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Der Caterer Sodexo will die von Brechdurchfall betroffenen Kinder mit Gutscheinen entschädigen. 

Brechdurchfall: Gutscheine als Trostpflaster

Berlin - Mehr als 11 000 Menschen lagen mit Brechdurchfall wegen verseuchter Tiefkühl-Erdbeeren flach. Jetzt soll es als Trostpflaster Gutscheine zur Entschuldigung geben:

Nach den massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen will der Schulessenlieferant Sodexo Sachentschädigungen anbieten. Das Unternehmen kündigte am Dienstag an, den betroffenen Kindern in Ostdeutschland Verlags-Gutscheine zum Kauf von Lernmitteln, Büchern oder Nachhilfeangeboten zu schenken. „Wir können die Emotionen der Kinder und Eltern der letzten Tage gut nachvollziehen und bedauern die durch die Vorgänge entstandenen Unannehmlichkeiten sehr“, hieß es in einer Mitteilung. Nach Angaben von Sodexo hat der Gutschein einen Wert von 50 Euro. Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) prüft die Darmstädter Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den Schulessenlieferanten.

Oberstaatsanwalt Klaus Reinhardt sagte dem Blatt: „Wir prüfen, ob wir ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verstoß gegen Lebensmittel-Schutzvorschriften gegen Sodexo einleiten. Dazu untersuchen wir, wer die persönliche Verantwortung für die Verbreitung der kontaminierten Erdbeeren trägt und wer für den Ankauf der Ware verantwortlich ist.“

Mehr als 11.000 Krankheitsfälle waren in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen registriert worden. Es handelte sich um den bisher größten lebensmittelbedingten Ausbruch von akutem Brechdurchfall in Deutschland. In Sachsen-Anhalt wurden nun erstmals in einer Probe aus einer Charge Tiefkühl-Erdbeeren eines Sodexo-Zulieferers Noroviren nachgewiesen.

Sodexo teilte mit, es wolle seine Zusammenarbeit mit dem Lieferanten aussetzen und die weitere Kooperation von einem unabhängigen Gutachter prüfen lassen. Angestrengt werde zudem eine „umfassende Nachbesprechung mit den Behörden“, um künftig „eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Zulieferern, den Gesundheitsbehörden und Kunden für eine optimale Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten“.

Aigner setzt auf Kooperation der chinesischen Stellen

Die Bundesregierung und China streiten sich derweil über die Ursache des Brechdurchfalls. Nachdem Noroviren in chinesischen Erdbeeren eindeutig nachgewiesen worden waren, erklärte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag, sie halte die Kritik aus China für unbegründet. Denn die bisherigen Ermittlungs- und Untersuchungsergebnisse sprächen eine deutliche Sprache. „Vieles deutet darauf hin, dass die Kontamination der Erdbeeren bereits im Ursprungsland stattgefunden hat“, sagte Aigner der „Augsburger Allgemeinen“ (Mittwochausgabe). Diesem Verdacht müssten die Behörden in China unvoreingenommen nachgehen. „Ich setze hier auf die Kooperation der chinesischen Stellen“, betonte die Ministerin.

China hatte vor voreiliger Kritik an seiner Lebensmittelsicherheit gewarnt. Es gebe keinerlei Beleg dafür, dass der Brechdurchfall auf unreine Erdbeeren aus China zurückzuführen sei, sagte eine Verantwortliche des Amts für Außenhandelsüberwachung und Quarantäne der Hafenstadt Qingdao der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Am Montagabend hatten das Robert Koch-Institut, das Bundesinstitut für Risikobewertung und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mitgeteilt, in Sachsen-Anhalt seien erstmals in einer Probe aus der verdächtigen Charge Tiefkühl-Erdbeeren Noroviren nachgewiesen worden. Zuvor waren bereits bei einem beträchtlichen Teil der Patienten Noroviren festgestellt worden. Seit dem Wochenende seien keine Neuerkrankungen mehr aufgetreten, hieß es weiter. Der Ausbruch der Magen-Darm-Grippe bei Kindern und Jugendlichen in fünf Bundesländern sei damit beendet.

dapd

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