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Düstere Vorzeichen für Olympia: Chinas Corona-Impfstoffe wirken kaum gegen Omikron 

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Von: Markus Hofstetter

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Noch kommt China gut durch die Corona-Pandemie. Doch Omikron könnte das ändern, die chinesischen Impfstoffe sind gegen die Variante fast nutzlos.  

Peking - China verfolgt eine konsequente Null-Covid-Politik. Schon auf kleinste, lokale Coronavirus-Ausbrüche antworten die Behörden mit Ausgangssperren, Massentests, Kontaktverfolgung und Quarantäne. Damit sieht sich das Land laut der Staatszeitung Global Times als eine „uneinnehmbare Festung“ gegen das Coronavirus, auch gegen die Omikron-Variante.

Diese Politik scheint zu wirken. Am Montag (27. Dezember) meldeten die Behörden in China 162 neue Infektionen. Das ist im Vergleich zu westlichen Staaten wenig, aber zugleich die höchste Zahl neuer lokaler Corona-Fälle in diesem Jahr. Offiziell wurden allerdings keine Infektionen mit der Omikron-Variante verzeichnet.

Chinas Corona-Impfstoffe wirken kaum gegen Omikron: bei den Olympischen Winterspielen greifen rigorose Maßnahmen

Abgesehen von derartigen Zwischenfällen haben sich das tägliche Leben und die Wirtschaft in China weitgehend normalisiert. Damit kann sich das Land weiter auf eine der bedeutendsten sportlichen Veranstaltungen des kommenden Jahres vorbereiten. In Peking sollen Anfang Februar die Olympischen Winterspiele beginnen. 

Damit die Spiele ungestört über die Bühne gehen können, gelten rigorose Maßnahmen. Es dürfen keine ausländischen Zuschauer einreisen, alle ungeimpften Olympia-Athleten müssen nach der Ankunft in Peking für 21 Tage in Quarantäne. Athleten, Offizielle, Journalisten und Helfer müssen sich zudem während der Spiele im Februar täglich testen lassen, ob nun geimpft oder nicht.

Chinas Corona-Impfstoffe wirken kaum gegen Omikron: Bevölkerung schlecht gerüstet

Dennoch sehen Experten schwarz für die Olympischen Winterspiele 2022, es könnte der Beginn für eine chinesische Omikron-Welle sein. „Das lässt sich nicht verhindern“, sagt der Frankfurter Virologe Martin Stürmer Spiegel Online. Omikron werde auf diesem Weg nach China kommen und sich ausbreiten. Ähnlich sieht es Leif Erik Sander, Infektiologe an der Berliner Charité: „Alle Veranstaltungen mit vielen Menschen haben angesichts von Omikron ein Riesenpotenzial, die Ausbreitung zu befeuern.“

Coronavirus Impfung in China
Die in China verabreichten Impfstoffe von einheimischen Herstellern zeigen kaum Wirkung gegen die Omikron-Variante (Archivfoto) © Ren Chao/dpa/picture alliance

Die chinesische Bevölkerung sehen Stürmer und Sander für eine Omikron-Welle schlecht gerüstet. Denn eine hohe Impfquote hilft nicht, wenn der Impfstoff unwirksam ist. „Die chinesischen Impfstoffe helfen schon nicht besonders gut gegen die Delta-Variante“, sagt Sander Spiegel Online. Für Omikron gelte das wahrscheinlich erst recht.

Chinas Corona-Impfstoffe wirken kaum gegen Omikron: keine ausreichende Zahl von Antikörpern entwickelt

Erste Untersuchungen bestätigen das. Studien von Forschern der Universität Hongkong zeigen, dass die Impfstoffe der Firmen Sinovac und Sinopharm, die in China verwendet werden, kaum gegen die Omikron-Variante wirken. Für die Untersuchung wurde der Impfstoff von Biontech mit dem Impfstoff Coronavac von Sinovac verglichen. Es zeigte sich, dass Menschen, die zwei Mal mit Coronavac geimpft worden sind und einen Booster mit Coronavac erhalten haben, keine ausreichende Zahl an Antikörpern gegen Omikron entwickelten.  

Anders war es bei denen, die mit Biontech geboostert wurden. Egal ob diese als Erst- und Zweitimpfung Coronavac erhalten hatten, zusammen mit dem mRNA-Booster waren deren Antikörper auf einem ausreichenden Level.

Chinas Corona-Impfstoffe wirken kaum gegen Omikron: Totimpfstoffe wirken nicht

Der Grund ist offenbar, dass die chinesischen Corona-Vakzine sogenannte Totimpfstoffe sind, die aus unschädlich gemachten Sars-CoV-2-Viren hergestellt werden. Als Reaktion auf die Impfung bildet das Immunsystem eines Geimpften Antikörper gegen die Virusproteine. Biontech ist ein mRNA-Vakzin, das den Bauplan für das sogenannte Spike-Protein des Coronavirus in den Körper einschleust. Daraufhin produzieren die menschlichen Abwehrzellen Antikörper gegen dieses Spike-Protein.

Zudem, erläutert Wissenschaftler Sander gegenüber Spiegel Online, aktivieren mRNA-Impfstoffe auch das schneller arbeitende angeborene Immunsystem. Dieses sei weniger anfällig für Mutationen und wirke länger gegen Corona als die von Antikörpern vermittelte Immunität. Das sei wohl mit ein Grund dafür, dass mit mRNA-Vakzin geimpfte Menschen auch bei sinkenden Antikörpertitern noch gegen schwere Krankheitsverläufe gefeit sind.

Chinas Corona-Impfstoffe wirken kaum gegen Omikron: auch viele andere Länder betroffen 

Wie kann China nun reagieren und sicherstellen, dass die Olympischen Winterspiele keine Corona-Spiele werden? Ein Booster mit einem bestehenden, chinesischen Totimpfstoff hat kaum einen Effekt. „Einen an Omikron angepassten Totimpfstoff zu entwickeln, wird nicht rechtzeitig gelingen“, sagt Stürmer dem Hamburger Nachrichtenmagazin. Übrig bliebe ein Booster mit einem mRNA-Impfstoff.

Das Problem betrifft nicht nur China. Impfstoffe von Sinopharm oder Sinovac wurden in vielen anderen Ländern verabreicht. Darunter sind Ungarn, Brasilien, Indonesien, die Türkei, Sierra Leone oder Äquatorial-Guinea.

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