Bush ruft zum Kampf gegen Tyrannei auf

- Washington - Das trübe Wetter und der Schneematsch konnte George W. Bush nichts anhaben. Gut gelaunt genoss der 58-Jährige den Beginn seiner zweiten Amtszeit. Nie zuvor ist ein US-Präsident mit so viel Geld, Partys, Pomp, Glamour und Feuerwerk gefeiert worden. Die Bushs nehmen in vier Tagen an neun Galadiners teil.

Der Arbeitstag am historischen 20. Januar begann für Bush mit einem Morgengebet in der St. John/s-Kirche gegenüber vom Weißen Haus (siehe rechts). Danach brachte ihn eine Wagenkolonne zum Kapitol, dem Symbol für Freiheit und Demokratie. Auf der Ehrentribüne war Ehefrau Laura mit einem winterweißen Kaschmirkleid mit Glitzerborte der sichtbarste Farbtupfer. Die First Lady gab ihrem Mann vor der Zeremonie noch einen Kuss auf die Wange.

Trotz einer schweren Krebserkrankung nahm der oberste US-Richter William Rehnquist den Amtseid ab. Es war bereits die fünfte in seiner Karriere. Bush erhob die Hand und gelobte, dass er das Amt des Präsidenten getreulich ausüben werde. Bush schwor auf die Familienbibel und fügte auch das nicht vorgeschriebene "so wahr mir Gott helfe" an.

In seiner zwanzigminütigen und über weite Strecken sehr idealistischen Rede versprach der alte und neue Präsident, Freiheit und Demokratie zu verbreiten und in Fällen von Unterdrückung und Tyrannei kein Auge mehr zuzudrücken.

Diktatoren wolle er keine ruhige Minute mehr lassen, "weil diejenigen, die anderen die Freiheit versagen, sie selbst nicht verdienen". Immer wieder wurde er von Applaus unterbrochen. Reizworte wie Irak-Krieg, Kampf gegen den Terrorismus oder Budgetdefizit vermied der Präsident.

Ein in Washington bislang nie gekanntes Sicherheitsregime machte aus dem Kapitol den weltweit sichersten Platz an diesem Tag. Mehr als ein Jahr lang hatten über 60 Sicherheitsorganisationen die Einsatzpläne abgestimmt. Ein Anschlag während der Zeremonie wäre noch verheerender gewesen als der vom 11. September auf das World Trade Center in New York, hieß es im TV-Sender CNN.

Der Grund: An der Amtseinführung habe die gesamte Führung der USA teilgenommen vom Präsidenten und Vizepräsidenten, den politischen Führern im US-Kongress bis hin zu den Chefs der US-Notenbank, des Bundeskriminalamtes FBI, des Geheimdienstes CIA und anderer wichtiger Schaltstellen der Macht.

 

Demonstranten hatten einen schweren Stand. Plakate oder Spruchbänder waren auf dem Gelände des Kapitols verboten. Als eine kleine Gruppe dennoch Plakate hochhalten wollte, schritt sofort die Polizei ein. In der Innenstadt lieferten sich Gegner und Sympathisanten von Bush verbale Auseinandersetzungen.

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