Proteste in Teheran

Boeing-Abschuss im Iran: Luftfahrtbehörde veröffentlicht Untersuchungsbericht

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Nach dem Boeing-Abschuss in Iran liegt der zweite Untersuchungsbericht vor. Aber es sind noch Fragen offen. 

  • Ein ukrainisches Passagierflugzeug wurde vom Militär im Iran abgeschossen
  • Britischer Botschafter Rob Macaire verlässt den Iran
  • Luftfahrtbehörde veröffentlicht Untersuchungsbericht

Update vom Dienstag, 21.01.2020, 12.09 Uhr: Zwei Raketen haben das ukrainische Passagierflugzeug in Iran zum Absturz gebracht. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa in Berufung auf den zweiten Bericht der iranischen Luftfahrtbehörde und die iranische Nachrichtenagentur Isna. Die Maschine wurde demnach nahe Teheran von zwei Raketen des Typs „TOR“ aus Richtung Norden getroffen, als sie am 08.01.2020 auf dem Weg nach Kiew war. 

Iran: Flugzeug aus Ukraine stürzt ab - Bericht veröffentlicht

Bei dem Absturz waren alle Menschen an Bord des Flugs der Ukraine International Airline umgekommen. 147 der 176 Passagiere waren Iraner. Viele von ihnen hatten eine doppelte Staatsbürgerschaft, die anderen 29 waren Bürger der Ukraine, Kanadas, Schwedens und Afghanistans. 

Zuerst hatten die iranischen Behörden von einem technischen Defekt gesprochen, später den Abschuss des Flugzeugs eingeräumt. Der nun vorliegende zweite Bericht beschreibt detailliert, wie genau es zum Absturz kam. Auch hierbei handele es sich allerdings noch um einen Zwischenstand und nicht um das endgültige Ergebnis der Untersuchung. In Iran führte der Abschuss und die anfängliche Vertuschung zu Protesten. Präsident Hassan Ruhani versprach daraufhin eine gründliche und lückenlose Aufklärung der Abschussumstände durch ein Sondergericht mit verschiedenen Expertenteams.

Iran: Flugzeug aus Ukraine stürzt ab - alle Passagiere tot

Update vom Mittwoch, 15.01.2020, 11.33 Uhr: Der britische Botschafter hat den Iran verlassen. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur IRNA am Mittwoch. Rob Macaire habe das iranische Außenministerium zuvor über seinen Schritt in Kenntnis gesetzt. Macaire war nach seiner Teilnahme an einer laut Teheran illegalen politischen Kundgebung in der Hauptstadt in die Kritik geraten. Die Polizei hatte ihn kurzfristig festgesetzt. Das Außenministerium bestellte ihn aus Protest ein und die Justiz forderte sogar seine Ausweisung. Macaire hatte nach eigenen Angaben am Samstagabend nur an einer Trauerkundgebung in Teheran für die Absturzopfer der abgeschossenen ukrainischen Passagiermaschine teilgenommen, unter denen auch Briten waren. Die Veranstaltung habe er nach fünf Minuten verlassen, als Parolen gerufen wurden. Er habe nicht an einer Demonstration teilgenommen, betonte er.

Update vom 15.01.2020, 08.40 Uhr: Die bei Teheran abgeschossene ukrainische Passagiermaschine ist einem US-Medienbericht zufolge vor dem Absturz von zwei iranischen Raketen getroffen worden. Die Projektile seien im Abstand von 30 Sekunden abgefeuert worden, berichtete die Zeitung „New York Times“ am Dienstag, die verifizierte Aufnahmen aus einer Überwachungskamera veröffentlichte.

Video des Absturzes vor Teheran aufgetaucht

Dies erkläre, warum der Transponder des Flugzeugs nicht funktioniert habe, als es Richtung Boden gerast sei, berichtete die Zeitung. Dieser sei durch den Einschlag des ersten Geschosses nicht mehr funktionsfähig gewesen.

Das verschwommene Video, das von einem Dach in einem Dorf in einigen Kilometern Entfernung von einer iranischen Militäranlage aufgenommen wurde, zeigt die brennende Passagiermaschine, die schlingernd versucht, zum Flughafen Teheran zurückzufliegen. Kurz darauf explodierte die Maschine und stürzte ab.

