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Der 62-jährige Angeklagte ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Bewährungsstrafe für Hells-Angel-Erpresser

Aachen - Er soll gewusst haben, in welche dunkle Kanäle die Reemtsma-Millionen geflossen sind. Und er soll die Hells Angels erpresst haben. Jetzt kam er mit einer Bewährungsstrafe davon. Sein Wissen behielt er für sich.

Ein Erpresser im Zusammenhang mit dem verschwundenen Millionenlösegeld aus der Reemtsma-Entführung ist zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 62-jährige Hauptangeklagte habe führende Köpfe der mittlerweile verbotenen Frankfurter Rocker Hells Angels mit seinem Wissen über Geldwäsche von Teilen des Lösegelds erpresst und rund 30 000 Euro abkassiert, stellte das Aachener Landgericht am Dienstag in dem Urteil fest. Die mitangeklagte Schwester wurde zu einer Geldstrafe verurteilt wegen Beihilfe zur versuchten Erpressung.

In Telefonaten habe der 62-Jährige - der früher eine Größe am Hamburger Kiez gewesen sein soll - immer wieder Geld gefordert, ansonsten würde er bei der Staatsanwaltschaft plaudern, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking. Nach den Zahlungsaufforderungen des Aacheners, der in Brasilien lebte, hätten die Hells Angels immer zeitnah gezahlt. In dem Prozess hatte der Erpresser geschwiegen.

Strafmildernd wertete das Gericht das „erhebliche Teilgeständnis“ in einer früheren Vernehmung, das Alter und die labile Gesundheit des Angeklagten.

Frankfurter Ermittler hatten 2010 und 2011 Telefonate in einem Geldwäsche-Verfahren abgehört, bei dem Reemtsma-Lösegeld in den Bau eines Darmstädter Sauna-Clubs geflossen sein soll. Die Ermittlungen wurden laut Staatsanwaltschaft Aachen nach über drei Jahren erfolglos eingestellt.

Weitere 30 000 Euro, die ihm seine Schwester aus Aachen nach Brasilien über viele Jahre in kleinen Tranchen überwiesen habe, stammen nach Einschätzung der Richter zwar aus illegalen Kanälen. Dieses Geld habe aber nichts mit der Erpressung der Rocker aus dem Rotlichtmilieu zu tun. Kurz vor der Verhaftung habe die 60-Jährige Erpresser-Geld für den Bruder entgegennehmen wollen. Das Geld sei dann aber nicht gekommen, sagte Beneking.

Bei der Entführung des Hamburger Millionen-Erben Jan Philipp Reemtsma 1996 war das Opfer gegen Zahlung des bis dahin höchsten bekannten Lösegeldes von 30 Millionen Mark freigekommen. Vom Großteil der Beute fehlt jede Spur. Aachen ist die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft bei der Suche nach dem verschwundenen Geld.

dpa

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