Unklarheit über Ziele der Terrorverdächtigen

Berlin - Die Ermittlungsbehörden haben wenig Erkenntnisse über die genauen Ziele der beiden in Berlin verhafteten Terrorverdächtigen. Inzwischen wurde aber bekannt, wie sie den Männern auf die Spur kamen.

Die Ermittler seien zwar sicher, dass die Verdächtigen einen Anschlag vorbereitet haben, sagte Körting am Donnerstagabend in der RBB-“Abendschau“. Von konkreten Anschlagsplänen werde aber nicht ausgegangen.

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Auf die Frage, was die 24 und 28 Jahre alten Männer bei den Vernehmungen ausgesagt haben, antwortete Körting, man könne sicher sein, dass von den Festgenommenen nicht allzuviel zu erfahren sein werde. Es seien aber unter anderem Computer beschlagnahmt worden. Nun müsse man sehen, ob das Material für Haftbefehle reicht oder weiter ermittelt werden muss.

Zur Terrorgefahr im Allgemeinen sagte Körting: “Wir sind stärker im Visier des Terrorismus als uns lieb sein kann.“ Die Gefahr sei größer als vor 2001. Die Berliner Polizei sei aber gut aufgestellt.

Die Ermittler waren den Verdächtigen durch Bestellungen ungewöhnlich großer Mengen medizinischer Kühlpads auf die Spur gekommen. Einer oder beide Tatverdächtige - es handelt sich um einen 24-jährigen Deutschen libanesischer Herkunft und einen 28-Jährigen aus dem Gazastreifen - hätten mehrere Hundert dieser Pads geordert.

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Ein Hinweis auf die Männer kam laut der ARD-“Tagesschau“ von einem ausländischen Geheimdienst. Die Verhafteten sollen auch Salzsäure und Ammoniumnitrat gelagert haben. Letzteres wird für die Herstellung von Düngemittel und Sprengstoff verwendet.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Tatverdächtigen die Vorbereitung einer “schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ vor. Ein Polizeisprecher sagte, es gebe nach ersten Ermittlungen keine Anhaltspunkte dafür, dass die beiden Komplizen einer terroristischen Vereinigung angehören.

Die Männer sollen sich regelmäßig in einem Islamischen Kulturzentrum für religiöse Aufklärung (Ar-Rahman-Moschee) in der Tromsöer Straße im Stadtteil Wedding aufgehalten haben, das mit einem Großaufgebot der Polizei durchsucht wurde. Gegen den Verein oder seine Mitglieder wird laut Polizei aber nicht ermittelt.

Zudem durchsuchte die Polizei auch die Wohnungen der Männer in der Heinrich-Schlusnus-Straße in Neukölln und in der Urbanstraße in Kreuzberg. In einer Wohnung wurden Flüssigkeiten sichergestellt, die von Kriminaltechnikern untersucht werden. Insgesamt waren rund 230 Beamte im Einsatz. Geleitet werden die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft.

Ein Tatverdächtiger soll Medizin studieren

Wie die Nachrichtenagentur dapd von Nachbarn erfuhr, lebt der 28-Jährige in Neukölln mit einer Frau zusammen und hat Zwillinge. Anwohner beschreiben ihn als Mann von kräftiger Statur mit langem Bart “wie ihn Islamisten tragen“. Der zweite Festgenommene, der 24 Jahre alte in Kreuzberg lebende Deutsch-Libanese, soll laut “Bild.de“ an der Berliner Humboldt-Universität Medizin studieren.

Die Männer sollen sich bereits vor Monaten zahlreiche Kühlelemente und eine in der Landwirtschaft benutzte Säure besorgt haben, schreibt “Morgenpost Online“ weiter. Ins Rollen gekommen seien die Ermittlungen durch Hinweise der Firmen, bei denen die Substanzen bestellt worden waren. Den Betreibern in Berlin und Baden-Württemberg waren die angeforderten Mengen verdächtig vorgekommen. Diese Menge sei “auch für einen Sportverein ungewöhnlich“ gewesen, erfuhr dapd aus Sicherheitskreisen.

Operation “Regenschauer“ gegen Terrorzelle

Nach Angaben des “Tagesspiegels“ gründete die Polizei eine Einsatzgruppe mit dem Titel “Regenschauer“ und ließ die Tatverdächtigen rund um die Uhr überwachen. Bei dem Kulturzentrum handelt es sich um einen größeren Gebäudekomplex mit mehreren Nebenräumen, der sich in einer Sackgasse in einem Gewerbegebiet befindet. Die Zufahrt wurde abgesperrt.

Die Polizei schließt einen Zusammenhang mit dem Jahrestag der Anschläge in New York und Washington am 11. September 2001 oder dem Papstbesuch, der am 22. September in Berlin beginnt, aus. Erst Anfang März war es am Frankfurter Flughafen zum ersten tödlichen islamistischen Anschlag in Deutschland gekommen, bei dem zwei US-Soldaten starben.

Nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sind die Festnahmen der mutmaßlichen Attentäter ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Terrorgefahr nach wie vor auf hohem Niveau ist. Der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut sagte, die Polizei werde weiterhin mit einem hohen Personal- und Technikeinsatz den Fahndungsdruck auf potenzielle Terroristen hochhalten müssen.

dapd

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