Update vom 14.01.2020, 10.50 Uhr: Im Zusammenhang mit den Abschuss der ukrainischen Verkehrsmaschine bei Teheran sind nach Angaben der iranischen Justiz „einige“ Personen verhaftet worden. „Wir haben intensive Ermittlungen durchgeführt und einige wurden in diesem Zusammenhang verhaftet“, sagte Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili laut Nachrichtenagentur Isna am Dienstag.

Aus welchen Institutionen und Abteilungen die Verhafteten kommen, sagte der Sprecher nicht. Der Fall sei kompliziert und viele Dimensionen müssten untersucht werden, um zu einem klaren Ergebnis zu kommen, sagte der Sprecher.

Update vom 13.01.2020, 15.30 Uhr: Angesichts anhaltender regierungskritischer Demonstrationen wehrt sich die Führung in Teheran gegen den Vorwurf, sie habe den Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs zu vertuschen versucht. Es sei „viel Kritik an Verantwortlichen und Autoritäten unseres Landes“ laut geworden, sagte Regierungssprecher Ali Rabiei am Montag. „Einige Verantwortliche wurden sogar der Lüge und Vertuschung bezichtigt - dies war jedoch nicht der Fall.“

Lügen bestehe darin, „absichtlich und wissentlich die Wahrheit falsch darzustellen“, sagte Rabiei. Wenn sich in den ersten Tagen nach dem Abschuss der ukrainischen Boeing Regierungsvertreter zu den Ursachen geäußert hätten, so hätten sie dies auf der Grundlage der jeweils „vorliegenden Informationen“ getan. Am Donnerstag und Freitag hatten die iranische Flugaufsicht und die Regierung bestritten, dass die Boeing abgeschossen worden sein könnte. Erst am Samstag räumte die Regierung ein, die Maschine sei von den Revolutionsgarden irrtümlich abgeschossen worden.

Nach Boeing-Abschuss: Trump warnt auf Twitter den Iran

Update vom 12.01.2020, 06.50 Uhr: Die regierungskritischen Proteste in Teheran weiten sich nach dem Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine durch den Iran aus. Bis zu 3.000 Menschen demonstrierten am Sonntag laut der Nachrichtenagentur ILNA auf dem Asadi-Platz in der Hauptstadt und kritisierten auch die Vertuschung von Fakten durch die iranische Führung. Es gab dem Bericht zufolge Forderungen nach dem Rücktritt aller beteiligten Offiziellen. Polizei und Sicherheitskräfte versuchten laut ILNA, die Proteste zu beenden. US-Präsident Donald Trump stellt sich via Twitter demonstrativ hinter die Demonstranten - zum Ärger des Irans.

Trump warnte die iranische Führung* davor, gewaltsam gegen protestierende Regierungskritiker vorzugehen. „Töten Sie nicht ihre Demonstranten“, schrieb er am Sonntag in Großbuchstaben auf Twitter. „Tausende sind von Ihnen bereits getötet oder inhaftiert worden.“ Die USA und die ganze Welt würden zuschauen, warnte Trump. Später wiederholte er die Twitter-Nachricht auf Persisch. 

Der Iran bezeichnete Trumps Einlassungen via Twitter als absurd. „Stehen Sie an der Seite der Iraner oder gegen sie, wenn Sie ihren Nationalhelden (Soleimani) in einer Terroraktion töten lassen“, fragte Außenamtssprecher Abbas Mussawi am Sonntag auf Twitter. Außerdem habe Trump kein Recht, auf Persisch zu twittern, nachdem er jahrelang das iranische Volk mit Drohungen und Sanktionen terrorisiert habe.

Am Sonntag (Ortszeit) twitterte Trump dann, sein Nationaler Sicherheitsberater gehe davon aus, dass die Sanktionen und Proteste den Iran an den Verhandlungstisch zwingen würden. 

