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Bulgarien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Dutzende Gläubige stehen mit traditionellen Trachten während des Dreikönigstages im Fluss Tundzha, bilden eine Menschenkette, spielen Musikinstrumente und schwenken Nationalflaggen
Gläubige in Bulgarien mit traditionellen Trachten während des Dreikönigstages im Fluss Tundzha © picture alliance/dpa/AP | Valentina Petrova

Bulgarien wurde nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems in Russland und Osteuropa zu einer demokratischen Republik.

Sofia – Am 18. November 1989 versammelten sich erstmals Bürger in der bulgarischen Hauptstadt Sofia und anderen Großstädten, um gegen das sozialistische Regime zu protestieren. Sie forderten eine Demokratisierung des politischen Systems. In den folgenden Wochen schlossen sich immer mehr Menschen diesen Protesten an. 1990 fanden daraufhin die ersten demokratischen Wahlen im Land statt. Anders als im Nachbarstaat Rumänien verlief die Abkehr vom Sozialismus in Bulgarien weitgehend friedlich.

Bulgarien: Von den Anfängen der Geschichte bis zum frühen Mittelalter

Das Gebiet des heutigen Bulgarien war bereits während der Jungsteinzeit (Neolithikum von circa 9500 bis 3300 v. Chr.) besiedelt. In der Bronzezeit (ungefähr 2.200 bis 800 v. Chr.) herrschten die Thraker als indogermanischer Volksstamm in Bulgarien. Danach wurde die Region auf dem Balkan von Griechenland kolonialisiert. Die griechischen Kolonialherren unterlagen wenige Jahrzehnte nach Christi Geburt den Römern. Diese begannen nach der Eroberung Bulgariens eine Romanisierung des Landes und integrierten zahlreiche der von den griechischen Kolonialherren gegründeten Stadtstaaten ins Römische Reich. Dazu gehörten unter anderem die Städte Apollonia und Mesambria.

Die Sprachgeschichte Bulgariens reicht bis in die Vorzeit zurück. Von großer historischer Bedeutung ist die aus dem vierten Jahrhundert stammende „Wulfila-Bibel“, die als ältestes Dokument der germanischen Schriftsprache gilt.

Bulgarien: Vom Großbulgarischen Reich bis zum ersten bulgarischen Zaren

Seit dem Beginn des sechsten Jahrhunderts kam es zu einem verstärkten Vordringen von Slawen auf den Balkan. Sie gründeten im Jahre 632 das Großbulgarische Reich. 679 begründeten sie anschließend das Erste Bulgarische Reich, daran beteiligten sich auch weitere Volksgruppen, insbesondere die Ureinwohner, Thraker und die verbliebenen Römer. Dieser Staat wurde von Byzanz anerkannt und erstreckte sich territorial nahezu über die vollständige Balkanhalbinsel. Dieses Reich war ein Vielvölkerstaat, aus dem die Volksgruppe der heutigen Bulgaren hervorging. Die Geschichte des Ersten Bulgarischen Reichs wurde maßgeblich von Simeon I (893-927) geprägt. Unter diesem Herrscher, der als erster Regent den Titel „Zar“ führte, fanden die folgenden Entwicklungen beziehungsweise Neuerungen in Bulgarien statt:

Bulgarien: Vom Zweiten Bulgarischen Reich bis zur osmanischen Herrschaft

Nach dem Untergang des Ersten Bulgarischen Reichs errichteten die Gebrüder Theodor und Johann Peter im 12. Jahrhundert das Zweite Bulgarische Reich (1186 bis 1393). Bulgarien entwickelte sich während dieser Epoche zum wichtigsten Zentrum in Südosteuropa, das kulturell, religiös und politisch den gesamten Balkan beherrschte.

Ende des 14. Jahrhunderts kam es zum Vorstoß des Osmanischen Reiches, das schließlich die Herrschaft über den bulgarischen Staat erobern konnte. Im Jahre 1444 scheiterte der König von Polen, Wladyslaw III., mit dem Versuch, Bulgarien mithilfe einer polnisch-ungarischen Armee von den Osmanen zu befreien. Die Vorherrschaft des Osmanischen Reiches dauerte fast ein halbes Jahrtausend und prägte maßgeblich die Geschichte des Landes. Im Verlauf dieser Fremdherrschaft traten Teile der bulgarischen Bevölkerung zum Islam über.

