Blutbad im Irak: Zwischen 200 und 500 Tote

Suleimanija/Bagdad - Terroristen haben in zwei kurdischen Dörfern ein Blutbad angerichtet, wie es die Iraker seit dem Sturz des Saddam-Regimes vor mehr als vier Jahren nicht erlebt haben. Die Angaben über die Zahl der Toten reichten am Mittwoch von 220 bis 500.

Die Terroristen hatten am Dienstagabend vier mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge in den Dörfern Gir Usair und Schiba Scheich Chidr im Nordwesten des Landes zur Explosion gebracht.

Der Generaldirektor des Krankenhauses der Kreisstadt Sindschar, Kifah Mohammed, sprach von 350 Getöteten und rund 500 Verwundeten. Krankenhausärzte und Behördensprecher in der Stadt erklärten, bei der Explosion seien zwischen 220 und 500 Menschen getötet worden. In den beiden betroffenen Dörfern leben Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden.

Dachil Kasim Hassun, der Bürgermeister der Kreisstadt, zu der die beiden Dörfer gehören, sagte: "Das ist das größte Massaker in der Geschichte von Sindschar. Die Explosionen haben auf einer Fläche von einem Quadratkilometer alles zerstört." Etwa 60 Leichen wurden am Mittwoch noch unter den Ruinen der zerstörten Häuser vermutet. Die Bergungsarbeiten werden nach Einschätzung von Hassun noch bis Donnerstag andauern.

Der Polizeichef der Stadt, Scheich Saed Schangari, erklärte: "Wir hatten Geheimdienstinformationen erhalten, dass die Terroristen in Sindschar Anschläge verüben wollten." Daraufhin seien die Sicherheitsmaßnahmen in der Stadt verschärft worden, weshalb die Attentäter ihre Sprengsätze schließlich in den Dörfern südlich von Sindschar zur Explosion gebracht hätten.

Das Blutbad löste in Bagdad und auch international Empörung aus. Der irakische Staatspräsident Dschalal Talabani, ein Kurde, erklärte, dieses "verabscheuungswürdige Verbrechen" sei ein weiterer Beweis dafür, dass der "schwarze Terror" derjenigen, die andere zu Ungläubigen erklärten, niemanden im Irak verschone. Auch der sunnitische Rat der Religionsgelehrten verurteilte den Anschlag. Er machte die "Besatzungstruppen und die Regierung" für den Mangel an Sicherheit verantwortlich und erklärte, hinter der Bombenserie steckten Menschen, die versuchten, "die irakische Landkarte neu zu zeichnen" und die demographischen Verhältnisse zu ändern.

Die US-Regierung verurteilte die Anschläge als "heimtückische und herzlose Morde". Die Attacken zeigten erneut, wie weit Extremisten "zu gehen bereit sind, um den Irak daran zu hindern, ein stabiles und sicheres Land zu werden", zitierten US-Medien die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino.

Die Behörden verhängten unterdessen eine Ausgangssperre rund um den Anschlagsort. Beim Transport von Verletzten halfen US-Soldaten. Ein Teil der Verletzten wurde nach Dohuk an der Grenze zur Türkei gebracht. Sindschar liegt nahe der syrischen Grenze.

Von vielen Muslimen werden die jesidischen Kurden abgelehnt und fälschlicherweise als "Teufelsanbeter" beschimpft. In der Region rund um die Stadt Mossul war es wiederholt zu Spannungen zwischen den Jesiden und sunnitischen Muslimen gekommen.

Die US-Truppen teilten unterdessen mit, amerikanische und irakische Soldaten hätten am Dienstag in der Stadt Nadschaf einen schiitischen Milizenführer gefangengenommen. Dieser soll noch im vergangenen Jahr Mitglied der Miliz des radikalen Predigers Muktada al-Sadr gewesen sein. Später habe er seine eigene Miliz gegründet.

Die US-Armee berichtete weiter, fünf amerikanische Soldaten seien am Dienstag durch den Absturz eines Hubschraubers vom Typ CH-47 Chinook in der westlichen Provinz Anbar ums Leben gekommen.

Ärzte im Krankenhaus der kurdischen Stadt Suleimanija im Nordosten des Landes teilten am Mittwoch mit, in Chanakin (167 Kilometer nordöstlich von Bagdad) sei am Dienstag ein Massengrab mit 33 Leichen gefunden worden. Die meisten der Opfer hätten traditionelle kurdische Kleidung und Augenbinden getragen. Sie seien vermutlich während des Aufstandes von 1991 von Regierungstruppen erschossen worden.

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