Debatte geht weiter

Beschneidungs-Verbot: "Grober Unsinn"

Köln - Das Kölner Urteil zur Strafbarkeit von Beschneidungen sorgt weiter für Zündstoff: Ein UN-Sonderberichterstatter spricht sogar von "groben Unsinn".

Das Kölner Urteil zur Strafbarkeit von Beschneidungen sorgt weiter für Zündstoff. Die Argumentation des Gerichts gegen die Eingriffe sei “grober Unsinn“, sagte der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit, Heiner Bielefeldt, am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. Im Urteil fänden sich “bizarre Aussagen“. In jüdischen und muslimischen Familien sei die Beschneidung “eine ganz weit verbreitete Praxis“.

Rechtssicherheit sei nun wichtig. “Sonst ist nämlich zu befürchten, dass solche Praktiken in die Illegalität gedrängt werden. Und das würde für das Kindeswohl (...) eine ganze Reihe von neuen Risiken und Belastungen bedeuten“, sagte Bielefeldt dem Radiosender.

Als Eingriff in die religiöse Identität kritisierte die Türkisch Islamische Union (Ditib) das Urteil. Die Beschneidung bei Jungen sei ein religiöses Gebot im Islam und ein Identitätsmerkmal in der religiösen Tradition. Das Urteil widerspreche der Religionsfreiheit und dem Recht der Eltern, ihre Kinder in einer bestimmten Religion zu erziehen.

Der internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten in Lindlar sieht dagegen Kinderrechte gestärkt. “In vielen Fällen entscheiden sich Eltern gegen den Willen ihrer Kinder für eine Beschneidung“, sagte ein Sprecher am Donnerstag dpa. “Das Urteil klärt darüber auf, dass das eine Straftat ist.“ Die Eingriffe bezeichneten die Konfessionslosen als “Körperverletzung“ und “Verstümmelungen“. Nach Einschätzung des Sprechers könnte die Zahl der Beschneidungen in Deutschland nach dem Urteil zurückgehen.

Die Religionsgemeinschaft des Islam hat sich gegen das geplante Verbot gestellt vor der Kriminalisierung von Eltern und Ärzten gewarnt. Auch in Frankreich löste das Urteil ein großes Medienecho aus. In dem Land mit der größten muslimischen Gemeinschaft Europas sprach der Rektor der Pariser Großmoschee, Dalil Boubakeur, von einer “irrationalen Entscheidung“. In der Zeitung “Le Parisien“ (Donnerstag) kritisierte er “eine Stigmatisierung der muslimischen Gemeinschaft“. Auch der Vorsitzende des Zentralrats der jüdischen Institutionen in Frankreich (CRIF), der Mediziner Richard Prasquier, sprach von einem “skandalösen“ Urteil.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Besucher aus anderem Sonnensystem verblüfft Astronomen
Honolulu/Garching (dpa) - Ein unerwarteter Besucher aus den Tiefen des Alls begeistert Weltraumforscher: Zum ersten Mal haben Astronomen den Durchflug eines Asteroiden …
Besucher aus anderem Sonnensystem verblüfft Astronomen
Geisterfahrer baut schweren Unfall auf der A7
25 Kilometer ist ein Mann am Dienstagmorgen als Geisterfahrer auf der A7 zwischen Bad Hersfeld und Homberg/Efze (Nordhessen) unterwegs gewesen.
Geisterfahrer baut schweren Unfall auf der A7
Tatmotiv Habgier: Doppelmörder von Thale verurteilt
In einem abgebrannten Haus im Harz werden zwei verkohlte Leichen gefunden. Es stellt sich heraus: Vater und Sohn sind Opfer eines Verbrechens geworden. Der Mörder ist …
Tatmotiv Habgier: Doppelmörder von Thale verurteilt
Einfamilienhaus in Berlin eingestürzt
Ein Einfamilienhaus stürzt ein, ein Kind wird dabei lebensgefährlich verletzt. Von dem Haus bleibt nur noch ein Trümmerhaufen. Jetzt beginnt die Ursachenermittlung.
Einfamilienhaus in Berlin eingestürzt

Kommentare