Bulgarien: Die Geschichte vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Anfang des 19. Jahrhunderts entstand eine nationale Bewegung in Bulgarien, die sich massiv gegen die Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich und für einen eigenen Staat einsetzte. Die Proteste wuchsen in den folgenden Jahrzehnten an und kumulierten im April 1876 in ihrem vorläufigen Höhepunkt: Die Nationalisten erhoben sich in einem Aufstand, der von den türkischen Herrschern blutig niedergeschlagen wurde. Die Ereignisse waren Ursache des Russisch-Türkischen Krieges von 1877/78, der schließlich durch den Frieden von San Stefano beendet wurde. In diesem Vertrag wurde den Bulgaren ein Nationalstaat zugesichert. Diesen setzte nach einigen Wirren Ferdinand von Coburg-Gotha als selbst ernannter Zar von Bulgarien um. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg kämpfte der Staat auf der Seite der Achsen- beziehungsweise Mittelmächte.

Bulgarien wurde am 8. und 9. September 1944 von sowjetischen Streitkräften besetzt und gelangte dadurch in die Einflusssphäre der Sowjetunion. Anschließend übernahm die Bulgarische Kommunistische Partei die Macht. In folgenden Jahrzehnten versuchte sie, eine klassenlose kommunistische Gesellschaft durchzusetzen.

In der sowjetisch geprägten Zeit regierten die folgenden Ministerpräsidenten den Staat:

Der erzwungene Rücktritt von Todor Schiwkow markierte am 10. November 1989 die endgültige Abkehr vom Sozialismus. Im folgenden Jahr wurden die ersten freien Wahlen abgehalten. Am 12. Juli 1991 verabschiedete die Nationalversammlung eine neue Verfassung, die den modernen bulgarischen Staat begründete. Die Republik Bulgarien trat 2004 der NATO und 2007 der EU bei.

Bulgarien: Staat und Politik

Bulgarien ist heute als parlamentarische Republik organisiert. Der Nationalversammlung gehören 240 Abgeordnete an, die von den Bürgern in geheimen und freien Wahlen gewählt werden. Die Abgeordneten wählen den Ministerpräsidenten und den Ministerrat. Das Oberhaupt des bulgarischen Staates ist der Staatspräsident, er hat vor allem repräsentative Aufgaben.

Die wichtigsten Parteien Bulgariens sind:

Bulgarien: Bevölkerung und Sprache

Bulgarien besitzt knapp 6,9 Millionen Einwohner (Stand 2020) mit stark sinkender Tendenz. So hatte der Staat beispielsweise im Jahre 1985 noch eine Bevölkerung von 8,9 Millionen Personen. Der starke Rückgang der Einwohnerzahl ist demografischen Veränderungen durch eine niedrige Geburtenrate sowie der Abwanderung von jungen Bulgaren, vor allem in westeuropäische Länder, geschuldet.

Die Bevölkerung des Balkanstaates weist einer im Jahre 2001 durchgeführten Volkszählung zufolge die folgende ethnische Gliederung auf:

Experten schätzen allerdings, dass der Anteil der zu einem erheblichen Teil nicht bei den Behörden registrierten Roma tatsächlich wesentlich größer ausfällt.

In der bulgarischen Verfassung aus dem Jahr 1991 ist Bulgarisch als einzige Amtssprache festgelegt. Nach wie vor wird sie in kyrillischer Schrift geschrieben. Minderheiten wird das Recht eingeräumt, ihre Sprache zu pflegen und zu lehren. Neben Bulgarisch sprechen viele Bewohner des Staates eine der folgenden Sprachen:

Bulgarien: Geografie und bedeutende Städte

Bulgarien liegt auf dem östlichen Balkan, im Norden grenzt das Land an Rumänien, im Süden an die Türkei und Griechenland. Serbien und Nordmazedonien sind die westlichen Nachbarstaaten der bulgarischen Republik. Im Osten grenzt Bulgarien ans Schwarze Meer. Das Land erstreckt sich über eine Fläche von 110.994 Quadratkilometern. Die Topografie ist von den beiden Gebirgsketten Rhodopen und Balkangebirge sowie ausgedehnten Tiefebenen geprägt. Bulgarien besitzt 55 Naturreservate und drei größere Naturparks, dabei handelt es sich um:

Hauptstadt des Staates ist Sofia. In der im Westen des Landes gelegenen Metropole leben rund 1,2 Millionen Menschen. Dazu kommen diese bedeutenden Großstädte:

Mittelzentren des Landes sind zudem Russe, Plewen und Stara Sagorva. Laut Volkszählung 2011 haben diese drei Städte jeweils mehr als 100.000 Einwohner.

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