1. Startseite
  2. Welt

Booster-Impfungen mit Moderna und Biontech: Das empfiehlt die Stiko

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Bettina Menzel

Kommentare

Die ständige Impfkommission Stiko empfiehlt eine Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten. Doch welche Nebenwirkungen können dabei auftreten?

München - Schon fast 14 Millionen Menschen in Deutschland haben ihre Booster-Impfung erhalten (Stand: 6. Dezember). Doch es bleibt noch viel zu tun: Bis Ende des Jahres will die Bundesregierung 30 Millionen Erst-, Zweit- und Drittimpfungen ausgeben. Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Auffrischungsimpfung und welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Stiko empfiehlt eine Auffrischungsimpfung für alle ab 18 Jahren. Aufgrund der Omikron-Lage empfiehlt die Stiko eine Auffrischung der Corona-Impfung nun bereits nach drei Monaten (Stand: 21. Dezember). Durch die Verkürzung des Abstands sollten „der Schutz vor schweren Erkrankungen durch Infektionen mit der Omikron-Variante von Sars-CoV-2 in der Bevölkerung verbessert und die Transmission der sich ausbreitenden Omikron-Variante vermindert werden“, teilte die Kommission am Dienstag mit. Der Impfschutz gegen die neue Virusvariante nehme bereits „drei bis vier Monate nach Grundimmunisierung signifikant ab“.

Zuvor hatte die Stiko einen Abstand von sechs Monaten empfohlen. Im Einzelfall „oder bei ausreichenden Impfkapazitäten“ könne ein Abstand von fünf Monaten erwogen werden, hieß es bislang. Aufgrund der aktuellen Verbreitung der Omikron-Variante von Sars-CoV-2 ist damit zu rechnen, dass das Infektionsgeschehen in Deutschland innerhalb kürzester Zeit durch diese bestimmt sein wird“, hieß es in der Mitteilung weiter. Nach der Auffrischungsimpfung steige „die Schutzwirkung gegenüber einer symptomatischen Infektion mit der Omikron-Variante“ deutlich an. Mangels ausreichender Daten könne aber keine Aussage dazu getroffen werden, wie lange dieser Schutz anhalte.

Auffrischungsimpfung nur mit mRNA-Impfstoffen empfohlen: Biontech und Moderna

Generell empfiehlt die ständige Impfkommission für die Booster-Impfung einen mRNA-Impfstoff. Das sind in Deutschland die Impfstoffe der Unternehmen Biontech/Pfizer und des Herstellers Moderna. Das vektorbasierte Vakzin AstraZeneca kommt für eine Auffrischungsimpfung deshalb nicht in Frage.

Beide Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer sind gleichwertig, wie etwa der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, betont. Trotzdem sei es nicht egal, mit welchem Impfstoff der dritte Stich erfolgt. Sofern möglich, empfiehlt die Stiko für die Auffrischungsimpfung den Impfstoff desselben Herstellers zu verwenden. Dabei geht es hauptsächlich um die verfügbare Datenlage: „Moderna macht keine Studien mit Biontech. Und Biontech macht keine Studien mit Moderna“, erklärte eine Sprecherin des RKI gegenüber dem WDR. Wer bei der Grundimmunisierung wiederum beispielsweise AstraZeneca erhielt, für den eignet sich für die Kreuzimpfung sowohl Moderna als auch Biontech/Pfizer. Was bringt der Booster? Mit Blick auf die Coronavirus-Variante Omikron wirken Booster mit Moderna und Biontech wohl effektiv, aber es gibt Unterschiede.

Für alle unter 30 Jahren empfiehlt die Stiko ausschließlich den Einsatz von Biontech, unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde. Denn in seltenen Fällen können Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen (Myokarditis und Perikarditis) bei jüngeren Personen auftreten, die nach der Impfung mit Moderna etwas häufiger waren. Für alle über 30 Jahren hingegen kommen sowohl Moderna als auch Biontech in Frage.

