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Spahn deckelt Biontech-Bestellung - warum er plötzlich unbedingt mit Moderna boostern will

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Von: Magdalena Fürthauer

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Jens Spahn (CDU), geschäftsführender Bundesgesundheitsminister, informiert bei der Bundespressekonferenz zur Dramatik der aktuellen Corona-Lage.
Jens Spahn möchte künftig vorwiegend mit Moderna statt mit Biontech boostern. © IMAGO / Jürgen Heinrich

Nach steigenden Infektionszahlen nimmt zuletzt auch die Impfrate langsam zu. Gesundheitsminister Spahn möchte nun plötzlich überwiegend mit Moderna boostern, was für viel Kritik sorgt.

Berlin - Die aktuelle Corona-Lage in Deutschland spitzt sich weiterhin zu. Erstmals gibt es bundesweit über 60.000 Neuinfektionen, eine generelle Impfpflicht soll jedoch nicht kommen. Stattdessen setzt Gesundheitsminister Jens Spahn auf die Weiterführung des aktuellen Impfprogramms und somit auch die Booster-Impfungen. Doch nun zeichnet sich ein Wende im Kurs ab: Spahn will künftig mit Moderna statt wie bis dato üblich mit Biontech-Pfizer auffrischen.

Spahns Ansage zur Booster-Impfung: Moderna statt Biontech-Pfizer

Jens Spahn forderte am Freitag bei der Bundespressekonferenz zunächst ein höheres Impf-Tempo sowohl bei den Erst- als auch den Drittstichen, so die Bild-Zeitung. Demnach sollen bis Ende des Jahres rund 25 Millionen Menschen geboostert werden. Die Wahl des Vakzins werde jedoch nicht frei sein, sondern man müsse verstärkt auf Moderna statt Biontech-Pfizer setzen. Bislang waren knapp 90% der verabreichten Impfstoffe von Biontech. Damit habe man mittlerweile 5,6 Millionen Auffrischungsimpfungen verabreichen können, so der Gesundheitsminister auf Twitter.

Laut dpa soll für die Umstellung eine „Höchstbestellmenge“ für Biontech definiert werden. Das bedeutet für Arztpraxen ein Maximum von 30, für Impfzentren ein Maximum von 1020 Dosen pro Woche. Für Moderna gebe es jedoch keine Beschränkungen. Nur so könne laut Spahn auch in den nächsten Wochen ein niederschwelliges Impfangebot zur Pandemie-Bekämpfung gewährleistet sein.

Video: Spahn kann einen Lockdown trotz Impfung nicht mehr ausschließen

Corona-Impfung: Booster von Moderna statt Biontech - Grund sorgt für Kritik

Der Grund, warum man nun für die Booster-Impfung auf Moderna setzt, liegt schlicht am Verfallsdatum. Ab Mitte des ersten Quartals 2022 verfielen Moderna-Dosen, was „mit allen Mitteln zu verhindern“ sei, so Spahns Staatssekretär laut bild.de. Der Vorrat müsse also dringend aufgebraucht werden. Sowohl Moderna als auch Biontech seien für den Booster gleichwertig, jedoch befürchten Stellvertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung einen „hohen Erklärungsbedarf“ gegenüber den Patienten hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen von Moderna. Dafür habe man in den Praxen schlicht keine Zeit, so der Vize der Vereinigung gegenüber der dpa.

Auch seitens der Politik kommt viel Kritik gegen Spahns Beschluss. Für den bayrischen Gesundheitsminister Holetschek sei die geplante Begrenzung „inakzeptabel“, da sie das notwendige Vertrauen der Bürger in den Impfstoff schädige. Ebenso meint der Grünen-Politiker Janosch Dahmen, dass eine Auswahl an verschiedenen Vakzinen ein bedeutender Faktor in der Entscheidung zur Erst- und Auffrischungsimpfung sei.

Booster-Impfung mit Moderna: Karl Lauterbach findet Spahns Beschluss „nicht richtig“

Auch SPD-Politiker Karl Lauterbach findet Spahns Vorhaben, künftig vorwiegend mit Moderna zu boostern*, „nicht richtig“. „Weil viele Menschen in Deutschland vertrauen dem Biontech-Impfstoff besonders. Der wird ja auch in Deutschland produziert“, so Lauterbach im Deutschlandfunk.

Auch eine Diskussion über die allgemeine Impfpflicht, wie sie beispielsweise in Österreich momentan für laute Proteste sorgt, halte er für „nicht zielführend“. Vertrauen in die Impfung sei der Schlüssel zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. (mef/dpa) *Merkur.de und 24vita.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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