schwere Brandstiftung: mögliche Haftstrafe zwischen 1 und 15 Jahren. Die Polizei rechnet zudem damit, dass die Versicherungen den Schadenersatz in Millionenhöhe für die Autobesitzer vom Täter zurückfordern.

Brennende Autos gehören in Berlin wohl trotzdem nicht der Vergangenheit an. Durch die Festnahme seien zwar 15 bis 20 Prozent der Brandanschläge dieses Jahres aufgeklärt, sagte LKA-Chef Steiof. Ein Ende sehe er aber nicht. “Das Phänomen, da bin ich mir hundertprozentig sicher, wird uns weiter beschäftigen.“

dpa

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