+
Einsatzkräfte der Feuerwehr stehen am 11.01.2015 vor dem Gebäude der "Hamburger Morgenpost" in Hamburg, auf das in der Nacht zum Sonntag ein Brandanschlag verübt worden war.

Wegen Mohammed-Karikaturen?

Brandanschlag auf "Hamburger Morgenpost"

Hamburg - Unbekannte haben in der Nacht zum Sonntag einen Brandanschlag auf das Gebäude der "Hamburger Morgenpost" verübt. Die Zeitung hatte nach den Anschlägen in Paris Mohammed-Karikaturen nachgedruckt.

Auf das Gebäude der „Hamburger Morgenpost“ („Mopo“) ist in der Nacht zum Sonntag ein Brandanschlag verübt worden. Unbekannte warfen nach Erkenntnissen der Polizei von einem Hinterhof aus mehrere Steine und mindestens einen Brandsatz in das Archiv der Boulevardzeitung. Da sich gegen kurz vor 2.30 Uhr keine Menschen in dem Haus aufhielten, wurde niemand verletzt. Akten und Zeitungsausgaben verbrannten aber.

Kurz nach dem Anschlag, der international auf Empörung stieß und Solidaritätsbekundungen für die Zeitung auslöste, nahm die Polizei zwei 35 und 39 Jahre alte Männer in einer S-Bahn fest, die zuvor im Bahnhof Bahrenfeld - wenige Hundert Meter vom „Mopo“-Gebäude entfernt - vor Beamten davongelaufen waren. Ob sie mit der Brandstiftung im Zusammenhang stehen, untersuche der Staatsschutz, teilte die Polizei am Sonntagmittag mit.

Die „Morgenpost“ hatte nach dem Terroranschlag in Paris islamkritische Karikaturen des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ auf ihrer Titelseite mit der Schlagzeile nachgedruckt: „So viel Freiheit muss sein!“ Es gebe derzeit keine Fakten darüber, dass der Anschlag damit in Verbindung stehe, sagte Polizeisprecherin Karina Sadowsky. „Es gibt noch keine Erkenntnisse, keine Bekennerschreiben oder andere Hinweise.“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) äußerte sich am Rande einer Sonderkonferenz von EU-Innenministern in Paris zurückhaltend. Es sei klug, „erst Informationen zu bestätigen, wenn sie wirklich sicher sind“. Der Vorfall zeige allerdings, „dass wir Grund zur Sorge haben und zur Wachsamkeit. Und bei beidem wird es bleiben.“

Chefredakteur Niggemeier: "Werden jetzt weder in Panik noch in Hysterie verfallen"

Die Beschäftigten der „Hamburger Morgenpost“ sind nach den Worten von Chefredakteur Frank Niggemeier schockiert. „Wir werden jetzt weder in Panik noch in Hysterie verfallen“, sagte Niggemeier. Den Nachdruck der Karikaturen bedauerte er nicht: „Wir halten dieses Bekenntnis zur Presse- und Meinungsfreiheit nach wie vor für richtig und wichtig.“

Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Michael Neumann (beide SPD) stärkten bei einem Besuch der Belegschaft den Rücken und informierten sich über die Lage. „Presse- und Meinungsfreiheit gehören zum Fundament, auf dem die Demokratie ruht. Jeder Angriff auf diese Freiheiten ist in seiner Wirkung und unabhängig von fragwürdigen Motiven ein Angriff auf die Demokratie“, erklärte Scholz, der den Beschäftigten die Unterstützung der Stadt zusicherte.

Internationale "Rückendeckung" für die Mopo

Zahlreiche Politiker und Medienvertreter - auch aus dem Ausland - bekundeten - teils auch via Facebook und Twitter - ihre Solidarität mit der Zeitung. Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Michael Neumann (beide SPD) stärkten bei einem Besuch der „Mopo“-Belegschaft den Rücken und informierten sich über die Lage. „Presse- und Meinungsfreiheit gehören zum Fundament, auf dem die Demokratie ruht. Jeder Angriff auf diese Freiheiten ist in seiner Wirkung und unabhängig von fragwürdigen Motiven ein Angriff auf die Demokratie“, erklärte Scholz, der den Beschäftigten die Unterstützung der Stadt zusicherte.

CDU-Landeschef Marcus Weinberg erklärte, wer die „Mopo“ angreife, greife die ganze Stadt Hamburg an. Sollte sich herausstellen, dass der Anschlag im Zusammenhang mit der Abbildung der „Charlie Hebdo“-Karikaturen stehe, „wäre dies eine neue Entwicklung der Gewalt in unserer Stadt“.

Die Landespressekonferenz (LPK) bezeichnete die Tat als „feigen und hinterhältigen Terrorakt gegen die Pressefreiheit“. Die Kollegen der „Mopo“ könnten sich der Solidarität aller Journalisten in Hamburg sicher sein, erklärte der LPK-Vorsitzende Jürgen Heuer. „Die Medien werden sich nicht einschüchtern lassen.“ EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos sagte in Brüssel, dieser neue Angriff unterstreiche, dass umfassender Respekt für die Meinungs- und Pressefreiheit nötig ist. „Wir werden unsere Werte verteidigen.“

So twitterte etwa der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs:

Die Hamburger Grünen-Chefin Katharina Fegebank schrieb:

Die Zeitung selbst dankte im Internet den Menschen für ihre „Rückendeckung“.

Brandanschlag auf "Hamburger Morgenpost"

Brandanschlag auf "Hamburger Morgenpost"

Zwei Islamisten hatten am Mittwoch in Paris die Redaktion der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" angegriffen und in dem Gebäude und bei ihrer Flucht insgesamt zwölf Menschen getötet. Sie riefen, sie hätten den Propheten "gerächt"; "Charlie Hebdo" hatte in der Vergangenheit mehrfach provokante Mohammed-Karikaturen gedruckt. Die beiden Attentäter wurden am Freitag von der Polizei erschossen.

Lesen Sie dazu auch: Mutmaßliches IS-Mitglied in Dinslaken verhaftet 

afp/dpa

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Letzter Mensch auf dem Mond: Astronaut Gene Cernan ist tot
Washington (dpa) - Der US-Astronaut Gene Cernan, der als letzter Mensch auf dem Mond war, ist tot. Cernan sei im Alter von 82 Jahren am Montag gestorben, teilte die Nasa …
Letzter Mensch auf dem Mond: Astronaut Gene Cernan ist tot
Mindestens 27 Pest-Tote in Madagaskar
Antananarivo (dpa) - Im Süden von Madagaskar sind 27 Menschen der Pest zum Opfer gefallen. Insgesamt 68 Menschen haben sich demnach in den Regionen Atsimo-Atsinanana und …
Mindestens 27 Pest-Tote in Madagaskar
Mysteriöser Riesenbogen über Venus entdeckt - Was hat es damit auf sich?
Tokio/London - Über unseren Nachbarplaneten Venus fegen extrem schnelle Winde. Trotzdem haben Forscher in derselben Höhe eine stationäre Struktur entdeckt. Was hat es …
Mysteriöser Riesenbogen über Venus entdeckt - Was hat es damit auf sich?
Brasiliens Gefängnisse außer Kontrolle
Seit Jahresbeginn sind über 120 Häftlinge in Brasilien umgebracht worden, teilweise wurden sie geköpft. Ein Grund sind Bandenkriege, die sich hinter den Mauern …
Brasiliens Gefängnisse außer Kontrolle

Kommentare