+
Die Abhöraffäre um den Konzern von Rupert Murdoch weitet sich offenbar aus.

Britische Abhöraffäre weitet sich aus

London - Die Abhöraffäre in Großbritannien weitet sich möglicherweise aus. Mit dem “Daily Mirror“ kommt jetzt eine Zeitung in die Schusslinie, die nicht aus dem Murdoch-Imperium kommt.

Der britische Skandal um abgehörte Telefone von prominenten Verbrechensopfern und Angehörigen ist nach Angaben eines früheren Journalisten nicht auf eine Zeitung des Murdoch-Konzerns beschränkt. Der frühere Finanzjournalist des Boulevard-Blattes “Daily Mirror“, James Hipwell, sagte am Mittwoch vor einem Untersuchungsausschuss, das Abhören sei auch bei den Gesellschaftsreportern seiner Zeitung gängige Praxis gewesen. Es sei nahezu ausgeschlossen, dass der damalige Chefredakteur Piers Morgan nichts davon gewusst hatte.

Morgan hatte noch am Vortag erklärt, die Redaktion habe unter seiner Führung auf der Grundlage der Gesetze und des Pressekodex gearbeitet. Auch die Verlagsleitung der Mirror-Gruppe hatte stets jede Verbindung zur Abhöraffäre zurückgewiesen. Informationen etwa über Ex-Beatle Paul McCartney habe die Zeitung von dessen Ex-Frau Heather Mills erhalten. Diese dementierte am Mittwoch energisch. Sie habe niemals Tonbänder über ihren Ex-Mann herausgegeben.

Der Journalist Hipwell war 2006 selbst mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Er hatte Aktien gekauft, diese dann als Tipps im Börsenteil veröffentlicht und dann die selbst verursachten Kursaufschwünge zum gewinnträchtigen Verkauf genutzt. Er musste dafür mehrere Monate ins Gefängnis.

Die linksliberale Zeitung “The Guardian“, die einen Großteil des Abhörskandals ans Licht gebracht hatte, musste inzwischen teilweise zurückrudern. Das Blatt korrigierte insgesamt 26 Artikel, in denen behauptet wurde, Reporter der Murdoch-Zeitung “News of the World“ hätten die Handy-Mailbox eines entführten und später ermordeten Mädchens absichtlich gelöscht, um Platz für neue Nachrichten zu machen, die sie wieder abhören könnten. Experten hatten im Zuge der Untersuchungen des Falls erklärt, die Mailbox sei vermutlich automatisch gelöscht worden.

Bei “News of the World“ waren jahrelang Telefone von Prominenten, Mitarbeitern des Königshauses und sogar Mordopfern angezapft worden. Das Blatt wurde im Juli eingestellt. Der richterliche Ausschuss beschäftigt sich seit Wochen mit dem Fall. Er soll aber auch neue Wege für die Presseethik in Großbritannien festlegen. Eine Aussage von Murdoch vor dem Ausschuss wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen. Der 80-Jährige hatte bereits im Juli vor einem Parlamentsausschuss ausgesagt und diesen Auftritt als den “Tag der größten Demut“ seines Lebens bezeichnet.

# dpa-Notizblock

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Horror: Seil reißt bei Bungee-Sprung, 17-Jährige stürzt Klippen hinab
Es sollte ein unvergessliches Erlebnis werden, doch es endete in einem Albtraum bei einem Bungee-Sprung: Dort riss das Seil, eine Frau stürzte in die Tiefe.
Horror: Seil reißt bei Bungee-Sprung, 17-Jährige stürzt Klippen hinab
Junge Urlauberin löst mit Notfall-App Großeinsatz aus
Kühlungsborn - Eine 17-jährige Urlauberin hat am Dienstag in Kühlungsborn mithilfe einer Notfall-App einen Großeinsatz ausgelöst. Die Polizei hält sich bei der …
Junge Urlauberin löst mit Notfall-App Großeinsatz aus
Grusel-Wolke am Himmel sorgt für Angst und Schrecken
Feuerrot und bedrohlich wirkte eine Wolke über Brasilien und jagte damit vielen Menschen Schrecken ein. 
Grusel-Wolke am Himmel sorgt für Angst und Schrecken
Flaschenpost eines britischen Paars schafft es von Rhodos bis zum Gazastreifen
Während eines romantischen Strandurlaubs auf der griechischen Insel Rhodos hat ein britisches Paar eine Flaschenpost ins Mittelmeer geworfen - zwei Monate später kam sie …
Flaschenpost eines britischen Paars schafft es von Rhodos bis zum Gazastreifen

Kommentare