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Canaletto malte Kulissen und Städte in fotografischer Präzision. Diese Ansicht zeigt München im Jahr 1761 vom östlichen Isar-Ufer aus.

Canaletto: malender Chronist in Zeiten des Umbruchs

Wien, München, Venedig – Canaletto nimmt den Betrachter auf eine Zeitreise in europäische Städte mit. In realistischen Momentaufnahmen malte er urbanes Leben, Landschaften und Leute im Europa des 18. Jahrhunderts. Der Katalog des Hirmer Verlags gibt tiefe Einblicke in das Werk des Künstlers.

Canaletto: Fotoreporter mit Pinsel und Farbe

Vom Gasteig am Münchner Isarhochufer wandert das Auge über den Fluss bis zum Isartor. Im Zentrum erhebt sich mächtig die Frauenkirche. Dicht an dicht schmiegen sich die Häuser der Stadt um das Bauwerk. Am Ufer gehen die Menschen ihren täglichen Beschäftigungen nach: Vor der Flussbrücke halten zwei Frauen ein Schwätzchen. Ein Kind fürchtet sich vor einem aufdringlichen Hund.

Es ist das Jahr 1761, als Canaletto am steilen Ufergelände steht und die wohl berühmteste Momentaufnahme von München in der Kunstgeschichte entwirft. Sie ist eine seiner zahlreichen realistischen Darstellungen von Landschaften und Stadtbildern – auch Veduten genannt. Im Hirmer-Katalog „Canaletto – Bernardo Bellotto malt Europa“ sind diese Meisterstücke abgebildet.

Der venezianische Maler Bernardo Bellotto mit dem Künstlernamen Canaletto führt die Vedutenmalerei im 18. Jahrhundert zu ihrem Höhepunkt: Seine detaillierten Gemälde europäischer Städte wirken fast wie fotografierte Panoramabilder. Sie zeigen Europa zur Zeit der Aufklärung. Von Venedig, Wien, München, Dresden bis nach Warschau erstreckt sich die Schaffenskraft des Meisters.

Präzise vermessen und doch kreativ manipuliert

Canalettos Bilder wirken fast, als habe er sie fotografiert. Seine Werkzeuge sind im 18. Jahrhundert jedoch nicht der Fotoapparat, sondern Pinsel und Farbe. Dennoch bedient sich der malende Chronist modernster Technik seiner Zeit: Er nutzt eine kleine, transportable Camera Obscura, um die Szenerie einzufangen. Ähnlich wie bei einer Lochkamera wird dabei ein Bild auf die Rückseite eines dunklen Kastens gespiegelt.

Noch vor Ort fertigt Canaletto schnelle Skizzen davon an. Mit Lineal, äußerst präzise und sorgfältig verarbeitet er sie später zu Zeichnungen. Er zieht darüber ein Liniengitter, um anschließend Quadrat für Quadrat vergrößert auf die Leinwand zu übertragen. Viele dieser Skizzen und Zeichnungen sind auch im Hirmer-Katalog zu sehen.

Doch Canaletto malt nicht nur wirklichkeitsgetreue und detaillierte Momentaufnahmen, sondern führt auch Regie. So nimmt er sich in seinen Werken immer wieder künstlerische Freiheiten und lässt seiner Fantasie freien Lauf. In seinen Ansichten von Dresden zum Beispiel malt er Gebäude in fertigem Zustand, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch im Bau sind. Dennoch gibt er das Panorama des Zentrums exakt wieder und leistet damit einen wichtigen Beitrag für den Wiederaufbau der Elbstadt nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs.

Ausstellung und Katalog auf den Spuren Canalettos

In München zeigt die Alte Pinakothek in der Ausstellung „Canaletto – Bernardo Bellotto malt Europa“ die Werke des venezianischen Meisters mit zahlreichen internationalen Leihgaben. Auch der dazugehörige Katalog des Hirmer Verlags wandelt auf den Spuren Canalettos zu Zeiten der Aufklärung. Skizzen, Radierungen, Zeichnungen und Abbildungen seiner berühmten Gemälde zeigen die Schaffenskraft des venezianischen Malers und seinen fotografisch genauen Blick auf Städte, Landschaften und Leute im 18. Jahrhundert.

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