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Der Sinusrhytmus eines Herzens ist bei einem Notfalleinsatz auf einem EKG zu sehen. Foto: Stephan Jansen

Neue Zweifel an Lehrmeinung

Blutfette wohl doch nicht Ursache für Arterienverkalkung

Nach Überzeugung von Axel Haverich sind erhöhte Blutfettwerte nicht der Hauptrisiko-Faktor für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Leiter der Herzklinik an der Medizinischen Hochschule Hannover hat eine neue Theorie zur Entstehung von Arteriosklerose entwickelt.

Hannover (dpa) - Nicht Fette aus dem Blut, sondern Versorgungsstörungen an der Gefäßaußenwand führen einer neuen Theorie zufolge zu Arterienverkalkung. Der Herzchirurg Axel Haverich hat für diese These jahrelang Belege gesammelt.

Seine Überlegungen zur Entstehung von Arteriosklerose veröffentlichte der Professor an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) am Dienstag in der Fachzeitschrift "Circulation".

Bisher war man davon ausgegangen, dass die Arterien "verkalken", weil sich Blutfette an der Innenwand der Gefäße anlagern. Haverich ist dagegen überzeugt, dass dieses Cholesterin gar nicht aus dem Blut, sondern von abgestorbenen Zellen stammt. "Dafür sprechen chirurgische Beobachtungen, klinische Daten sowie frühere Publikationen", sagte der Mediziner.

Herzinfarkt und Schlaganfall sind die häufigsten Folgen von Arteriosklerose. Die Weltgesundheitsorganisation WHO führt jährlich 17,5 Millionen Todesfälle auf Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zurück. Auch in Deutschland sind sie Todesursache Nummer eins.

Haverichs Zweifel an der bisherigen Lehrmeinung waren auch von der Entdeckung neuer Risikofaktoren genährt worden. So wurde in Studien ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Herzinfarkt-Rate und dem Auftreten von Grippe-Epidemien mit Lungenentzündung nachgewiesen. Gleiches gilt für Menschen, die Feinstaub ausgesetzt sind. Neben gesunder Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung sowie dem Verzicht von Rauchen sollte die Verhinderung und Bekämpfung von Infektionen als Prävention der gefährlichen Arterienverkalkung Beachtung finden, sagte der Herzchirurg.

Nach seiner Theorie spielen winzig kleine Versorgungsblutgefäße an der Außenwand der Arterie - die sogenannten Vasa vasorum - eine entscheidende Rolle. Infolge von Entzündungen durch Viren, Bakterien und Feinstaub verschließen sich demnach diese kleinen Gefäße, und Zellen sterben ab. Auch schädliche Fettpartikel (oxidiertes LDL-Cholesterin) sind ein Auslöser. Daraufhin werden Reparaturprozesse des Immunsystems ausgelöst, bei denen Zellabfälle - die sogenannten Plaques - in der Außenwand entstehen. Diese verengen die Arterie von außen, ist Haverich überzeugt.

In den Plaques seien bereits 30 verschiedene Keime nachgewiesen worden, sagte der Wissenschaftler. Dies sei mit der bisherigen Theorie der erhöhten Blutfett-Werte allein nicht zu erklären. Die Überlegung, dass die Gefäßaußenwand eine entscheidende Rolle spielt, ist nicht neu. Haverich zufolge gab es hierzu bereits Publikationen im 19. Jahrhundert und auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie hätten aber nie Eingang in die Lehrmeinung gefunden.

Haverich-Beitrag im Magazin "Circulation"

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