Zusammenhang unklar

Herzmuskelentzündungen bei Biontech-Geimpften? Israel untersucht „Dutzende Fälle“ - scheinbar auch Deutsche betroffen

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Bisher betrafen Berichte über mögliche schwere Nebenwirkungen vor allem die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Nach Israel wurden nun auch Fälle in Deutschland bekannt.

Update vom 27. April, 14 Uhr: Der Corona-Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer steht in Israel auf dem Prüfstand. Das dortige Gesundheitsministerium untersucht Fälle von Herzmuskelentzündung (Myokarditis) in Verbindung mit dem Impfstoff (siehe Erstmeldung).

In Deutschland wurden insgesamt sieben Fälle von Myokarditis nach einer Impfung mit dem Biontech-Vakzin gemeldet. Das geht aus einem Bericht von Bild.de hervor. Die betroffenen Personen seien zwischen 23 und 89 Jahre alt gewesen, wie eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) mitteilte. Weiter sagte sie gegenüber der Zeitung: „Die Myokarditis trat wenige Stunden bis vier Tage nach der Impfung auf.“ Eine abschließende Bewertung könne hinsichtlich der Fälle noch nicht vorgenommen werden. Für die Bewertung würden noch weitere Informationen fehlen, wie auch wa.de* berichtet.

Auch in Israel ist nicht abschließend geklärt, ob die Myokarditis-Fälle tatsächlich in einem Zusammenhang mit dem Vakzin stehen.

Erstmeldung vom 26. April 2021: Herzmuskelentzündungen bei Biontech-Geimpften? Israel untersucht „Dutzende Fälle“ - Zusammenhang unklar

Tel Aviv - Die Meldungen um sehr seltene aber schwere Nebenwirkungen der Impfstoffe gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 reißen nicht ab. Nun steht in Israel auch der Covid-19-Impfstoff Biontech/Pfizer auf dem Prüfstand. Das israelische Gesundheitsministerium untersucht Fälle von Herzmuskelentzündung in Verbindung mit dem in Deutschland entwickelten mRNA-Impfstoff.

Biontech-Geimpfte mit Herzmuskelentzündungen: Israel untersucht „Dutzende von Fällen“

Wie tagesschau.de unter Berufung auf eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters berichtet, habe eine vorläufige Studie „Dutzende von Fällen“ von Myokarditis bei mehr als fünf Millionen Geimpften gezeigt. Hauptsächlich sei die Herzmuskelentzündung nach Angaben des israelischen Koordinators für die Pandemiebekämpfung Nachman Ash nach der zweiten Dosis aufgetreten. Bisher sei unklar, ob die Anzahl der Personen mit Entzündung des Herzmuskelgewebes ungewöhnlich hoch sei und ob dies in Zusammenhang mit dem Vakzin stehe.

Pfizer zu Herzmuskelentzündung nach Impfung: „Keine höhere Myokarditis-Rate beobachtet“

Ob ein Zusammenhang zwischen Erkrankung und Impfstoff bestehe, sei schwierig nachzuweisen, weil Myokarditis oft ohne Komplikationen ablaufe. Außerdem könne die Herzmuskelerkrankung durch eine Vielzahl von Viren verursacht werden. Eine ähnliche Anzahl von Fällen sei zudem in den vergangenen Jahren gemeldet worden. Pfizer erklärte laut tagesschau.de auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters, es „ist sich der israelischen Beobachtungen der Erkrankung bewusst, die überwiegend bei jungen Männern aufgetreten sei, die den Impfstoff von Pfizer/Biontech erhielten“. Nadav Davidovitch, Direktor der „School of Public Health“ an der Ben-Gurion-Universität im Süden Israels ist nicht der Ansicht, wie fr.de* berichtet, dass die Beobachtungen einen Stopp der Vergabe des Impfstoffes rechtfertigen würden – selbst, wenn sich die Korrelation als stabil erweisen würde.

Unerwünschte Nebenwirkungen würden regelmäßig und gründlich überprüft und das Unternehmen habe keine höhere Myokarditis-Rate beobachtet, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre. „Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass Myokarditis ein Risiko im Zusammenhang mit der Anwendung des Covid-19-Impfstoffs von Pfizer/Biontech darstellt“, wird das Unternehmen zitiert. Auch 24hamburg.de* berichtet von den Untersuchungen, die im Zusammenhang mit einer Biontech-Impfung stehen.

Hirnvenenthrombosen nach Astrazeneca-Impfung - aktuelle Empfehlung des PEI

Für große Unsicherheiten sorgten zuvor Vorfälle im Zusammenhang mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca. Das Vakzin wurde in einigen Ländern aufgrund von aufgetretenen Hirnvenenthrombosen zumindest zwischenzeitlich ausgesetzt. Vor allem der Fall einer nach der Impfung verstorbenen Krankenschwester in Österreich hatte im März in Deutschland für viel Aufsehen gesorgt. Doch auch in Deutschland gab es tragische Fälle.

Wegen solcher Blutgerinnsel (Thrombosen) soll der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland seit 31. März in der Regel nur noch bei Menschen ab 60 Jahren eingesetzt werden, so die Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts. Unter 60-Jährige können sich „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ weiterhin damit impfen lassen. Thrombose-Fälle traten auch bei Geimpften mit dem später zugelassenen Vakzins des Herstellers Johnson & Johnson auf. Für beide Vektor-Impfstoffe hatte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) nach einer Prüfung aber wieder grünes Licht gegeben. Nach Einschätzung der EMA-Experten überwiege der Nutzen einer Impfung die Risiken deutlich. (va) Merkur.de, fr.de, wa.de und hamburg24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Ronny Hartmann/dpa

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