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Brasilien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Rio de Janeiro ist unter anderem ein beliebtes Urlaubsziel
Rio de Janeiro ist unter anderem ein beliebtes Urlaubsziel © Jose Lucena / IMAGO

Brasilien ist ein faszinierend vielfältiges Land, dessen Regenwälder die grüne Lunge der Erde darstellen. Allerdings leidet der Staat unter zahlreichen Problemen, hoher Kriminalität und Umweltzerstörung.

Brasilia – Das Bild Brasiliens wird von zahlreichen Klischees geprägt: Fußball vom Feinsten, Caipirinha und natürlich dem Karneval von Rio. Doch das größte Land Südamerikas hat mit enormen Problemen zu kämpfen und steht vor großen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.

Brasilien: Die Geschichte des Staates

Das heutige Brasilien war vermutlich vor etwa 30.000 Jahren besiedelt. In vielen Regionen des Landes wie im Amazonasbecken und in Mato Grosso fanden sich Spuren hochentwickelter Kulturen. Diese wurden wahrscheinlich erst mit der Ankunft europäischer Siedler ausgerottet, die Krankheitskeime mitbrachten, gegen die das Immunsystem der Ureinwohner machtlos war.

Als Entdecker Brasiliens gilt der portugiesische Seefahrer Pedro Alvares Cabral, der am 22. April 1500 bei Porto Seguro an Land ging und das Land für die portugiesische Krone in Besitz nahm. Weil die ersten Eroberer reiche Vorkommen an Brasilholz (Pau Brasil) vorfanden, nannten sie das neue Land Brasilien. Das wertvolle Holz wurde der erste Exportschlager und ist heute fast vollkommen verschwunden.

Der Vertrag von Tordesillas

Nachdem sich portugiesische und spanische Entdecker ein Wettrennen bei der Eroberung der Neuen Welt geliefert hatten, schlossen die beiden Staaten Portugal und Kastilien-Aragon 1494 den Vertrag von Tordesillas ab. Mit diesem wurde eine Linie 2.282 Kilometer westlich der westlichsten bekannten Insel der Kapverden vom Nordpol bis zum Südpol gezogen. Alles, was östlich der Linie lag, fiel an Portugal, alles Westliche an Spanien. Der portugiesische König João II. zog dabei den Kürzeren, denn ihm blieb nur das spätere Brasilien, während Spanien den größten Teil Lateinamerikas erhielt. Aus diesem Grunde ist Brasilien auch der einzige Staat Lateinamerikas, in dem Portugiesisch die erste Landessprache ist.

Brasilien zur Kolonialzeit

Portugiesische Siedler legten große Zuckerrohrplantagen entlang der brasilianischen Küste an und verschleppten bereits ab 1538 afrikanische Sklaven zur Bewirtschaftung. Der Reichtum des Landes weckte auch bei anderen europäischen Völkern Begehrlichkeiten und 1624 eroberten die Niederländer die koloniale Hauptstadt Bahia. Es folgten 30 Jahre Krieg, ehe die Niederlande aufgaben.

Nachdem 1696 bei Rio de Janeiro Gold und Diamanten entdeckt wurden, verlagerte sich der Schwerpunkt der kolonialen Wirtschaft in den südlichen Teil des Landes. 1763 wurde Rio zur neuen Hauptstadt von Brasilien ernannt.

1807 floh der portugiesische Prinzregent João IV. mit seiner Familie und dem Hofstaat vor Napoleon nach Rio und machte Brasilien zum gleichberechtigten Teil seines Reiches. 1816 wurde João IV. nach dem Tod seiner Mutter zum König gekrönt und kehrte 1821 nach dem Ausbruch großer Unruhen nach Portugal zurück. Sein Sohn Pedro I. übernahm die Regierung Brasiliens. Allerdings hatte sich unter den Brasilianern bereits der Wunsch nach Unabhängigkeit ausgebreitet. In Pedro fanden sie einen Unterstützer, der bereit war, eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. 1825 erkannte Portugal die Unabhängigkeit Brasiliens im Vertrag von Rio de Janeiro offiziell an.

Brasilien wird unabhängig

Portugal hatte sich jedoch ein Hintertürchen offengelassen und Pedro I. formal als Kaiser von Brasilien im Amt gelassen. In der Folge kam es zu blutigen Aufständen und Revolutionen gegen ihn und später seinen Sohn Pedro II. Zugleich konnte sich Brasilien zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Staat entwickeln, der unter anderem Kautschuk, Holz, Kaffee, Zucker und Rindfleisch exportierte.

1888 schaffte Brasilien als letztes Land der westlichen Hemisphäre die Sklaverei mit dem Goldenen Gesetz (Lei Áurea) ab. Ein Jahr später wurde Kaiser Pedro II. bei einem Militärputsch gestürzt und musste das Land verlassen. Brasilien rief die Republik aus. Die Phase der alten Republik (República Velha) gilt heute als Goldenes Zeitalter, indem sich das Land modernisierte und einen gewissen Wohlstand genoss.

