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Buß- und Bettag 2021: Hier gilt er noch - Sonderregeln in mehreren Bundesländern

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Von: Veronika Silberg

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In Köln betet eine Frau in einer Kirche: Am Buß- und Bettag sollen sich Christen auf ihren Glauben besinnen. (Symbolbild)
Am Buß- und Bettag sollen sich Christen auf ihren Glauben besinnen. Der Feiertag gilt in Deutschland nur vereinzelt © dpa/Oliver Berg

Der Buß- und Bettag hat in Deutschland an Bedeutung verloren. Zu Unrecht? Alle Informationen zu Datum, Geschichte und Brauch eines fast vergessenen Feiertags.

Lebten wir vor 200 Jahren, wir hätten während der Corona-Pandemie vermutlich einen Buß- und Bettag nach dem anderen ausgerichtet. In Krisenzeiten, wie Notständen oder Kriegen setzte die evangelische Kirche damals mehrere Buß- und Bettage in einem Jahr an. Das Volk sollte kollektiv um Vergebung bitten und gemeinsam Buße tragen.

Schon Karl der Große verordnete solche Buße-Tage und auch im Mittelalter, sowie nach der Reformation setzte sich der Brauch fort. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges gab es beispielsweise beinahe wöchentlich einen solchen Tag. Ab 1893 gab es für das preußische Staatsgebiet schließlich einen einheitlichen Feiertag im November.

Ist der Buß- und Bettag ein gesetzlicher Feiertag? Wo er wann und wie gilt

Inzwischen ist der Buß- und Bettag einmal im Jahr, immer am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, also dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Damit fällt er 2021 auf den 17. November. Nur noch die Sachsen haben hier allerdings einen gesetzlichen Feiertag. Neben Sachsen gibt es am Buß- und Bettag aber auch in anderen Bundesländern Sonderregelungen:

Erst seit 1995 ist der Buß- und Bettag kein arbeitsfreier Tag in ganz Deutschland mehr. Man schaffte ihn ab, um nach der Einführung der Pflegeversicherung einer finanziellen Mehrbelastung der Arbeitgeber entgegenzuwirken. In Sachsen zahlen abhängig Beschäftigte dementsprechend einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung als im restlichen Bundesgebiet (0,5 % des Bruttoarbeitsentgelts). Wer auf seine religiösen Pflichten hinweist, der kann sich dank der deutschen Feiertagsgesetze auch im Rest von Deutschland freinehmen. Arbeitnehmer verlieren dadurch zwar keinen Urlaubstag, müssen aber auf ihren Lohn verzichten.

Evangelischer Feiertag: Buß- und Bettag? - Was es bedeutet Buße zu tragen

Wie der Name schon verrät, geht es hier nicht ums Feiern, sondern um Buße und das stille Gebet. Das Scheitern gehört zum Leben dazu, daran sollen sich Gläubige an diesem Tag erinnern. Der Buß- und Bettag soll dazu dienen, Gott und Mensch näherzubringen, also „Buße“ zu tragen. Das ist auch heute noch wichtig, findet der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Der CDU-Politiker, selbst Protestant, bedauerte 2019 in einer Rede im Berliner Dom die Abschaffung des Buß- und Bettages als nationalen, gesetzlichen Feiertag: „Buße ist heilsam, aber in unserem Alltag leider selten“, so Schäuble. Sie helfe gegen „Allmachtsfantasien“.

Inzwischen geht es am Buß- und Bettag auch nicht mehr darum, für ein ganzes Land Buße zu tragen, um Kriege, Notstände oder das öffentliche Gebet. Der evangelische Feiertag ist eher zu einem Tag der persönlichen Buße geworden. Hier sollen Christen über ihr Gewissen nachdenken, sich besinnen und aus ihrem Scheitern lernen. Leitmotiv ist die vierte Bitte des Vaterunser:

„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“

Vaterunser

Ist der Buß- und Bettag ein stiller Feiertag?

Weil der Tag dem stillen Gebet gelten soll, wird hier nicht gefeiert im klassischen Sinne. Er gehört in einigen Bundesländern, wie auch Fronleichnam oder Karfreitag zu den stillen Feiertagen: In Baden-Württemberg, Bayern, Schleswig-Holstein, Sachsen und Sachsen-Anhalt gilt hier Tanzverbot. Teilweise haben auch Spielhallen oder Glücksspielautomaten geschlossen.

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