Nach Abschuss einer Boeing im Iran: Kramp-Karrenbauer fordert Konsequenzen

Update vom 12.01.2020, 17.10 Uhr: Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat nach dem Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs bei Teheran Konsequenzen für die iranischen Verantwortlichen gefordert. „Es muss aufgeklärt werden und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte sie am Sonntag beim Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbandes Bitburg-Prüm in Bitburg. „Es sind unschuldige Menschen ermordet worden und das können wir nicht einfach so im Raum stehen lassen.“

„Nur der Druck der internationalen Gemeinschaft hat das iranische Regime dazu bewogen, die Wahrheit einzuräumen, auch gegenüber dem eigenen Volk“, sagte die Ministerin und CDU-Vorsitzende. In den letzten Tagen sei man „nahe“ an einer Situation gewesen, „die stärker hätte außer Kontrolle geraten können“. Sie fügte hinzu: „Es sind 176 unschuldige Menschen getötet worden, die in diese Auseinandersetzung hineingezogen worden sind.“

Iran: Proteste in Teheran von der Polizei gewaltsam aufgelöst

Update vom 12.01.2020, 10.52 Uhr: Die wütenden Proteste in der iranischen Hauptstadt Teheran wurden am Samstagabend von der Polizei gewaltsam aufgelöst. Dabei wurde kurzzeitig der Botschafter Großbritanniens festgenommen, was bereits bei den Briten für Empörung gesorgt hatte. Nun mischt sich US-Präsident Donald Trump in den Konflikt ein. 

Die Regierungs Irans solle es Menschenrechtsorganisationen erlauben, vor Ort über die Proteste des iranischen Volkes zu berichten, schreibt er am Samstagabend (EST) auf Twitter. 

Update vom 12.01.2020, 08.15 Uhr: In der iranischen Hauptstadt Teheran wurde der britische Botschafter Rob Macaire für einige Stunden festgenommen. Dies meldet die Nachrichtenagentur Tasnim. Nach ein paar Stunden soll Macaire wieder freigelassen worden sein. 

Großbritannien reagiert auf den Zwischenfall empört. Das britische Außenministerium sprach am Samstagabend von einem „eklatanten Verstoß gegen internationales Recht.“ Wie „Der Spiegel“ berichtet, soll Macaire am Samstagabend bei einer Proteskundgebung vor der Universität Amir Kabir in Teheran gewesen sein. Laut der iranischen Nachrichtenagentur soll er die Demonstranten darin bestärkt haben, radikale Aktionen durchzuführen. 

Iran: Absturz der Boeing sorgt für große Proteste

Update vom 12.01.2020, 06.30 Uhr: Am Samstag (11.01.2020) kam es zu Protesten auf den iranischen Straßen, nachdem bekannt wurde, dass das iranische Militär für den Flugzeugabsturz verantwortlich ist. Die Menschen sind zornig, vor allem deshalb, weil die Führung Irans tagelang eine Verantwortlichkeit geleugnet hatte. Unter den Demonstranten sind auch Studierende und Intellektuelle. 

Unterdessen bekunden die Verantwortlichen für den Absturz mit dramatischen Worten ihr Bedauern. So sagt laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" der Chef der Luftwaffe, er wünschte er wäre tot. 

Update vom 11.01.2020, 09.58 Uhr: Hartnäckig hatte der Iran dementiert, etwas mit dem Flugzeugabsturz zu tun zu haben. Vor wenigen Stunden dann räumt die Regierung in Teheran ein, dass iranische Streitkräfte das Passagierflugzeug mit 176 Menschen ab Bord abgeschossen hatten. Es sei einer Militäreinrichtung der Revolutionsgarden zu nahe gekommen, heißt es vonseiten der iranischen Armee. Die Maschine sei für ein "feindliches Flugzeug" gehalten worden. Der Generalstab der iranischen Armee kündigte an, "der Verantwortliche" für den Abschuss werde "umgehend" vor die Militärjustiz gestellt.

