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Bosnien und Herzegowina: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina
Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina © Jan Wlodarczyk / IMAGO

Die Bevölkerung von Bosnien und Herzegowina umfasst Bosniaken, Kroaten und Serben, was bis heute zu innenpolitischen Spannungen führt.

Sarajevo – Fast 30 Jahre nach Kriegsende sind die Nachwirkungen des Völkerkonflikts bis heute innenpolitisch zu spüren. Die komplexe politische Gliederung Bosnien und Herzegowinas hat Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit der Regierung und schwächt die Wirtschaft.

LandBosnien und Herzegowina
HauptstadtSarajevo
Fläche51.209 Quadratkilometer
Einwohnerzahletwa 3,4 Millionen Einwohner (Stand: 2021)
Drei HauptbevölkerungsgruppenBosniaken, Kroaten, Serben

Bosnien und Herzegowina: Komplizierte Staats-Struktur

Bosnien und Herzegowina hat eines der komplexesten Staatsgefüge der Welt. Begründet ist das in dem Versuch, nach dem Ende des Jugoslawien-Konflikts eine Gliederung zu schaffen, die die Volksstämme vereint. Da es bis heute an Vertrauen mangelt, ist das Staatssystem geprägt von vielen Ebenen und Positionen.

Bosnien und Herzegowina besteht aus zwei Entitäten und einem Kondominium:

Jede Entität hat eine eigene Exekutive und Legislative. In der Föderation Bosnien und Herzegowina gibt es zudem zehn Kantone – kleinere Verwaltungseinheiten mit eigenen Zuständigkeiten.

Insgesamt nimmt Bosnien und Herzegowina eine Fläche von gut 51.000 Quadratkilometern ein und hat etwa 3,3 Millionen Einwohner. Das Land hat drei Nachbarn:

Der Staat ist vollständig von ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens umgeben. Im Südwesten hat Bosnien und Herzegowina über einen etwa 20 Kilometer langen Küstenstreifen Zugang zur Adria.

Der Staat Bosnien und Herzegowina: Geografie, Vegetation und Tierwelt

Große Teile des Landes sind von Mittelgebirgen bedeckt. Sie erreichen eine Höhe von fast 2.400 Metern. Der höchste Berg ist der Maglić an der Grenze zu Montenegro mit 2.386 Metern. Im Nordwesten und im Südosten gibt es flachere Zonen, die eine landwirtschaftliche Nutzung zulassen.

Das Klima im Land muss zwischen kontinental und mediterran eingeordnet werden. Die Winter sind mit bis zu -20 °C häufig knackig kalt. Im Sommer kommt es aufgrund der Hitze und des ausbleibenden Regens oft zu Trockenheit.

Vegetation und Tierwelt in Bosnien und Herzegowina

Mehr als die Hälfte von Bosnien und Herzegowina ist bewaldet. Große Teile davon sind schwer zugänglich und deshalb bis heute sich selbst überlassen. Davon profitiert die reichhaltige Pflanzen- und Tierwelt.

Mit ihren kalkhaltigen Böden bieten einige Teile des Landes hervorragende Bedingungen für bestimmte Orchideenarten. Erstaunlich viele Pflanzenarten sind in Bosnien und Herzegowina endemisch und stark geschützt.

Viele überall in Europa einheimische Tierarten finden in Bosnien und Herzegowina ein sicheres Zuhause. Dazu gehören:

Bosnien und Herzegowina: Bewegte Geschichte am Balkan

Schon früh wurde das heutige Bosnien und Herzegowina vom Menschen besiedelt. Archäologische Funde dokumentieren eine Hochkultur im Zeitraum von 5500 bis 4500 v. Chr. Nahe der Gemeinde Visoko konnte eine Siedlung der Butmir-Kultur ausgegraben werden. Den Funden zufolge existierte sie um 5000 v. Chr. etwa 500 Jahre lang.

In der Bronzezeit ließen sich Illyrer am Balkan nieder. Sie betrieben Viehzucht, etwas Ackerbau und Bergbau. Sie handelten mit Silber. Später wurde der Landstrich Teil des Römischen und im 15. Jahrhundert auch des Osmanischen Reiches. Die Osmanen brachten den Islam nach Bosnien.

Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits die zwei historischen Regionen, die dem Staat heute den Namen geben: Bosnien und Herzegowina. Nach dem Sieg der Russen gegen die Osmanen 1878 wurde die Region der Habsburger Monarchie unterstellt. Aus dem wachsenden Wunsch zur Unabhängigkeit kam es zum Attentat auf den Thronfolger Franz-Ferdinand in Sarajevo und infolgedessen zum Ersten Weltkrieg.

Nach dem Kriegsende wurde das heutige Bosnien und Herzegowina Teil des Königreichs Jugoslawien. Der Zweite Weltkrieg, Widerstand im Land und kommunistische Volksbewegungen führten 1945 zur Gründung der Föderativen Republik Jugoslawien. Bosnien und Herzegowina war sozialistische Teilrepublik bis zur Auflösung Jugoslawiens 1990.

Bosnien und Herzegowina: Der Bosnien-Konflikt

Nach dem Ende der kommunistischen Regierung in Jugoslawien fiel es den ehemaligen Teilrepubliken nicht leicht, sich neu zu sortieren. Slowenien und Kroatien erklärten 1991 ihre Unabhängigkeit. Bosnien und Herzegowina folgte nur ein Jahr später, 1992. Allerdings sprachen sich nur die Bosnier und die Kroaten für die Unabhängigkeit aus.

