China: Schlimmste Winterstürme seit 50 Jahren

Peking - Schneechaos in China: Ausgerechnet zum Neujahrsfest versinken weite Teile des Landes in Schnee und Eis. Am dem traditionellen Familientag reisen Chinesen gerne zu ihren Familien. Jetzt sitzen viele Resende fest.

Wie die Behörden dort am Mittwoch mitteilten, versuchten Freiwillige und Soldaten, die verschneiten Gleise und Straßen freizuschaufeln. Das Schneechaos kommt ausgerechnet zur stärksten Reisezeit vor dem traditionellen Neujahr, Chinas wichtigstem Familienfest. Nach Angaben der Behörden sind 78 Millionen Menschen in 14 Provinzen Süd-, Zentral- und Ostchinas von dem Unwetter betroffen. Allein in der Stadt Guangzhou im Süden saßen an die 800000 Reisende fest. Die Volksrepublik schickte 500 000 Soldaten und eine Million Polizisten in den Einsatz. Die Truppen sollen die Stromversorgung wieder in Gang bringen und die Transportwege nach dem extremen Wintereinbruch frei machen. Die schlimmsten Schneefälle seit 50 Jahren hatten weite Teile des Landes lahmgelegt, gestand die Regierung am Dienstag ein.

Nach ihren Angaben wurden 126 Millionen Yuan (11,9 Millionen Euro) zur Unterstützung der betroffenen Regionen bereitgestellt. Am Hauptbahnhof in Guangzhou, wo etwa 416 000 Passagiere auf die Weiterfahrt warteten, sprach Premierminister Wen Jiabao zu den Gestrandeten, wie die Zeitung "Guangzhou Ribao" berichtete.

Weitere Menschen harrten an anderen Bahnhöfen oder im zentralen Busbahnhof der Stadt aus. Guangzhou ist Knotenpunkt für die Hauptverkehrsadern des südlichen Chinas. Das Schneechaos führte zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise. Mehrere Fabriken, darunter ein Auto-Werk in Wuhu (Provinz Anhui), stellten wegen des schlechten Wetters ihre Produktion ein.

Mindestens 49 Menschen kamen in den vergangenen drei Wochen in Häusern ums Leben, die unter der Last des Schnees zusammengebrochen waren, oder starben bei Unfällen auf den eisglatten Straßen. Hunderttausende sitzen seit Tagen bei schneidender Kälte in größeren Städten fest, weil Bahn- und Flugverkehr wegen der heftigen Schneefälle eingestellt werden mussten und es auch auf den Straßen kein Fortkommen mehr gab. Für viele Chinesen dürfte es schwierig werden, in ihre Heimatstädte zu reisen und dort mit ihren Familien am 7. Februar das "Jahr der Ratte" einzuläuten.

Meteorologen sagten für diese Woche noch mehr Schneestürme in der Mitte und im östlichen China vorher. Das Politbüro der Kommunistischen Partei forderte am Dienstag die örtlichen Behörden auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die "gewaltige Aufgabe" der Katastrophenhilfe zu bewältigen. "Die wichtigste Aufgabe ist es im Augenblick, die Stromversorgung, die Kommunikation und den Transport wieder in Gang zu bringen", hieß es in einer von den staatlichen Medien veröffentlichten Erklärung des Politbüros. Vorangegangen war ein Notstandstreffen bei Staatspräsident Hu Jintao.

Die örtlichen Behörden wurden angewiesen, mehr Kohle an die Kraftwerke zu liefern. "Die Interessen des Volkes sollten an erster Stelle stehen", zitierte die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua aus der Erklärung. Das Gesundheitsministerium teilte am Mittwoch mit, dass 14 000 Ärzteteams in die betroffenen Regionen geschickt worden seien. Außerdem sollten 3,45 Millionen Flugblätter verteilt werden mit Ratschlägen, wie die Menschen Krankheiten vorbeugen und sich am besten warm halten könnten.

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