Irans Präsident Hassan Ruhani erklärte im Online-Dienst Twitter, sein Land bedaure den Abschuss "zutiefst". Er sprach von einer "großen Tragödie und einem unentschuldbaren Fehler". Die interne Untersuchung der Streitkräfte habe ergeben, dass "wegen menschlichen Versagens abgeschossene Raketen bedauerlicherweise den grauenhaften Absturz des ukrainischen Flugzeugs und den Tod von 176 unschuldigen Menschen verursacht" hätten. Die Ermittlungen dauerten an.

Allerdings haben die USA laut öffentlicher Stellungnahme des Iran eine Mitschuld an dem "Desaster". Menschliches Versagen in "durch das Abenteurertum der USA verursachten" Krisenzeiten habe "zu einem Desaster geführt". Er bezog sich damit auf die von US-Präsident Donald Trump angeordnete Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani in Bagdad. Als Vergeltung hatte der Iran zwei von US-Streitkräften genutzte Militärstützpunkte im Irak angegriffen. Wenige Stunden später stürzte die ukrainische Passagiermaschine in der Nähe von Teheran ab.

„Ein Versehen“: Iran räumt Abschuss des Passagierflugzeuges ein

Update vom 11.01.2020, 6.30 Uhr: Was seit einigen Tagen als Verdacht von unterschiedlichen Regierungen vermutet wurde, ist nun Gewissheit. Der Iran hat am frühen Samstagmorgen (MEZ) eingeräumt, die Passagiermaschine zum Absturz gebracht zu haben. Sei sei ein "Versehen" gewesen. Auf Twitter bedauert Irans Präsident Hassan Rohani den unbeabsichtigten Abschuss "zutiefst". Und nennt dies einen "Fehler".

Seine Gedanken und Gebete würden an die trauernden Familien gehen. Ihnen spreche er seine "aufrichtigstes Beileid aus." 

Update vom 10.01.2020, 12.55 Uhr:  Nach iranischen Angaben haben die Ermittlungen zur Klärung der Absturzursache begonnen. Iranische und ukrainische Experten hätten ihre Arbeit in einem Labor am Flughafen Mehrabad in Teheran aufgenommen, gab der Leiter der Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, im Fernsehen bekannt. Ihr Ziel sei die Auswertung der beiden schwer beschädigten Flugschreiber - des Flugdatenschreibers und des Aufzeichners der Geräusche in der Pilotenkanzel. Dabei geht es auch um die letzten Worte des Kapitäns. 

Inzwischen steht fest, dass bei dem Unglück auch vier Menschen aus Deutschland ums Leben kamen. Dabei handelt es sich um eine Doktorandin aus Mainz und eine afghanische Frau aus Nordrhein-Westfalen mit ihren beiden Kindern. Die 30-Jährige war anerkannte Asylbewerberin, ihre Tochter war 8, ihr Sohn 5 Jahre alt. Sie hatten nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.

Flugzeugunglück im Iran: Auch Boris Johnson deutet Abschuss an

Update vom 10.01.2020, 06.20 Uhr: Neben dem kanadischen Ministerpräsidenden Justin Trudeau äußert sich jetzt auch der britische Premier Boris Johnson zu einer möglichen Absturzursache. Einer Mitteilung von Donnerstagabend zufolge sprach er von einem „Korpus an Informationen“, der auf einen Abschuss durch eine iranische Rakete hinweise. 

„Wir arbeiten eng mit Kanada und unseren internationalen Partnern zusammen und es bedarf einer vollständigen und transparenten Untersuchung“, so Johnson. 

Vor Trudeau hatten US-Medien berichtet, dass die Boeing-Maschine von einer iranischen Flugabwehrrakete getroffen worden sein könnte. US-Regierungsbeamte halten dies für hoch wahrscheinlich.

Update vom 09.01.2020, 21.00 Uhr: 

Nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine bei Teheran geht die kanadische Regierung von einem Abschuss durch den Iran aus. „Wir haben Geheimdienstinformationen von mehreren Quellen von unseren Alliierten und eigene Informationen. Diese Informationen deuten darauf hin, dass das Flugzeug von einer iranischen Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde“, sagte Ministerpräsident Justin Trudeau am Donnerstag in einer TV-Ansprache. Dies könne durchaus versehentlich geschehen sein.

