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Chaos und Trauer nach Taifun in China

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- Peking - Zertrümmerte Häuser, überflutete Straßen, Schiffswracks am Strand: Nach dem verheerendsten Taifun seit einem halben Jahrhundert an der Küste Ostchinas haben jetzt verzweifelte Menschen und Soldaten mit den Aufräumarbeiten begonnen.

Mehr als 20 000 Soldaten der Volksbefreiungsarmee wurden nach offiziellen Angaben mobilisiert. Drei Tage nachdem «Saomai» in den Provinzen Zhejiang und Fujian schwere Verwüstungen angerichtet hatte, meldeten die Behörden bis Sonntag aber erst 114 Tote. Im Chaos galten ferner 183 Menschen als vermisst. Angesichts der Zerstörungen erschien die genannte Opferzahl unvollständig. So meldete die schwer heimgesuchte Provinz Zhejiang nur die 81 Toten im Gebiet von Wenzhou. Tausende Menschen waren verletzt, zehntausende obdachlos.

Das Ausmaß der Zerstörungen durch den verheerenden Wirbelsturm, der Windgeschwindigkeiten bis zu 244 Kilometern in der Stunde erreichte, wurde erst langsam bekannt. Rund 50 000 Häuser wurden zerstört, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. «Fast das ganze Dorf wurde dem Erdboden gleich gemacht», sagte ein Bewohner des 300 Häuser zählenden Ortes Baisheng nahe der Stadt Fuding (Provinz Fujian), wo allein 1350 Verletzte gemeldet wurden. Im nahe gelegenen Shacheng am Meer verloren die Fischer mehr als 1000 Boote, berichtete Xinhua. Die Hälfte der 8000 Familien der Gemeinde hatte kein Dach mehr über dem Kopf. Schiffswracks wurden an den Strand gespült.

Verzweifelte Menschen standen vor eingestürzten Häusern, räumten Trümmer weg. Erdrutsche hatten durch die heftigen Regenfälle Wohnhäuser begraben. Straßen waren überflutet. Autos standen bis zum Dach im Wasser. Entwurzelte Bäume blockierten Verkehrswege. «Es ist der stärkste Taifun gewesen, den ich jemals erlebt habe», zitierte die «Shanghai Daily» einen Funktionär in Fuding. «Saomai» war zuerst sogar als Supertaifun eingestuft worden und in der Stärke noch mit Wirbelsturm «Katrina» in New Orleans vergleichbar, als er auf Chinas Küste getroffen war. «Der Wind war so stark, dass ganze Fenster in die Zimmer gedrückt wurden», schilderte ein Beamter. Die Ernte auf zehntausenden Hektar Fläche und mehrere Wasserreservoirs wurden zerstört, berichtete Xinhua.

Während viele Familien um ihre Toten trauerten und in den Trümmern nach ihrem Hab und Gut suchten, hatte der Taifun an Kraft verloren und wurde zu einem tropischen Sturm herabgestuft. Die kommunistische Propaganda zeigte die Soldaten unermüdlich bei den Aufräumarbeiten. Schon mit Evakuierungen im Vorfeld des Sturms, bei denen angeblich 1,5 Millionen Menschen in Sicherheit gebracht worden sein sollen, hatten die Behörden demonstrieren wollen, dass sie alles zum Schutz der Menschen tun. Doch wurden viele auch einfach nur aufgefordert, mit eigenen Mitteln das Gefahrengebiet zu verlassen oder in festen Häusern bei Nachbarn oder Verwandten Schutz zu suchen.

Die Zahl der amtlich bestätigten Toten erschien auch im Vergleich zu Taifun «Bilis» ungewöhnlich gering. Er hatte im Juli mehr als 600 Menschen in den Tod gerissen. Um die staatlichen Bemühungen hervorzuheben, berichtete Xinhua, dass die Provinzregierung von Zhejiang erstmals sogar Psychologen entsandt habe, um den Menschen durch Beratung zu helfen. Drei separate Gruppen seien in besonders schwer betroffene Dörfer bei Cangnan geschickt worden, wo mehr als 5000 Häuser zerstört worden sind. Hier kamen in einem Haus allein 43 Menschen ums Leben, darunter acht Kinder. Sie hatten Zuflucht in dem Betongebäude gesucht, das dann aber durch die Wucht des Taifuns über ihnen eingestürzt war.

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