Coronavirus-Pandemie

Booster-Impfung: Wer sollte eine Auffrischungsimpfung bekommen? Wer hat Anspruch darauf?

  • Martina Lippl
    VonMartina Lippl
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Die Corona-Zahlen schnellen in die Höhe. „Booster“-Impfungen sollen die vierte Welle brechen. Wer die dritte Dosis gegen Corona braucht und wer einen Anspruch auf die Auffrischungsimpfung hat.

Berlin - Israel hat vor einiger Zeit schon mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus* begonnen. In Deutschland sind die „Booster“-Impfungen jetzt gestartet. Die Politik - allen voran Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) - hält eine „Booster“-Impfung mit Blick auf die Corona-Zahlen und den nächsten Corona-Winter für nötig. Allen Bürgerinnen und Bürger soll eine Booster-Impfung* angeboten werden. Doch es gibt auch vorsichtigere Stimmen. Hier haben wir die wichtigsten Fragen zu Booster-Impfung zusammengefasst:

Booster-Impfungen - Wer hat einen Anspruch auf die Auffrischungsimpfung?

Anspruch auf eine Booster-Impfung haben alle Menschen ab zwölf Jahren, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben.

Wem wird eine Booster-Impfung empfohlen?

Eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus empfiehlt die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) allen Menschen ab 60 Jahren - nach Abwägung und ärztlicher Beratung. Eine Booster-Impfung kann nach GMK-Empfehlung für Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Beschäftigten in Alten- und Pflegeeinrichtungen sinnvoll sein. Auch Menschen mit einer Immunschwäche wird zu einer Auffrischungsimpfung geraten. Auch Personen, die eine Impfung mit Johnson & Johnson erhalten haben, sollten sich erneut impfen lassen.

  • allen Menschen ab 80 Jahren - in der Regel sechs Monate nach der Grundimmunisierung.
  • allen Menschen ab 60 Jahren - nach Abwägung und ärztlicher Beratung - in der Regel sechs Monate nach der Grundimmunisierung.
  • Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Beschäftigten in Alten- und Pflegeheimen.
  • Personen mit einer schweren Immunschwäche oder Immunsuppression - in der Regel ab vier Wochen nach der Grundimmunisierung)
  • Personen mit einer Immunschwäche - in der Regel sechs Monate nach der Grundimmunisierung.
  • Personen, die mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft wurden - in der Regel ab vier Wochen nach der Grundimmunisierung.
  • Personen, die ihre vollständige Impfserie mit dem Impfstoff von Astrazeneca bekommen haben - in der Regel sechs Monate nach der Grundimmunisierung.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt momentan eine Auffrischungsimpfung für eine ausgewählte Personengruppe, zu der vor allem Personen mit einer Immunsuppression und Menschen ab 70 Jahren gehören. Stiko-Chef Thomas Mertens betonte zudem auf einer Pressekonferenz am Dienstag, dass Johnson & Johnson-Geimpfte sich boostern lassen sollten. Bei dem Vakzin wurde „eine vergleichsweise geringe Impfstoffwirksamkeit gegenüber der Delta-Variante“ beobachtet. Außerdem sollte Pflege- und medizinisches Personal eine Booster-Dosis erhalten. Gesunde Menschen mittleren Alters mit Grundimmunisierung könnten davon ausgehen, dass sie noch ausreichend Schutz vor einer schweren Covid-19-Erkrankung haben. Auch, wenn der Schutz vor einer Ansteckung mit der Zeit nachlasse. Die Stiko will in einigen Wochen entscheiden, ob sie doch noch eine Auffrischungsimpfung für alle empfiehlt.

Wann sollte die Booster-Impfung gemacht werden und mit welchem Impfstoff?

Eine Auffrischungsimpfung ist in der Regel sechs Monate nach der Grundimmunisierung nötig. Personen, die bisher eine Impfstoffdosis von Johnson & Johnson erhalten haben, sollten sich vier Wochen danach eine zusätzliche Impfdosis holen. Die Booster-Impfungen werden mit den mRNA-Impfstoffen Corminaty von Biontech/Pfizer oder mit Spikevax von Moderna durchgeführt.

Impfstoffexperte Leif Sander hält bei etwa 30 Millionen Menschen in Deutschland zeitnah Auffrischimpfungen gegen Corona für geboten. Das sagte der Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie und Impfstoff-Forschung der Charité am Mittwoch auf einer Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler in Berlin. In Deutschland haben laut Impfdashboard bisher 2,2 Millionen Menschen das Angebot einer Auffrischungsimpfung angenommen (Stand 3. November)

Allerdings sind 16,2 Millionen Menschen über 12 Jahren in Deutschland noch ungeimpft, betonte der RKI-Chef Wieler. Davon seien 3,2 Millionen über 60 und damit besonders vor Corona gefährdet.

Sind Auffrischungsimpfungen tatsächlich sinnvoll?

Medizin-Experten setzen große Erwartungen in die Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus. Der Schutz könne nach einer dritten Impfung sogar höher liegen als nach der zweiten, sagte der Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie an der Berliner Charité, Leif Erik Sander, am Mittwoch in Berlin.

„Deswegen gehe ich fest davon aus, dass sich für die mRNA-Impfstoffe über kurz oder lang ein Drei-Dosis-Regime etablieren wird und wir im Verlauf auch allen Erwachsenen eine Booster-Impfung anbieten werden“. Er verwies darauf, dass Studien aus Israel einen nach der dritten Impfung um das 20-fache erhöhten Schutz belegten. Studien zeigen, welche Nebenwirkungen in seltenen Fällen* auftreten können.

Auf der anderen Seite gibt es nach seinen Angaben gerade bei Älteren klare Erkenntnisse über einen nachlassenden Impfschutz: Menschen über 70 wiesen sechs Monaten keine neutralisierenden Antikörper gegen die Delta-Variante mehr auf. Die nachlassende Schutzwirkung sei „vollkommen erwartbar“. (ml mit afp)*Merkur.de und 24vita.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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