Die Serben boykottierten das Referendum und gründeten anschließend eine eigene Serbische Republik Bosnien und Herzegowina – den Vorgänger der heutigen Republika Srpska. Es kam zum Bürgerkrieg, der etwa 100.000 Todesopfer forderte und erst durch das Eingreifen der Weltpolitik ein Ende fand. Im in den USA unterzeichneten Dayton-Vertrag einigten sich alle Kriegsparteien auf ein neues Bosnien und Herzegowina mit einer sehr komplexen Staatsgliederung.

Bosnien und Herzegowina: Politik des Staates in der Neuzeit

Im Jahr 2006 fanden die ersten freien Wahlen im neuen Bosnien und Herzegowina statt. Dennoch kam es nicht zu einer Einigung innerhalb der Politik des Landes. Die immer noch im Land vertretenen Weltmächte EU, USA und Russland beschlossen gemeinsam, einen Hohen Repräsentanten auf unbestimmte Zeit einzusetzen. Bei allen seither durchgeführten Wahlen gab es Diskussionen über einen möglichen Wahlbetrug und zum Teil jahrelange Gespräche bis zur Regierungsbildung.

Regiert wird Bosnien und Herzegowina heute von einem Dreigestirn, in dem alle drei Volksgruppen des Landes vertreten sind. Seit der letzten Wahl 2018 sind die folgenden Staatspräsidenten im Amt:

Sie wechseln sich regelmäßig im Vorsitz ab. Regierungschef als Vorsitzender des Ministerrats ist Zoran Tegeltija. (Stand: September 2022)

Die Abspaltung der Republika Srpska

Milorad Dodik, bosnisch-serbisches Mitglied des dreiköpfigen Staatspräsidiums, verfolgt seit Sommer 2021 den Rückzug aus den gesamtstaatlichen Institutionen und damit eine Abspaltung der Republika Srpska. Im Dezember 2021 hat das Parlament alle seit 1995 vollzogenen Kompetenzübertragungen auf den Gesamtstaat rückgängig gemacht und die Gründung eigener Institutionen beschlossen. Am 2. Oktober 2022 wählt Bosnien und Herzegowina ein neues Parlament und Staatspräsidium.

Bosnien und Herzegowina und die EU

Am 15. Februar 2016 hat Bosnien und Herzegowina offiziell einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Doch aufgrund der innerbosnischen Machtkämpfe sind die Aussichten auf den Beginn von Beitrittsverhandlungen gering.

Staat Bosnien und Herzegowina: Demografie der Bevölkerung

Alle Staatsbürger Bosnien und Herzegowinas bezeichnet man offiziell als Bosnier, ohne dabei eine Verbindung zu ihrem ethnischen Hintergrund zu bilden. Zu den Bosniern gehören:

Der Begriff Bosniaken bezieht sich allein auf bosnisch-stämmig Muslime. Sie machen etwa die Hälfte der Bevölkerung des Landes aus. Fast ein Drittel sind orthodoxe Serben und mit etwa 15 Prozent stellen die meist katholischen Kroaten den kleinsten Bevölkerungsanteil der drei Hauptgruppen dar. Des Weiteren leben in Bosnien und Herzegowina 17 weitere anerkannte Minderheiten wie die Roma oder die Juden.

Bei der gesprochenen Sprache gibt es kaum Unterschiede, weshalb die Landessprache oft als Serbokroatisch bezeichnet wird. Die Einheimischen sehen das jedoch anders und nutzen eigene Begriffe für ihre Sprache wie Bosnisch, Kroatisch und Serbisch. Im Schriftlichen wird die Abgrenzung der Sprachen deutlicher. Während im Serbischen meist das kyrillische Alphabet zur Anwendung kommt, nutzt man im Kroatischen das Lateinische.

Bosnien und Herzegowina: Wirtschaft des Staates unter Belastung

Schon zu Zeiten der Sozialistischen Republik Jugoslawien hatte Bosnien und Herzegowina eine vergleichsweise schwache Wirtschaft. Die Schwerpunkte lagen und liegen im Export von Holz und Bodenschätzen. Es gibt nur wenig industrielle Produktion, insbesondere nicht für exportierbare Waren. Die Regierung wirbt zwar regelmäßig um ausländische Investoren; bürokratische Hindernisse und Korruption bremsen aber deren Bereitschaft.

In den letzten Jahren lag die Arbeitslosenquote bei fast 30 Prozent. Besonders dramatisch steht es um junge Menschen: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei fast 70 Prozent, was zu einer starken Abwanderung der jungen Bevölkerung führt. Schwarzarbeit nimmt bis heute einen nicht zu unterschätzenden Anteil ein und fließt nicht in das Bruttoinlandsprodukt ein. Dieses lag real im Jahr 2015 bei etwa 14 Milliarden Euro. Das entspricht einem Pro-Kopf-Einkommen von ca. 3.700 Euro pro Jahr.

Der Euro ist ein weitverbreitetes Zahlungsmittel in Bosnien und Herzegowina, obwohl die offizielle Landeswährung die Konvertible Mark ist. Ihr Wert ist im festen Verhältnis an den Euro gebunden.

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