Vor Trudeaus Ansprache hatten US-Medien berichtet, dass die Boeing-Maschine von einer iranischen Flugabwehrrakete getroffen worden sein könnte. US-Regierungsbeamte hielten dies für hoch wahrscheinlich, berichtete der TV-Sender CBS unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen. Das Nachrichtenmagazin „Newsweek“ berichtete unter Berufung auf zwei Pentagon-Mitarbeiter, dies sei wohl versehentlich geschehen

Update vom Donnerstag, 09.01.2020, 07.05 Uhr: Nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine im Iran mit mehr als 170 Toten geht die Suche nach der Ursache weiter. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sollten Spezialisten aus Kiew in der Nacht zum Donnerstag zur Absturzstelle fliegen. 

Im Fokus der Ermittler stehen nun die letzten Minuten der Maschine. Die iranischen Behörden hatten kurz nach dem Vorfall von einem technischen Defekt gesprochen, ohne aber zu erklären, worauf sie sich bei ihrer Einschätzung berufen. Irans Präsident Hassan Ruhabi forderte später vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde eine lückenlose Aufklärung, wie der Nachrichtensender Chabar berichtete.

„Die Erfahrung lehrt, dass vorschnelle Einschätzungen oft daneben liegen“, sagte der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). „Wir sollten die ersten offiziellen Untersuchungsergebnisse abwarten, die laut internationalen Vereinbarungen in 30 Tagen vorliegen müssen.“

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Experten in den USA halten Angriff auf Boeing im Iran für möglich

In den USA wird derweil über eine mögliche Attacke spekuliert. Der frühere Flugunfallermittler Jeff Guzzetti sprach in der „Washington Post“ davon, dass der Absturz alle Anzeichen einer vorsätzlichen Handlung trage. Wenn das Video des brennenden Flugzeugs echt sei, könne er sich „keinen Defekt vorstellen, der eine so große Feuersbrunst auslösen könnte“. 

Ähnlich äußerte sich der ehemalige Direktor des National Transportation Safety Board in der „New York Times“. Die Ermittler sollten die Möglichkeit eines Angriffs auf die Boeing ganz oben auf ihrer Agenda haben, sagte Peter Goetz. Auch Richard Aboulafia denkt in diese Richtung. „Flugzeuge explodieren nicht einfach in der Luft“, sagte der Vizepräsident eines Luftfahrtberatungsunternehmens der „New York Times“.

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Update vom Mittwoch, 08.01.2020, 18.28 Uhr: Iranische Einsatzkräfte haben die beiden Flugschreiber der abgestürzten Boeing 737 geborgen, wollen diese angesichts der politischen Spannungen zwischen dem Iran und den USA jedoch nicht zur Untersuchung durch die USA oder den US-Hersteller Boeing freigeben, wie dies eigentlich üblich ist. Der ukrainische Regierungschef Oleksij Gontscharuk erklärte, Kiew verhandele mit den Teheraner Behörden darüber, ukrainischen Ermittlern Zugang zur Absturzstelle zu ermöglichen.

Die Unglücksmaschine mit Baujahr 2016 war laut der Fluggesellschaft Ukraine International Airlines erst am Montag technisch überprüft worden. „Das Flugzeug war einsatzfähig“, betonte Airline-Präsident Jewgenyj Dychne in Kiew. „Es war eine unserer besten Maschinen.“ Die Besatzung sei „hervorragend“ gewesen.

Flugzeugabsturz in Iran: Ukraine zieht Erklärung für Absturz zurück

Airline-Vizepräsident Igor Sosnowsky sagte weiter, die Wahrscheinlichkeit, dass der Absturz auf einen Fehler der erfahrenen Crew zurückgehe, sei „minimal“. „Wir ziehen das schlichtweg nicht in Betracht“, sagte er. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte die Öffentlichkeit dazu auf, sich mit Spekulationen über den Flugzeugabsturz zurückzuhalten. Eine Erklärung der ukrainischen Botschaft in Teheran, wonach eine Panne an einem Triebwerk festgestellt worden sei, wurde später zurückgezogen. Selenskyj betonte: „Wir müssen allen möglichen Versionen nachgehen.“

Spekulationen, wonach ein Zusammenhang zwischen dem Flugzeugabsturz und den iranischen Raketenangriffen auf Militärstützpunkte im Irak wenige Stunden vor dem Unglück bestehen könnte, wollte Airline-Chef Dychne nicht kommentieren.