Brasilien im 20. Jahrhundert

Da von diesem Wohlstand nur die Oberschicht profitierte, rumorte es schon bald im Volk. 1930 führte Getúlio Dornelles Vargas einen Aufstand an und wurde Präsident. Nach mehreren Regierungswechseln wurde der wegen seiner sozialistischen Politik umstrittene Präsident 1951 noch einmal gewählt, ehe er 1954 vom Militär zum Rücktritt gezwungen wurde. Unruhige Jahre folgten, bis 1964 das brasilianische Militär mithilfe der amerikanischen CIA putschte und eine Diktatur errichtete. Diese blieb bis 1985 bestehen, ehe die mittlerweile sechste Republik (Nova República) ausgerufen wurde.

Wirklich zur Ruhe kam das Land seither nie. Regierende auf beiden Seiten des politischen Spektrums sehen sich immer wieder Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Im neuen Jahrtausend kam es unter anderem vor der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Spielen in Rio 2016 zu Protesten gegen Präsidentin Dilma Rousseff und die steigenden Lebenshaltungskosten. Zugleich hielt ein riesiger Korruptionsskandal um den Erdölkonzern Petrobas das Land im Atem, über den nicht nur Rousseff, sondern auch ihr Nachfolger Michel Temer stolperte.

Brasilien: Politik und Wirtschaft des Staates

Brasilien ist eine präsidiale Bundesrepublik, an deren Spitze der Präsident steht. Seit 2018 ist dies der rechtsextreme Jair Bolsonaro. Das brasilianische Parlament wird Nationalkongress genannt und setzt sich aus dem Bundessenat und der Abgeordnetenkammer zusammen. Im Senat sind derzeit 15 Parteien vertreten, in der Abgeordnetenkammer sogar 25 Parteien.

Die brasilianische Wirtschaft wird noch immer vom Export von Lebensmitteln wie Kaffee, Kakao, Zucker und vor allem Soja geprägt. Für große Probleme sorgt die Tatsache, dass in Brasilien riesige Flächen Regenwald zugunsten der wachsenden Landwirtschaft gerodet werden. Dadurch sind die weltweit einzigartige Artenvielfalt im Amazonasgebiet und die Existenz zahlreicher indigener Völker bedroht. Nicht zuletzt trägt der Verlust des Regenwaldes zum Klimawandel bei.

Staat Brasilien: Demografie

Die brasilianische Bevölkerung hat sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts von 52 Millionen auf 212 Millionen vervierfacht und ist entsprechend jung. Zuletzt sank die Geburtenrate jedoch drastisch. Die ethnische Zusammensetzung teilt sich wie folgt auf (Stand 2016):

Die Schwarze Bevölkerung lebt vor allem im Nordosten des Landes. Indigene Stämme, sofern sie sich nicht in den Städten assimiliert haben, leben in sogenannten Terras Indígenas (Reservaten) überwiegend im Amazonasgebiet.

Vor allem im Süden Brasiliens ließen sich zahlreiche deutsche Auswanderer nieder. In der von deutschen Fachwerkhäusern geprägten Stadt Blumenau findet jedes Jahr das zweitgrößte Oktoberfest der Welt statt.

Die größten Städte im Überblick (Stand 2017):

Dominierende Religion im Staat ist der Katholizismus, dem etwa 64,63 Prozent der Einwohner anhängen.

Brasilien: Geografie des Staates

Brasilien ist das flächenmäßig fünftgrößte Land der Welt. Die Geografie wird von den Regenwäldern des Amazonas-Tieflandes geprägt. Im Süden geht die Tiefebene in die Cerrado genannte Savanne über und schließlich in die Höhenzüge an der Grenze zu Paraguay und Argentinien. Im Dreiländereck liegen die berühmten Wasserfälle von Iguazú, einer der größten Touristenmagneten des Staates. Höchster Berg des Landes ist der 2.994 Meter hohe Pico da Neblina im Norden an der Grenze zu Venezuela und Guayana.

Der Amazonas durchquert Brasilien auf ganzer Länge. Er ist der wasserreichste Fluss der Welt und erreicht teilweise eine Breite von mehreren Kilometern. Das Amazonasgebiet ist von enormer Biodiversität geprägt und macht Brasilien zum artenreichsten Staat der Welt.

Etwa 90 Prozent der Bevölkerung leben in den Städten an der Atlantikküste. São Paulo ist mit über 20 Millionen Einwohnern die größte Stadt der südlichen Hemisphäre und gilt als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Staates. Weit berühmter ist Rio de Janeiro mit der Copacabana, dem Zuckerhut und dem Karneval. Den Titel der Hauptstadt musste die Metropole 1960 an das auf dem Reißbrett geplante Brasilia abgeben.

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