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Ein Feuerwerk ist ein kurzes und teures Vergnügen. Das Geld könnte auch gespendet werden. Dafür werben seit 30 Jahren kirchliche Aktionen. Kritiker wollen sich den Silvesterspaß nicht verderben lassen.

Brot statt Böller - oder ballern ohne Ende?

München - Ein Feuerwerk ist ein kurzes und teures Vergnügen. Das Geld könnte auch gespendet werden. Dafür werben seit 30 Jahren kirchliche Aktionen. Kritiker wollen sich den Silvesterspaß nicht verderben lassen.

Ein kurzes Leuchten, ein Zischen, ein Knallen. Ein paar “Ahs“ und “Ohs“ - und dann ist schon wieder alles vorbei. Für das kurze Feuerwerksvergnügen an Silvester geben die Deutschen Branchenschätzungen zufolge jährlich mehr als 100 Millionen Euro aus. Muss das sein? Wäre das Geld anderswo nicht sinnvoller aufgehoben? Diese Fragen stellen vor allem christliche Hilfswerke und Gruppierungen - und sammeln unter dem einprägsamen Motto “Brot statt Böller“ Geld für hungernde Menschen.

Vor genau 30 Jahren begann eine Gemeinde in Schleswig-Holstein mit der Aktion, wie Rainer Lang vom evangelischen Hilfswerk “Brot für die Welt“ sagt. Inzwischen verbreitet vor allem dieses Hilfswerk den Slogan, um zur Jahreswende zu Spenden aufzurufen. Auch viele andere Verbände und Einrichtungen machen solche Aktionen. Der Slogan ist nicht geschützt. “Es ist doch schön, dass sich so etwas wie eine Marke etabliert hat“, meint Lang.

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Immer wieder sehen sich die Initiatoren mit dem Vorwurf konfrontiert, sie seien Spaßbremsen und gönnten den Menschen die fröhliche Böllerei zum Jahreswechsel nicht. Lang entgegnet da: “Man kann auch feiern, ohne viele tausend Raketen in die Luft zu schießen.“ Wichtig sei außerdem eine Diskussion: “Man kommt ins Gespräch.“ Gerade zum Start in ein neues Jahr seien Menschen auch empfänglich dafür, ein “globales Bewusstsein“ zu entwickeln und an Notleidende anderswo auf der Welt zu denken.

Mit dem Aufruf, an Silvester zu spenden, anstatt Feuerwerkskörper zu kaufen, sammeln jedes Jahr auch evangelische und katholische Jugendliche im Raum München Spenden. Schon seit 29 Jahren läuft die Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Region München und der Evangelischen Jugend München (EJM). Das Geld geht direkt an Projekte in der Dritten Welt - die Verwaltungskosten tragen die beiden Jugendorganisationen. “Das finden die Menschen attraktiv“, sagt Christine Tröger von der Evangelischen Jugend. Das Spendenaufkommen sei von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Allein in den vergangenen acht Jahren wurden zwei Projekte, die Straßenkindern in Simbabwe und Kenia helfen, mit mehr als 80 000 Euro unterstützt. “Brot für die Welt“ macht keine Angaben zu den Spendeneinnahmen, dürfte aber dank bundesweiter Bekanntheit deutlich mehr einsammeln.

Kritik an “Brot statt Böller“ kommt aber nicht nur von Menschen, die den Christen vorwerfen, ihnen den Spaß verderben zu wollen. Die “Aktion 3. Welt Saar“ nennt den kirchlichen Spendenaufruf gar verlogen. Der Vorstand des Bündnisses betont: “Der Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau und appelliert lediglich an das schlechte Gewissen.“ Der Zusammenhang zwischen Feuerwerk und dem Hunger in der Welt sei willkürlich hergestellt. Man könne genauso gut zum Verzicht auf Christbäume aufrufen.

Die Befürworter der Aktion argumentieren dagegen, dass gerade beim Silvesterfeuerwerk das Vergnügen sehr kurz und die Ausgaben sehr hoch seien. “Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, wie viele Millionen Euro da in die Luft geblasen werden“, sagt Tröger.

Und als Spaßbremsen sehe man sich ganz und gar nicht. Das neue Jahr lässt sich beispielsweise mit Sekt begießen, den BDKJ und EJM verkaufen: Eine Flasche Sekt aus dem Elsass gibt es für 9,00 Euro - der Gewinn von 2,60 Euro pro Flasche geht direkt an die Spendenaktion. “Brot für die Welt“ bietet den Nutzern von Apple-Geräten wie dem iPhone eine Software an, mit der sich ein Feuerwerk auf dem Display abbrennen lässt - “umweltschonend und witterungsunabhängig“, wie es heißt. Die Erlöse werden gespendet.

Unterstützung bekommen die “Brot-statt-Böller“-Aktionen auch regelmäßig von hochrangigen Kirchenvertretern. In diesem Jahr rief etwa der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dazu auf, lieber zu spenden als zu böllern: Damit könne man einen Beitrag leisten, den mehr als eine Milliarde hungernden Menschen auf der Welt zu helfen.

dpa

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