Moderna und Biontech: Welche kurzfristigen Nebenwirkungen können auftreten?

Die Nebenwirkungen bei der Booster-Impfung sind mit jenen der zweiten Impfung vergleichbar. „Die bisher vorliegenden Untersuchungen zeigten, dass die dritte Impfung nicht zu einer Steigerung der Nebenwirkungen führt. Sie liegen im gleichen Rahmen wie nach der zweiten Impfung“, so der Experte Christian Bogdan.

Die kurzfristigen Nebenwirkungen bei Biontech/Pfizer sowie bei Moderna treten meist innerhalb von zwei Tagen nach der Impfung auf und klingen in der Regel innerhalb weniger Tage wieder ab. Im Schnitt dauern die Symptome nicht länger als drei Tage. Das geht aus Daten hervor, die dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet wurden.

Neun von zehn Personen bemerkten nach der Impfung keine Nebenwirkungen. Die folgenden Tabellen beziehen sich auf jene zehn Prozent, die Impfreaktionen hatten. Davon stellten beispielsweise 80 Prozent der mit Biontech Geimpften Schmerzen an der Einstichstelle fest.

Sehr häufige Impfreaktionen bei Biontech
(bei mehr als 10 Prozent der Personen ab 16 Jahren)

Sehr häufige Impfreaktionen bei Moderna
(bei mehr als 10 Prozent der Personen ab 18 Jahren)

Gibt es bei den Moderna- und Biontech-Impfstoffen Langzeitfolgen?

Noch immer halten sich manche Grundüberzeugungen hartnäckig. So etwa die Idee der Langzeitfolgen von Corona-Impfstoffen. Die Impfstoffe seien sehr neu, so das Argument, daher seien langfristige Nebenwirkungen noch nicht ausreichend untersucht. Doch die Grundannahme ist schon falsch: Erstens sind die Corona-Impfstoffe extrem gut untersucht. Weltweit wurden bereits laut Johns Hopkins University über acht Milliarden Impfdosen verabreicht. „Die COVID-19-Impfstoffe wurden in kürzester Zeit an viele Menschen weltweit verabreicht. Deshalb können sehr seltene Nebenwirkungen schneller als sonst erkannt und beurteilt werden“, erklärt die Stiko.

Zweitens gibt es Langzeit-Nebenwirkungen bei Impfstoffen generell nicht. Alle Folgen, die ein Impfstoff hat, treten wenige Stunden, Tage oder Wochen nach der Impfung auf. „Nebenwirkungen, die unerwartet und erst lange Zeit (etwa mehrere Jahre) nach der Impfung auftreten, sind bei noch keiner Impfung beobachtet worden“, so die Stiko. Eine unerwünschte Wirkung, die erst nach langer Zeit eintritt, muss also niemand befürchten.

Definiert man Langzeitfolgen hingegen als Wirkung, die lange anhält, sind diese bei Corona-Impfstoffen durchaus möglich. Eine erwünschte Langzeitfolge ist der lang anhaltende Schutz vor einer Corona-Infektion oder vor einem schweren Verlauf. Doch auch bei Covid-Impfungen können schwere Nebenwirkungen vorkommen. In sehr seltenen Fällen kann es beispielsweise zu Sinusvenen-Thrombosen oder einer Herzmuskelentzündung im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung kommen. Diese treten kurz nach der Impfung auf, können aber langfristige Auswirkungen haben.

Im Grunde handelt es sich um eine Risikoabwägung. Das Risiko einer schwerwiegenden Nebenwirkung durch eine Impfung liegt bei etwa 0,02 Prozent. Die Gefahr für alle, die ungeimpft auf das Virus treffen, ist ungleich größer: Jeder Zehnte, der sich infiziert, muss mit einem schweren Verlauf rechnen. Die Long-Covid-Symptome sind hier noch nicht einmal eingerechnet.

Auch interessant

Kommentare