+
Der Überlebende der beiden mutmaßlichen Bostoner Bombenleger, Dschochar Zarnajew

Verdächtiger mit Teil-Geständnis

Boston-Bomber: Ist seine Aussage wertlos?

Washington - Der Überlebende der beiden mutmaßlichen Bostoner Bombenleger, Dschochar Zarnajew, hat eine Rolle bei den Anschlägen eingeräumt. Das Teil-Geständnis könnte aber wertlos sein.

Das sei bei einer Vernehmung gegenüber FBI-Ermittlern erfolgt, sagten zwei Gewährsleute der Nachrichtenagentur AP. Allerdings sei nicht klar, ob Zarnajews Äußerung gerichtsverwertbar ist, da sie gemacht wurde, bevor er auf seine Rechte hingewiesen worden sei - darunter auch, sich nicht selbst belasten zu müssen.

Der Name von Dschochar Zarnajews Bruder Tamerlan wurde den Gewährsleuten zufolge bereits 18 Monate vor dem tödlichen Anschlag am 15. April mit drei Toten in eine US-Datenbank für Terrorismus aufgenommen. Das habe der Geheimdienst CIA veranlasst, nachdem er von Russland im Herbst 2011 über verdächtige Aktivitäten von Tamerlan Zarnajew hingewiesen worden war. Tamerlan wurde bei einer Verfolgungsjagd am vergangenen Freitag getötet, sein Bruder am Samstag schwer verletzt verhaftet. Beide sind US-Bürger, haben aber tschetschenische Wurzeln. Tamerlan Zarnajew war in den Kaukasus gereist.

Bomben-Anschlag beim Boston Marathon

Bomben-Anschlag beim Boston Marathon

Die Bundespolizei FBI wurde sogar Anfang 2011 von Russland auf Aktivitäten Tamerlan Zarnajews hingewiesen, sagten die Gewährsleute. Das FBI sei aber zu dem Schluss gekommen, dass Zarnajew keine Verbindungen zu terroristischen Gruppen habe. Tamerlan Zarnajews Name wurde vom CIA in die Datenbank TIDE eingegeben, die Beobachtungslisten füllt wie die, mit der Terroristen aus Passagierflugzeugen ferngehalten werden sollen.

Eine Schusswaffe der mutmaßlichen Täter wurde Ermittlern zufolge inzwischen sicher gestellt, eine 9-Millimeter-Pistole. Die Seriennummer der Waffe sei entfernt worden. Zudem sei inzwischen klar, dass beide Sprengsätze ferngezündet worden.

Wie der Bostoner Polizeichef Ed Davis sagte, wurden bei dem Schusswechsel am Freitag, bei dem einer der mutmaßlichen Bombenattentäter tödlich verletzt wurde, mehr als 250 Schüsse abgegeben. Laut Polizei setzen die beiden Verdächtigen auch Sprengsätze ein.

Eltern sollen in die USA reisen 

Die Eltern der mutmaßlichen Boston-Attentäter wollen am heutigen Donnerstag zur Unterstützung der Ermittlungen von Russland in die USA reisen. Das sagte der Vater Ansor Zarnajew der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Die Reise sei bei Gesprächen der Eltern mit US-Diplomaten am Mittwoch in Machatschkala, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Dagestan, vereinbart worden, hieß es. „Die Eltern haben sich damit einverstanden erklärt, sie werden in die US-Ermittlungen einbezogen“, zitierte die Agentur einen namentlich nicht genannten Polizeivertreter.

Ansor Zarnajew bestätigte das Treffen in Machatschkala. Zuvor habe er bereits telefonisch Kontakt zu den US-Diplomaten gehabt, sagte er Ria Nowosti. Seine Frau Subeidat Zarnajewa war den Berichten zufolge am Dienstagabend in Dagestan eingetroffen.

AP / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach dem Beben: Mexiko sucht weiter nach Verschütteten
Es ist ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit - und gelebte Solidarität: In Mexiko helfen Zehntausende Menschen, die Trümmer abzutragen, um noch Überlebende des …
Nach dem Beben: Mexiko sucht weiter nach Verschütteten
Lottospielerin tippte 30 Jahre dieselben Zahlen - jetzt gewann sie eine Mega-Summe
Eine 67-jährige Amerikanerin tippte 30 Jahre lang bei einer Lotterie die gleichen Zahlen - und jetzt wurde sie belohnt. Sie gewann eine Mega-Summe
Lottospielerin tippte 30 Jahre dieselben Zahlen - jetzt gewann sie eine Mega-Summe
Kletteraktion: Mann steigt auf Hohenzollernbrücke - Bahnverkehr in Köln gestört
Um auf seine Situation aufmerksam zu machen, klettert ein abgelehnter Asylbewerber auf einen der Stahlbogen der Hohenzollernbrücke in Köln. Eine Protestaktion mit großen …
Kletteraktion: Mann steigt auf Hohenzollernbrücke - Bahnverkehr in Köln gestört
Laute Party bringt drei Kriminelle hinter Gittern
Dumm gelaufen: Als die Polizei wegen einer zu lauten Feier in Saarbrücken anrückte, entdeckte sie unter den Gästen drei Kleinkriminelle - und nahm sie fest.
Laute Party bringt drei Kriminelle hinter Gittern

Kommentare