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Bomben im türkischen Ferienparadies

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- Istanbul - Terror im Urlaubsland: Bei einer Serie von Bombenanschlägen in der Türkei sind mindestens vier Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Besonders schlimm traf es die südwesttürkische Touristenstadt Antalya am Mittelmeer. Dort gab es bei einer schweren Explosion im Zentrum türkischen Medienberichten zufolge die vier Todesopfer und rund 70 Verletzte.

Im Krankenhaus werden auch vier Touristen aus Israel und einer aus Jordanien behandelt. Der Detonation waren in der Nacht drei Bombenanschläge im südtürkischen Badeort Marmaris vorausgegangen, wo in einem Kleinbus 21 Menschen verletzt wurden, unter ihnen 10 britische Touristen.

Zu diesem und einem weiteren Anschlag im Istanbuler Außenbezirk Bagcilar mit sechs verletzten Passanten bekannte sich am Nachmittag die kurdische Extremistengruppe "Freiheitsfalken Kurdistans". Die Splittergruppe der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK verübte in den vergangenen zwei Jahren mehrfach Anschläge in Touristengebieten und drohte weitere Gewalt an.

Durch die Wucht der Detonation im Stadtzentrum von Antalya wurden Scheiben von Restaurants, Geschäften und Büros zertrümmert. Auch zahlreiche Fahrzeuge wurden beschädigt. Unter den Verletzten, die auf mehrere Krankenhäuser verteilt wurden, seien auch Frauen und Kinder, berichteten türkische Medien. Nach der Explosion brach ein Brand aus, der jedoch schnell gelöscht wurde.

Nach außen hin bemüht sich die Türkei seit Monaten, Anschläge kurdischer Extremisten so weit wie möglich unter den Teppich zu kehren. Explosionen, Zerstörungen, Verletzte und Tote wie jetzt in Antalya, Marmaris und Istanbul sind Gift für den in diesem Jahr ohnehin schwächelnden Tourismus. Doch im Inneren gärt es: Immer wieder erleidet die türkische Armee bei Kämpfen mit militanten Kurden und durch Explosionen von Landminen im Südosten des Landes Verluste. In anderen Landesteilen droht ständig die Gefahr terroristischer Anschläge.

Zufall oder nicht: Die Explosionen vom Montag ereigneten sich just am Tag der Amtseinführung des neuen türkischen Armeechefs Yasar Büyükanit. Mit markigen Worten hatte der General bereits kurz nach seiner Ernennung dem "separatistischen Terror" kurdischer Extremisten den Krieg erklärt und damit eine politische Lösung des Kurdenkonflikts, der die Türkei seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt, wieder in weite Ferne gerückt.

Auch auf der politischen Bühne sind zaghafte Ansätze, den Konflikt nicht nur mit militärischen und polizeilichen Mitteln zu lösen, wieder in den Schubladen verschwunden. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte noch vor wenigen Monaten die Möglichkeit einer "demokratischen" Lösung für den Fall angedeutet, dass die PKK der Gewalt endgültig abschwöre. Inzwischen ist davon unter dem Druck der öffentlichen Meinung in der Türkei nicht mehr die Rede.

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