Kritik vom Pharmakonzern

Pfizer stoppt Impfstoff-Lieferungen an Israel - und soll Land wohl als „Bananenrepublik“ bezeichnet haben

  • Fabian Müller
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Was die Impfstrategie angeht, galt Israel lange Zeit als Vorzeige-Land. Nun sollen aber Impfstoff-Dosen nicht bezahlt worden sein, berichtet eine israelische Zeitung.

Jerusalem - Der Pharmakonzern Pfizer hat seine Lieferungen des Biontech-Impfstoffs an Israel eingestellt. Grund hierfür ist eine noch ausstehende Rechnung über 2,5 Millionen Dosen. Das berichtet die israelische Zeitung Jerusalem Post.

Hochrangige Mitarbeiter des Konzerns bekundeten in der Zeitung ihre Sorge, die israelische Übergangsregierung würde die ausstehende Summe nicht bezahlen. Die Firma wolle sich nicht ausnutzen lassen und könne nicht verstehen, wie sich ein organisiertes Land so verhalten könne. Der israelische Radiosender Army Radio berichtete sogar, dass Pfizer Israel eine „Bananenrepublik“ genannt haben soll.

Israel eine „Bananenrepublik“? Pharmakonzern Pfizer kritisiert ausbleibende Zahlungen

Eine Lieferung von 700.000 Dosen, die am Sonntag in Israel eintreffen sollte, wurde bis auf Weiteres verschoben. Pfizer sagte der Jerusalem Post, dass das Unternehmen alle Lieferungen wie ursprünglich vereinbart abgeschlossen habe. In einer Erklärung schrieb der Konzern: „Das Unternehmen arbeitet derzeit mit der israelischen Regierung daran, die Vereinbarung zu erneuern.“ So könne zusätzlicher Impfstoff an das Land geliefert werden. „Während dies andauert, können die Lieferungen angepasst werden.“

Der israelische Gesundheitsminister wollte auf Anfrage der Zeitung keine Stellung beziehen. Die ersten 10 Millionen Impfstoff-Dosen seien fristgerecht bezahlt worden, heißt es im Bericht der Zeitung. Als im Februar der Impfstoff knapp wurde, schloss Premier Benjamin Netanyahu mit Pfizer-CEO Albert Bourla eine Zusatzvereinbarung, um das Land mit zusätzlichen Dosen zu versorgen.

Für die vereinbarten zusätzlichen 2,5 Millionen Dosen soll aber nie Geld geflossen sein. Bislang hat das Land etwa 2,6 Milliarden Schekel für Impfstoff ausgegeben, rund 665 Millionen Euro. Das gab der Knesset im März bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass Israel deutlich mehr pro Dosis gezahlt hat als jedes andere Land auf der Welt. (fmü)

Über den Vorfall berichtet auch die Frankfurter Rundschau*. *FR.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Ronen Zvulun/dpa

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