Flugzeugabsturz im Iran: Ein Absturz und zu viele Spekulationen

Präsident Selenskyj ordnete eine Untersuchung des Absturzes sowie eine Überprüfung aller zivilen Flugzeuge in der Ukraine an. Boeing erklärte, es bestehe ein „enger Kontakt“ zur Fluggesellschaft UIA. Die ukrainische Airline werde von Boeing „jede erforderliche Unterstützung“ erhalten.

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Die iranische Luftfahrtbehörde führte den Crash auf einen technischen Defekt zurück, wie der iranische Nachrichtensender Chabar unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde berichtete. Wie diese so kurz nach dem Absturz am Mittwochmorgen zu dieser Einschätzung gelangte, blieb zunächst offen.

Flugzeugabsturz in Iran: Wohl doch keine Deutschen unter den Opfern

Update vom Mittwoch, 08.01.2020, 16.09 Uhr: Die Bundesregierung geht nicht davon aus, dass bei dem Flugzeugabsturz nahe Teheran Deutsche ums Leben gekommen sind. "Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen sich deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Iran befinden", hieß es am Mittwoch aus dem Auswärtigen Amt. Bei dem Absturz des ukrainischen Passagierjets waren bisherigen Erkenntnissen zufolge insgesamt mehr als 170 Menschen gestorben.

Update vom Mittwoch, 08.01.2020, 14.25 Uhr: Die Bundesregierung setzt auf eine Aufklärung der Ursachen für den Flugzeugabsturz im Iran. Eigene Erkenntnisse dazu habe man aktuell nicht, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Spekulationen darüber verböten sich. Nötig sei eine genaue Untersuchung durch die iranischen Stellen, diese sei nun abzuwarten. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass auch der Iran größtes Interesse daran habe, die Ursache so rasch wie möglich und vollumfänglich zu ermitteln.

Zu möglichen deutschen Passagieren an Bord der ukrainischen Maschine erklärte das Auswärtige Amt, es lägen noch keine genauen bestätigten Informationen zu den Todesopfern vor. Man stehe dazu mit allen zuständigen Behörden in Kontakt. Nach ukrainischen Angaben sollen auch drei Deutsche an Bord gewesen sein, wie Außenminister Wadim Pristaiko bei Twitter mitgeteilt hatte. Die Boeing 737 war nahe dem Flughafen der iranischen Hauptstadt Teheran abgestürzt. Nach offiziellen Angaben hat keiner der mehr als 170 Insassen den Absturz überlebt.

Update vom Mittwoch, 08.01.2020, 11.25 Uhr: Die Grünen haben eine genaue Untersuchung des Absturzes einer ukrainischen Passagiermaschine kurz nach dem Start in Teheran gefordert. Der Hinweis von iranischer Seite auf einen „technischen Defekt“ als mutmaßliche Ursache sei aus seiner Sicht „ein bisschen schnell gekommen“, sagte der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour den Sendern der RTL-Mediengruppe. 

Der Absturz hatte Spekulationen ausgelöst, weil er in enger zeitlicher Nähe zu iranischen Luftangriffen auf internationale Militärstützpunkte in Irak erfolgte. Gleichwohl betonte Nouripour, eine technische Ursache des Absturzes sei „denkbar“. Es gebe allerdings noch „sehr viele Fragen, die übrig bleiben“. 

„Deshalb ist es dringend geboten, dass jetzt eine internationale Untersuchung eingeleitet wird, um genau zu klären, was da schiefgegangen ist“, forderte Nouripour. „Auch wenn es ein technischer Defekt wäre, wäre eine solche Untersuchung notwendig, damit man darüber nachdenkt, wie man solche abstellen kann“, betonte der Grünen-Politiker. Auf jeden Fall dürfe nach dem Tod so vieler Menschen nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden.

