Ingolstadt entlässt Walpurgis - Interims-Nachfolger steht fest

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Dschochar Zarnajew.

Ihm droht die Todesstrafe

Boston-Attentat: Er steht ab Montag vor Gericht

Boston - Am Montag soll der Prozess gegen den überlebenden mutmaßlichen Attentäter von Boston, Dschochar Zarnajew, beginnen.

Mit dem traurigen Schicksal ihrer beiden Söhne J.P. und Paul kann sich Liz Norden nicht abfinden. "Ich bin verbittert, ich bin wütend, ich bin traurig, wenn ich sehe, was sie alles nicht mehr können", sagt die 52-jährige fünffache Mutter. J.P. und Paul wurden bei dem Anschlag auf den Marathonlauf von Boston am 5. April 2013 schwer verletzt. Die damals 33- und 31-Jährigen wären beinahe ihren Verletzungen erlegen, am Ende musste jedem von ihnen das rechte Bein amputiert werden. Am Montag soll der Prozess gegen den überlebenden mutmaßlichen Attentäter Dschochar Zarnajew beginnen.

Nach Erkenntnissen der Ermittler legte Dschochar zusammen mit seinem Bruder Tamerlan im Zielbereich des Laufs zwei Bomben, die binnen weniger Sekunden explodierten. Drei Menschen wurden bei dem Anschlag in der Großstadt im US-Bundesstaat Massachusetts getötet, mehr als 260 weitere wurden verletzt. Auf ihrer Flucht erschossen die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder einen Polizisten. Tamerlan wurde wenige Tage nach der Attacke bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet.

Vor dem Beginn des Prozesses gegen Dschochar, der eigentlich bereits im November starten sollte, schlagen die Emotionen nun hoch. Zahlreiche Opfer und Angehörige wollen den Prozess mitverfolgen, Liz Norden will keinen Verhandlungstag auslassen. "Ich begreife nicht, welches menschliches Wesen so etwas tun kann", sagt sie und fügt hinzu: "Ich habe keine Wahl, ich will alles wissen." Zum Urteil gegen Dschochar hat sie eine klare Meinung. "Ich will ihn tot sehen, ich denke, das wäre Gerechtigkeit", sagt Norden.

Zunächst dürfte aber allein die Auswahl der Geschworenen mehrere Monate dauern. Die fünf Verteidiger Dschochars klagen über riesige Mengen an Unterlagen und wollten den Prozessbeginn zuletzt eigentlich weiter aufschieben. Die Anklage macht Druck und fordert die Todesstrafe. Die renommierte Verteidigerin Judy Clarke bewahrte zwar schon einige Schwerverbrecher vor diesem Urteil, könnte sich in Dschochars Fall aber schwer tun, weil die Anklage bislang jegliche Absprachen ablehnt.

Dem mittlerweile 21-jährigen Dschochar werden insgesamt 30 Anklagepunkte vorgeworfen, darunter der Gebrauch einer "Massenvernichtungswaffe". Laut Anklageschrift sollen die Brüder den Anschlag gemeinsam geplant und die Bomben aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammengebaut haben. Dschochar plädiert auf nicht schuldig. Beobachter erwarten, dass die Verteidigung versuchen könnte, die Tat vor allem Tamerlan zur Last zu legen, der mit radikalen Islamisten in Kontakt gestanden haben soll.

Nach dem Anschlag konnten sich die Brüder zunächst tagelang verstecken. Als die Bundespolizei FBI Fahndungsfotos von Überwachungskameras am Anschlagsort veröffentlichte, fuhren Tamerlan und Dschochar der Anklageschrift zufolge am 18. April 2013 mit fünf weiteren Sprengsätzen und einer halbautomatischen Schusswaffe zum Campus der Universität MIT. Dort erschossen sie demnach einen Polizisten, stahlen ein Auto, entführten den Fahrer und raubten ihn aus.

Nachdem ihre Geisel flüchten konnte, lieferten sich die Brüder laut Anklage eine Schießerei mit Polizisten. Auf der Flucht überfuhr demnach dann Dschochar seinen Bruder Tamerlan mit dem Wagen, versteckte sich schließlich im Bostoner Vorort Watertown in einem trockengelegten Boot und wurde am darauffolgenden Abend schwer verletzt festgenommen. Vor knapp einem Jahr forderte dann US-Justizminister Eric Holder die Todesstrafe für Dschochar.

In Massachusetts ist diese zwar seit dem Jahr 1982 abgeschafft, der Prozess gegen Dschochar wird aber vor einem Bundesgericht in Boston abgehalten. Allerdings liegt Massachusetts im eher liberalen Nordosten der USA, laut Umfragen hält dort eine Mehrheit eine lebenslange Haftstrafe für angemessen. Diese Einstellung könnte sich auch bei den Geschworenen wiederfinden.

AFP

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