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Polizisten untersuchen die Reste einer Tasche.

Hätte sie 200 Menschen töten können?

So gefährlich war die Bonner Bombe

Bonn - Der im Bonner Hauptbahnhof gefundene Sprengsatz war nach Angaben der Bundesanwaltschaft höchst gefährlich. Sie hattte nach einem Medienbericht eine so große Sprengkraft wie die Sprengsätze von Madrid aus dem Jahr 2004 mit fast 200 Toten.

Der Sprengsatz vom Bonner Hauptbahnhof war nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft „höchst gefährlich“. Ob er hätte explodieren können, war zunächst noch unklar. Nach dem Mann, der die Tasche mit dem Sprengmaterial am Montag im Bonner Hauptbahnhof abgestellt haben soll, wird weiter gefahndet. Zwei Verdächtige, die die Polizei am Dienstag verhörte, kamen wieder frei. Für einen terroristischen Hintergrund gab es bis Mittwoch keine ausreichenden Anhaltspunkte.

In der am Montag entdeckten Sporttasche hat sich nach Angaben des stellvertretenden Generalbundesanwalts Rainer Griesbaum ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr befunden, um das vier Butangaskartuschen gebunden gewesen waren. Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig gewesen sei, müsse aber noch geklärt werden, sagte Griesbaum in Karlsruhe. Es sei zwar eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gefunden worden, aber noch kein Zünder.

Die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) berichtete online unter Berufung auf „hohe Behördenkreise“, dass die Bombe - wäre sie tatsächlich detoniert - eine ähnlich verheerende Wirkung gehabt hätte wie der Anschlag von Madrid 2004. Dabei waren 191 Menschen ums Leben gekommen.

Die Bundesanwaltschaft hat bislang die Ermittlungen noch nicht an sich gezogen. Es bestünden keine ausreichenden Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund, sagte Generalbundesanwalt Harald Range. Zwei jugendliche Zeugen hätten im Bahnhof einen Mann beobachtet, der die Sporttasche nach ihren Angaben direkt vor ihnen abgestellt habe, erläuterte Griesbaum. „Interessant, dass aus der Tasche blaue Drähte herausragten und dass man auch durch die geöffnete Tasche sehen konnte: Kabel, längliche Behältnisse und einen Wecker.“

Bombenalarm am Bonner Hauptbahnhof

Bombenalarm am Bonner Hauptbahnhof

Die Polizei sucht seit Dienstag mit einem Phantombild nach dem Mann. Zwei Verdächtige, die am Dienstag von der Polizei verhört worden waren, kamen noch am selben Abend wieder frei. Polizeisprecher Thomas Held stellte klar, dass die beiden nicht festgenommen, sondern nur in Gewahrsam genommen worden seien. Es habe einen Hinweis auf sie gegeben, doch der Tatverdacht habe sich nicht bestätigt. „Wir ermitteln weiterhin in alle Richtungen“, sagte Held.

Bei einem der Freigelassenen handelt es sich um den Somalier Omar D., der von der Polizei der Islamistenszene zugeordnet wird. Der Anwalt von Omar D., Mutlu Günal, kritisierte das Vorgehen der Polizei. „Die Polizei mag mal erklären, woher dieser Tatverdacht kam“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Einfach mal einen Unschuldigen festnehmen, das ist nicht so schön.“

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) warnte vor „medialen Schnellschüssen“. Natürlich fühle man sich auf Anhieb an die „Kofferbomber“ von 2006 erinnert, sagte der stellvertretende BDK-Bundesvorsitzende Bernd Carstensen am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Diese hatten in Nordrhein-Westfalen in zwei Regionalzügen Kofferbomben deponiert, die wegen eines falschen Gasgemischs jedoch nicht explodiert waren. „Das ist zulässig, dass man so eine Interpretation hat, aber es gehört auch eine Bremse hinein.“

dpa

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