Unterdessen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor Spekulationen über die Ursache für den Absturz gewarnt. „Ich bitte alle sehr, von Spekulationen und der Verbreitung ungeprüfter Versionen zur Katastrophe bis zur Veröffentlichung offizieller Informationen Abstand zu nehmen“, schrieb er bei Facebook. Er kündigte an, dass die Passagierliste veröffentlicht werden solle. „Wir werden klären, wer wirklich ins Flugzeug stieg, damit es keine Abweichungen gibt.“

Flugzeugabsturz in Iran: Ukrainische Fluggesellschaft stellt Flüge nach Teheran ein

Update vom Mittwoch, 08.01.2020, 10.55 Uhr: Die ukrainische Fluggesellschaft Ukraine International Airlines hat nach dem Absturz ihres Passagierflugzeuges im Iran alle Flüge nach Teheran eingestellt. Vorläufigen Angaben nach seien 167 Passagiere und 9 Besatzungsmitglieder an Bord gewesen, teilte das Unternehmen am Mittwoch bei Facebook mit. Die etwa vier Jahre alte Maschine des Typs Boeing 737-800 NG sei zuletzt vor zwei Tagen technisch überprüft worden. Informationen zur Absturzursache würden zeitnah bekanntgegeben werden. Die 1992 gegründete größte ukrainische Airline verfügt nach eigenen Angaben über 42 Flugzeuge und hat wöchentlich rund 1100 Flüge in insgesamt 38 Länder. Hauptaktionär ist der Oligarch Igor Kolomoiski.

Update vom Mittwoch, 08.01.2020, 10.26 Uhr: Die Ukraine will nach dem Absturz einer ukrainischen Passagiermaschine im Iran eigene Ermittlungen einleiten. „Ich habe den Generalstaatsanwalt angewiesen, ein Strafverfahren zu eröffnen“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Kommission, die den Absturz untersuchen soll, wird demnach aus Vertretern der staatlichen Ermittlungsbehörden und den Experten für zivile Luftfahrt bestehen. „Wir müssen allen möglichen Versionen nachgehen“, sagte Selenskyj. Die Maschine war am Morgen nahe dem Flughafen der iranischen Hauptstadt Teheran abgestürzt.

Update vom Mittwoch, 08.01.2020, 09.40 Uhr: Bei dem Flugzeugabsturz im Iran sollen nach ukrainischen Angaben auch drei Deutsche ums Leben gekommen sein. Das teilte der ukrainische Außenminister Wadim Pristaiko am Mittwoch bei Twitter mit. Das Auswärtige Amt hatte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zuvor mitgeteilt: „Unsere Botschaft in Teheran bemüht sich mit Hochdruck um Aufklärung." 

Nach Angaben des Außenministers stammten die Opfer aus sieben verschiedenen Ländern. 82 seien Iraner gewesen, 63 stammten aus Kanada. Unter den Opfern seien auch Briten, Schweden, Ukrainer und Afghanen. Die Behörden in Kiew kündigten an, die Passagierliste zu veröffentlichen.

Update vom Mittwoch, 08.01.2020, 07.40 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich nach dem Absturz einer Passagiermaschine des Landes im Iran tief erschüttert gezeigt. „Schreckliche Nachrichten aus dem Nahen Osten“, schrieb er am Mittwochmorgen bei Facebook. Niemand habe das Unglück überlebt. „Mein aufrichtiges Beileid an die Familien und Freunde aller Passagiere und Besatzungsmitglieder.“ Nach Angaben des Staatsoberhauptes will die ukrainische Botschaft im Iran nun alle Informationen übe die Umstände der Tragödie zusammentragen. Die Namen der Toten würden nun aufgelistet, schrieb Selenskyj. Der 41-Jährige brach nach dem Unglück seinen Aufenthalt im Oman auf der arabischen Halbinsel ab. 

Update vom Mittwoch, 08.01.2020, 06.55 Uhr: Die russische Botschaft im Iran will nach dem Flugzeugabsturz prüfen, ob russische Staatsbürger an Bord der Maschine waren. Das teilte die Vertretung Russlands in der Hauptstadt Teheran am Mittwochmorgen bei Twitter mit. Über eigene Erkenntnisse zum Absturz verfügt die Botschaft demnach nicht. Sie beruft sich bei dem Unglück auf Angaben der iranischen Behörden.

