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Rund 1000 Menschen arbeiteten noch in der Fabrik, als das Feuer ausbrach.

Sie produzierten auch für Kik und C&A

Feuer in Textilfabrik: 115 Menschen sterben

Dhaka - Etwa 1000 Menschen befanden sich in einer Textilfabrik in Bangladesch, als dort ein Großbrand ausbrach. Mindestens 115 Menschen starben. Die Fabrik produzierte auch für C&A und Kik.

Ein Großbrand in einer Textilfabrik in Bangladesch hat mindestens 115 Menschen das Leben gekostet. Weitere 200 Menschen, vor allem Textilarbeiterinnen, seien mit Brandwunden in Krankenhäuser eingeliefert worden, sagte Einsatzleiter Mohammad Mahbub am Sonntagmorgen. Viele Opfer waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Zahl der Toten könne noch steigen, da die Suche nach Opfern noch andauere, sagte Mahbub. Örtliche Medien berichteten von 124 Todesopfern. Allein 69 Leichen wurden im ersten Stock geborgen, wie Mahbub weiter erklärte.

Keine Fluchtmöglichkeiten

Mehr als 1000 Menschen sollen nach Behördenangaben gearbeitet haben, als das Feuer am Vorabend im Erdgeschoss des neunstöckigen Gebäudes etwa 20 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka ausbrach. Schnell breiteten sich die Flammen auf die anderen Stockwerke aus und schlossen die Arbeiterinnen und Arbeiter ein, weil es keine Notausgänge gegeben habe, die nach draußen führten. „Die Fabrik hatte drei Treppenhäuser und alle führten ins Erdgeschoss“, sagte der Feuerwehrsprecher. Dort habe der Brand aber begonnen, sodass es keine Fluchtmöglichkeiten gegeben habe.

Tausende Angehörige versammelt

Soldaten und Grenzpolizisten wurden gerufen, weil sich nach Angaben der Feuerwehr Tausende besorgte Angehörige von Fabrikarbeitern in der Nähe versammelten. Wie viele Vermisste es noch gab, war noch unklar.

Ministerpräsidentin Sheikh Hasina zeigte sich schockiert angesichts der vielen Opfer. Sie forderte die Behörden auf, weiter nach Opfern zu suchen. Der Verband der Textilhersteller und die Vereinigung der Exporteure kündigten Hilfen für die Familien der Opfer an.

Produktion für Kik und C&A

Die pakistanische Unglücksfabrik belieferte auch den deutschen Textildiscounter Kik sowie den europäischen Bekleidungskonzern C&A. „Unser Mitgefühl gilt den Opfern dieses furchtbaren Unglücks sowie deren Familien und Angehörigen“, sagte Rolfes als Sprecher von C&A Europa.

Die Fabrik sei beauftragt gewesen, 220 000 Sweatshirts herzustellen und von Dezember 2012 bis Februar 2013 an C&A in Brasilien zu liefern. Weitere Produktionsaufträge von C&A an die Textilfabrik habe es nicht gegeben, sagte Rolfes. Diese Angaben stehen aber dem Sprecher zufolge noch „unter Vorbehalt“, da man in der Kürze der Zeit noch nicht alle Informationen habe sammeln können.

Über die Arbeitsbedingungen und Sicherheitsstandards in der Fabrik äußerte sich C&A zunächst nicht. Das Unternehmen fühle sich aber verantwortlich, sich „zu kümmern“ und um Aufklärung zu bemühen, wie es dort zu der Katastrophe kommen konnte. „Das wird eine unserer ersten Aktivitäten vor Ort sein.“ Eine unabhängige Organisation hatte nach Worten von Rolfes geplant, vor Jahresende im Auftrag von C&A die Fabrik zu überprüfen.

Verheerender Brand in Textilfabrik in Bangladesch

Über 100 Menschen sterben bei Brand in Textilfabrik

Der Verband der Textilhersteller und -exporteure in Bangladesch versprach den nun betroffenen Familien Entschädigung. In Bangladesch gibt es rund 4.000 Textilfabriken. Sicherheitsvorkehrungen gibt es in vielen von ihnen nicht. Textilien sind das wichtigste Exportprodukt des Landes. Durch den Verkauf von Textilien vor allem an die USA und nach Europa nimmt Bangladesch jährlich umgerechnet rund 15,5 Milliarden Euro ein. Zu den Kunden gehören unter anderen H&M, Wal-Mart, JC Penney, Carrefour und Tesco.

Laut einer Studie der Kampagne für Saubere Kleidung kam es seit dem Jahr 2005 zu sieben tödlichen Bränden und Fabrikeinstürzen in Bangladesch, bei denen insgesamt 145 Menschen starben. Erst im September gab es einen verheerenden Brand mit mehr als 259 Toten in einer Textilfabrik in Pakistan. Die vielen Toten seien mit mangelhaften Sicherheitsmaßnahmen zu erklären. Elektrokabel hingen häufig frei im Raum, Feuerlöscher fehlten, Notausgänge verschlossen und Fluchtwege versperrt.

dpa/ap

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