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Blumen, Plüschtiere und Kerzen stehen am 19.11.2013 am Tatort des Tötungsverbrechens an der 14-jährigen Alyssa in Eichwalde (Brandenburg) bei Berlin.

78 Messerstiche

Chat-Freundin Alyssa (14) brutal getötet - Lange Haft

Cottbus - Eine 14-Jährige wird nahe Berlin mit Dutzenden Messerstichen umgebracht. Ihr Chat-Freund wollte nicht wahrhaben, dass sie ihm eine Abfuhr gegeben hatte.

Als Alyssa im November 2013 mittags von der Schule nach Hause geht, passiert das Unfassbare: 78 Mal sticht ein junger Mann mit einem Messer auf die 14-Jährige ein. Sie verblutet auf offener Straße. Ein Schulkamerad muss den brutalen Angriff mit ansehen. Der Täter war für die Schülerin aus Eichwalde (Brandenburg) kein Unbekannter. Monate davor hatten sie sich über das Internet kennengelernt. Der damals 20-Jährige wollte mehr, Alyssa aber nicht. Als sie ihm klarmachte, dass es mit einer Liebesbeziehung nichts werden würde, plante er die Bluttat.

Davon sind die Richter am Cottbuser Landgericht überzeugt. Wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilen sie den Angeklagten am Donnerstag zu dreizehneinhalb Jahren Haft. Der aus Lohmar in Nordrhein-Westfalen stammende Mann war zum Tatzeitpunkt Heranwachsender, das Gericht wendete deshalb Jugendstrafrecht an. Das verhängte Strafmaß liegt in der Nähe der Höchststrafe von 15 Jahren. Der Angeklagte gab die Tat im Prozess zu, indem er über seinen Anwalt die Eltern der Getöteten um Entschuldigung bat. Das berücksichtigte das Gericht im Urteil.

Der Vorsitzende Richter, der schon Jahrzehnte am Landgericht tätig ist, sagt mit ruhiger und zugleich betroffener Stimme, dass er eine solch „grausige Tat“ in seinem gesamten Richterleben noch nicht erlebt habe.

Der heute 21 Jahre alte Angeklagte nimmt das Urteil regungslos auf. Er verhält sich so, wie er es im Prozessverlauf immer tat: Er blickt nach unten oder schreibt akribisch.

Die Richter folgen der Einschätzung eines Sachverständigen, der dem jungen Mann eine Persönlichkeitsstörung attestierte. „Er konnte es nicht ertragen, dass jemand mit ihm Schluss macht“, sagt der Richter. Die Tat sei nicht im Affekt passiert, sondern sei auf die narzisstische Persönlichkeitsstruktur zurückzuführen. So schwer, dass sie sich auf das Urteil schuldmindernd auswirken könnte, sei sie aber nicht, stellt der Richter klar.

Die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe sieht das Gericht als erfüllt. Tage vor der Tat war der damals 20-Jährige zu Besuch bei Alyssa. Er übernachtete sogar in ihrem Elternhaus. Vater und Mutter sagten im Prozess aus, dass ihre Tochter sich zunehmend bedrängt gefühlt habe, aber gutmütig gewesen sei. Schließlich sei es dann doch zu einem klärenden Gespräch zwischen den beiden gekommen.

Als Alyssa an ihrem Todestag morgens in die Schule fährt, geht sie davon aus, dass der Chat-Bekannte wieder auf dem Weg in Richtung Köln ist. Der Richter betont, dass er sie bewusst in diesem Glauben ließ. Tatsächlich lauerte er ihr aber in einem Wäldchen auf.

Zunächst kam es nach Ansicht des Gerichts zu einem Streit. Danach habe sich Alyssa zum Gehen umgedreht. „Für sie war die Angelegenheit erledigt“, sagt der Richter. Für den Täter nicht. Mit einer Bierflasche schlägt er ihr mehrmals auf den Kopf. Dann zieht er das Messer. Der Schulkamerad von Alyssa will eingreifen und wird vom Täter an der Hand verletzt.

dpa

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