Urteil gefallen

Bombenleger von Viernheim muss in Psychiatrie

Darmstadt - Ein Mann zündet eine Matratze in seiner Gefängniszelle an. Laut einem Gutachten leidet er an einer paranoiden Schizophrenie. Er muss in die geschlossenen Psychiatrie.

Weil er seine Zelle in Brand gesteckt hat, muss ein vor Jahren bereits als „Bombenleger von Viernheim“ verurteilter Mann in die geschlossene Psychiatrie. Das Landgericht Darmstadt befand den 52-Jährigen am Donnerstag für schuldunfähig und ordnete die Unterbringung in einer entsprechenden Einrichtung an. Es folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Antrag gestellt, jedoch Zweifel an der Notwendigkeit einer Unterbringung in einer geschlossenen Klinik geäußert.

Angeklagter will in Revision gehen

In dem Prozess hatte ein Sachverständiger dem Angeklagten eine paranoide Schizophrenie mit Wahnvorstellungen bescheinigt. Der Angeklagte kündigte an, die Entscheidung des Gerichts nicht zu akzeptieren und in Revision zu gehen. Das Gericht prüft nun eine vorläufige Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt, bis das Urteil rechtskräftig ist.

Der 52-Jährige hatte sich nach Auffassung des Gerichts im August 2015 in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Weiterstadt verbarrikadiert und eine Matratze in Brand gesteckt. Dann begab er sich in die angeschlossene Nasszelle, dichtete diese mit feuchten Tüchern ab und zog sich eine Plastiktüte über den Kopf.

JVA-Bedienstete verletzt

Drei JVA-Bedienstete wurden durch Rauchgas verletzt. Auch der Angeklagte selbst erlitt leichte Verletzungen. Weil er sich unter anderem mit Tüchern vor dem Rauch geschützt hatte, sah das Gericht keine Selbstmordabsicht. „Ein Tatmotiv ist schwer zu finden“, sagte der Vorsitzende Richter Daniel Kästing.

Der Angeklagte habe sich zum Tatzeitpunkt in einer akuten schizophrenen Episode befunden. Im Prozess habe er keinerlei Einsicht gezeigt, sagte Kästing. Falls sein Zustand nicht behandelt werde, bestehe eine „ganz schlechte Prognose“. Deswegen müsse der Mann in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht und zwangsweise behandelt werden.

Der Angeklagte selbst hatte die Verhandlung am Donnerstag immer wieder mit Zwischenrufen unterbrochen, die Rechtmäßigkeit des Verfahrens angezweifelt und unter anderem den Vorwurf erhoben, dass sein Anwalt unter Druck gesetzt werde.

Als „Bombenleger von Viernheim“ war er im Juni 2010 in Darmstadt zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte sich in Viernheim in Südhessen im Sommer 2009 mit der Polizei fast 28 Stunden lang einen Nervenkrieg geliefert. Der Waffennarr hatte sich nach Sprengsätzen gegen zwei Häuser in seiner Wohnung verschanzt. Sie war voll mit Sprengstoff, Handgranaten, Munition und Waffen. In der Haft zeigte er nach Auffassung des Landgerichts Darmstadt vom Donnerstag spätestens ab dem Herbst 2011 auffällige psychische Tendenzen.

dpa

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