Ausnahmezustand hält an

Charlotte: "Free Hugs Guy" sorgt für bewegenden Moment

Charlotte - In den USA sorgt der Friedensaktivist Ken E. Nwadike Jr. mit seinen "Free Hugs"-Videos immer wieder für Aufsehen - nun war der Hobby-Umarmer auf den gefährlichen Straßen Charlottes unterwegs.

Nachdem Ken Nwadike 2013 nach 23 Sekunden aus dem "Boston Marathon" ausgeschieden war, entschloss sich der Amerikaner zu einem ungewöhnlichen Schritt: Ausgestattet mit einer Kamera und einem "Free Hugs" T-Shirt, versuchte er den übrigen Läufern eine moralische Unterstützung zu sein und bot ihnen kostenlose Umarmungen an, um sie für die restliche Strecke zu motivieren. Eine simple Handlung mit erstaunlichen Auswirkungen - denn Nwadikes dazugehöriges Youtube-Video ging innerhalb kürzester Zeit viral. "Die Umarmungen haben die Läufer zum Lächeln gebracht und ihnen nochmal den letzten Kick gegeben.", erklärte er.

#MakeAmericaLOVEAgain

Der "Free Hugs Guy" war mit einem einfachen Akt der Nächstenliebe zum amerikanischen Friedensengel avanciert - und auch das von ihm ins Leben gerufene "Free Hugs Project" wurde schon bald zum Selbstläufer: Der Aktivist produzierte in dessen Zuge etliche weitere Umarm-Videos, die mehrere Millionen Male geklickt wurden.

Auch heute liegen "Free Hugs" und die damit verbundene Nächstenliebe noch immer voll im Trend. Mit dem Hashtag #MakeAmericanLOVEAgainversucht Nwadike, auch auf sozialen Netzwerken auf seine Liebesbotschaft aufmerksam zu machen.

Um dem noch mehr Nachdruck zu verleihen, wagte er sich in der Nacht zum 23. September in die Stadt, die von einer friedlichen Atmosphäre derzeit am weitesten entfernt zu sein scheint: In Charlotte herrscht seit dem Mord an einem Schwarzen Ausnahmezustand. Bürgermeisterin Roberts hatte kürzlich eine Ausgangssperre verhängt, der sich einige Teilnehmer einer Protestaktion allerdings wiedersetzten hatten. Nwadike traute sich in das Gewühl aus wütenden Demonstranten und Sicherheitsbeamten und konnte einige Anwesende offenbar tatsächlich davon überzeugen, dass Vergebung und daraus resultierende Annäherung der einzige Weg in Richtung Besserung sind:

Nächstenliebe als Allheilmittel

"Letzte Nacht war es sehr riskant und schwierig, an vorderster Front für den Frieden zu kämpfen. Mit einigen Leuten verlor ich die Geduld, doch zu manchen bin ich durchgedrungen und konnte sie davor bewahren, verhaftet zu werden. Leider ist einem jungen Mann während den Protesten in den Kopf geschossen worden, mein Beileid an die Familie. Hass und Gewalt können all den Schaden, der angerichtet wurde, nicht vergessen machen, nur die Liebe kann das.", kommentierte Nwadike das Facebook-Video einige Stunden nach Veröffentlichung. Der angeschossene Mann, von dem Nwadike berichtet, erlag in der Nacht zum 23. September seinen Verletzungen. Von weiteren Verletzten oder Todesopfern ist nichts bekannt. 

Die Aufnahmen zeigen, wie Nwadike für einen der bewegendsten Momente dieser langen Protestnacht sorgte: Er ging auf einen schwer bewaffneten Polizisten zu und umarmte ihn - und dieser ließ es bereitwillig geschehen. Leider wird es abseits der "Free Hugs"-Realität wohl noch eine Weile dauern, bis sich Polizisten und Schwarze in Amerika auf diese Weise begegnen.

sl

Rubriklistenbild: © Facebook (Screenshot)

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