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Aufgeklärt: Unter der Rubrik Dr. Sommer in der Bravo hat Jutta Stiehler in 16 Jahren unzählige Fragen von Jugendlichen zum Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeit beantwortet. Jetzt muss sie gehen.

Sparmaßnahmen

Bravo macht mit "Dr. Sommer" Schluss

Hamburg - Es ist Schluss: Die Bravo beendet ihre Beziehung mit der wohl bekannteste Expertin in Sachen Aufklärung. Jutta Stiehler, alias Dr. Sommer, muss ihre Sachen packen.   

Kann man vom Küssen schwanger werden? Wie ist es, wenn man verliebt ist? Gibt es Regeln für das erste Date? Diplom-Pädagogin Jutta Stiehler beantwortete den Lesern der Bravo 16 Jahre lang solche und ähnliche Fragen. Nun muss sie gehen. Die 56-Jährige wird eingespart. Denn das Jugendmagazin leidet an sinkenden Verkaufszahlen und muss aufs Geld schauen.

Einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigte am Freitag ein Sprecher der Bauer Media Group.

Rubrik bleibt erhalten

Die beliebte Rubrik wird den Lesern allerdings erhalten bleiben. Hinter Dr. Sommer wird künftig Sabine Kadolph stehen, wie ein Sprecher der Bauer Media Group bestätigt. Sie ist eine ehemalige Kollegin von Stiehler. Um die Flut an Fragen bewältigen zu können, werden der Erzieherin zwei freie Mitarbeiter assistieren. Neben ihnen sollen Volontäre im Dr. Sommer-Team mitarbeiten. Stiehler sieht darin Probleme. Sie vermisst laut SZ die psychologische oder sozialpädagogische Ausbildung. Weiter zeigt sich Stiehler traurig über die Kündigung und über den jetzigen Zustand der Bravo: "Eine sehr, sehr schöne Zeit ist leider sehr unglücklich zu Ende gegangen", sagt sie gegenüber der SZ.

Irreführende Umstellungen

Die gravierenden Veränderungen waren laut SZ von einigen Vorboten angekündigt worden. So wurde das Foto des realen Dr. Sommer-Teams aus dem Heft gestrichen und durch ein Bild von zwei Jugendlichen ersetzt. "Frag Julia", heißt es auch auf der Homepage der Bravo. Als männlicher Ansprechpartner steht "Julian" zur Verfügung. Beide Personen sind jedoch fiktive Ansprechpartner und  lediglich Models, hinter denen das Dr. Sommer-Team steckt. Gegenüber der SZ sagt Nordmann, man nutze "stellvertretend für das Dr. Sommer-Team ein Bild von zwei jungen Menschen mit hohem Identifikationspotenzial für die Bravo-Zielgruppe". Bei der Bravo-Girl beantwortet die fiktive "Martha" die Fragen der Jugendlichen.

Keine persönlichen Antworten mehr

„Bravo“ steht unter großem Spardruck. Die Auflage ist seit 1998 von fast 970.000 verkauften Exemplaren pro Woche auf 192.000 gesunken. Offenbar hatte aber zuletzt der Service unter der Umstellung gelitten, berichtet die SZ. Leser bekamen auf ihre Emails etwa keine persönlichen Antworten mehr, sondern nur einen standardisierten Text. Stiehler zeigt sich enttäuscht. "Das Alleinstellungsmerkmal von Dr. Sommer war immer die persönliche Beratung. Das hat uns abgehoben von anderen Jugendzeitschriften", sagt sie gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Der Sprecher der Bauer Media Group hält dagegen: „Die Anfragen werden in der Regel persönlich beantwortet. Die hohe Beratungsqualität ist der Kern des Dr.-Sommer-Teams. Das bleibt auch so.“

1969 ging es los

Erster „Dr. Sommer“ war 1969 der Düsseldorfer Psychotherapeut Martin Goldstein gewesen. 15 Jahre lang leitete Goldstein die Rubrik, die das Heft 1972 zweimal auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften brachte. Als Goldstein die Selbstbefriedigung enttabuisierte, befanden die staatlichen Jugendschützer: „Die Geschlechtsreife allein berechtigt noch nicht zur Inbetriebnahme der Geschlechtsorgane.“

Damals gingen tausende Briefe wöchentlich in der Redaktion ein. Die „Bravo“ stellte ein ganzes Team ein, um sie nach Goldsteins Vorgaben „unverklemmt“ zu beantworten. Manche Jugendlichen sammelten die Beiträge und versteckten sie vor ihren Eltern.

Dabei war der Aufklärer Goldstein, der 2012 im Alter von 85 Jahren starb, selbst nie aufgeklärt worden. „Mit 23 Jahren hatte ich das erste Mal näheren Kontakt zu einer Frau“, erzählte er einmal aus seiner Zeit als Medizinstudent im Präparierkurs: „Sie hatte keinen Kopf und schwamm in einer giftigen Lauge.“

mm/dpa 

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