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„Querdenker“ stürmt die Bühne: Armin Laschet bleibt gelassen - Lauterbach äußert heftige Kritik

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Ein Querdenker stürmt bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU die Bühne. Sicherheitsleute wollen eingreifen, stattdessen richtet Armin Laschet das Wort an ihn.

Erfurt - „Erstmal abregen, zweitens Frage stellen“, entgegnete der Kanzlerkandidat Armin Laschet in aller Ruhe, als ein Querdenker bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU am Samstag unvermittelt die Bühne stürmt. Dann bekommt der Störer sogar die Gelegenheit, seine Frage über Laschets Mikrofon zu äußern.

Armin Laschet beruhigt Querdenker: „Die Frage, die er gestellt hat, ist eine berechtigte“

„Ich bin Vater dreier Kinder, ich bin Thomas Brauner“, setzt der Anhänger der Querdenker-Bewegung mit zittriger Stimme an, die seine Nervosität verrät. „Werden Kinder ab Montag einer Ordnungswidrigkeit zugeführt, wenn sie sich nicht testen lassen, wenn sie keine Maske tragen und möglicherweise nicht bereit sind, sich impfen zu lassen?“, brüllt der Mann, während Laschet geduldig zuhört. „Ich stelle mir hier an dieser Stelle die Frage, ganz ernsthaft: Wenn wir uns in einer Pandemie befinden, die nicht schön für uns alle ist, warum zwinge ich dann die Kinder in die Schule?“

Als der Mann fertig ist, leitet Armin Laschet ihn mit einer Handbewegung und den Worten „Also, jetzt gehen Sie aber mal wieder zurück“ von der Bühne. „Wir können jetzt nicht jeden auf die Bühne lassen“, erklärt Laschet und ergänzt: „Alle haben jetzt die Frage verstanden! Wir machen Folgendes [...] Sie gehen jetzt hinter die Absperrung und ich beantworte dann Ihre Frage“, sagt der Kanzlerkandidat der CDU und an das Publikum gerichtet: „Die Frage, die er gestellt hat, ist eine berechtigte. Ich finde es schön, dass [...] man auch mal in den Dialog kommt.“

Kritik von Lauterbach: „Das ist keine Bürgernähe, sondern einfach dumm“

Auf Twitter gehen die Meinungen zum Auftritt von Armin Laschet auseinander: „Grundsolide“, „Nahbar, direkt, offen, ehrlich. Ein Kanzler, der wirklich zuhört“, sagen die einen. „Er lässt keinen Fettnapf aus“ oder „dumm war das“, heißt es von anderen Usern. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) teilt letztere Meinung: „Unfassbar. Armin Laschet lässt sich von einem Querdenker ohne Maske mit 20 cm Abstand anschreien. Das ist keine Bürgernähe, sondern einfach dumm“, schreibt er auf Twitter. Er scheint dabei vor allem den Gesundheitsaspekt im Auge zu haben.

Andere wundern sich eher darüber, mit wem der Kanzlerkandidat da in den Dialog tritt: Thomas Brauner ist in der Querdenker-Szene als „Busfahrer Thomas Brauner“ bekannt. Er war in der Vergangenheit bereits mit Holocaust-Verharmlosungen aufgefallen. In seinem Telegram-Kanal fordert er unter anderem „Maskenbefreiung im Bus, Maulkorb verboten“ und ruft zu Geldspenden auf sein Konto auf.

Querdenker Thomas Brauner und Armin Laschet bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU auf dem Erfurter Anger.
Querdenker Thomas Brauner und Armin Laschet bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU auf dem Erfurter Anger (3. September 2021). © Michael Kremer / Future Image / Imago

Laschets Antwort: „Impfpflicht für Kinder lehne ich ab“

In Thüringen will die Landesregierung künftig ein Bußgeld erheben, wenn Kinder sich in der Schule nicht testen lassen, obwohl sie nicht geimpft oder genesen sind. Zwischen 60 Euro und 250 Euro werden fällig. Darauf bezog sich die Frage des Querdenkers an Armin Laschet. Aufgrund der unklaren Lage der Reiserückkehrer nach den Sommerferien müssten an den Schulen noch Masken getragen werden, erklärt Laschet die Hintergründe der Entscheidung. Zuständig sei jedoch prinzipiell der Ministerpräsident des Landes, Bodo Ramelow (Die Linke). Der Kanzlerkandidat der CDU macht jedoch auch seine Meinung deutlich: „Eine Impfpflicht oder Druck auf Kinder, sich impfen zu lassen, lehne ich ab.“

Als eine Stimme aus dem Publikum „Ich nehme Sie beim Wort“ ruft, entgegnet Laschet „Das können Sie machen. Ich gebe Ihnen die Nummer vom Kanzleramt“, und erntet damit ein paar Lacher aus dem ansonsten recht abweisenden Publikum.

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