Ukrainisches Passagierflugzeug nahe Teheran abgestürzt

Erstmeldung vom Mittwoch, 08.01.2020, 06.40 Uhr: 

Teheran - Eine ukrainische Passagiermaschine ist am Mittwochmorgen in der Nähe des Imam-Chomeini-Flughafens der iranischen Hauptstadt Teheran abgestürzt. Nach Angaben der Hilfsorganisation iranischer Halbmond kamen alle Insassen ums Leben. Ein Sprecher sagte am Mittwochmorgen im iranischen Staatsfernsehen, es seien alle 173 Passagiere und Crewmitglieder getötet worden. Nach dem Absturz der Boeing 737 hatte die iranische Nachrichtenagentur Insa zunächst von 180 Insassen berichtet.

Russischen Medien zufolge war die Maschine von Ukraine International Airlines auf dem Weg von Teheran nach Kiew und stürzte kurz nach dem Abflug ab.

Die iranische Luftfahrtbehörde führte den Crash auf einen technischen Defekt zurück, wie der iranische Nachrichtensender Chabar unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde berichtete. Wie diese so kurz nach dem Absturz am Mittwochmorgen zu dem Schluss eines Technikfehlers als Ursache kam, blieb zunächst offen.

Boeing reagierte kurz nach dem Absturz mit einem Tweet: „Uns sind die Medienberichte aus dem Iran bekannt und wir tragen gerade mehr Informationen zusammen.“

Die um kurz nach 05.00 Uhr Ortszeit gestartete Maschine mit der Flugnummer PS752 stürzte ersten Erkenntnissen zufolge in ein offenes Feld nahe dem Teheraner Vorort Parand. Das Flugzeug hätte gegen 08.00 Uhr Ortszeit in der ukrainischen Hauptstadt Kiew landen sollen.

Zusammenhang zwischen Absturz und Eskalation im USA-Iran-Konflikt unklar

Kurz nach den iranischen Raketenangriffen auf Militärstützpunkte im Irak hatte die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA US-Flugzeugen die Nutzung des Luftraums in Teilen des Nahen Ostens untersagt. Über dem Persischen Golf, dem Golf vom Oman, im Irak und im Iran dürften in den USA registrierte Flugzeuge „wegen erhöhter militärischer Aktivitäten und steigender politischer Spannungen“ nicht mehr operieren, hieß es in einer Mitteilung am Dienstag (Ortszeit). Es gebe ein erhöhtes Risiko, das ein Flugobjekt falsch identifiziert werde.

Ob ein Zusammenhang des Absturzes der ukrainischen Maschine mit der militärischen Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA besteht, war zunächst völlig unklar. Wenige Stunden zuvor hatte es einen iranischen Vergeltungsangriff auf US-Soldaten im Irak gegeben. Die vom US-Verteidigungsministerium bestätigten Attacken auf die amerikanisch genutzten Militärstützpunkte Ain al-Assad im Zentrum des Iraks und eine Basis in der nördlichen Stadt Erbil in der Nacht zum Mittwoch gelten als Revanche für die Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani* durch einen US-Luftschlag.

Zwar hatten örtliche schiitische Milizen, die vom Iran unterstützt werden, die US-Stützpunkte im Irak zuletzt häufiger mit technisch einfacheren Raketen angegriffen. Ein direkter Angriff aus dem Iran markiert jedoch eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Der Iran und die USA hatten sich seit Tagen mit martialischen Drohungen überzogen und jeweils drastische Reaktionen auf aggressives Handeln der Gegenseite in Aussicht gestellt. 

Zudem hat ein Erdbeben der Stärke 4,5 die südiranische Provinz Buschehr erschüttert. Das Zentrum des Bebens liegt nur 50 Kilometer von Irans einzigem Atomkraftwerk entfernt. (red/dpa/afp)

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Rubriklistenbild: © Ahmad Halabisaz/XinHua/dpa

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