Die Sonne geht am Sommerpalast am Rande von Peking (China) unter
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Der Sommerpalast am Rande von Peking

Das faszinierende Reich der Mitte

China: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

China blickt auf eine lange Geschichte zurück, in der sich eine einzigartige Zivilisation entwickelte. Nach langer Zeit der Abschottung erlebt die moderne Volksrepublik heute ein rasantes Wirtschaftswachstum und eine Modernisierung in Rekordzeit.

  • Die moderne Volksrepublik China wurde am 1. Oktober 1949 gegründet.
  • China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde.
  • Geführt wird der Staat seit der Gründung von der Kommunistischen Partei.

Peking – Seit Beginn des neuen Jahrtausends hat China ein weltweit beispielloses Wirtschaftswachstum und eine Modernisierung im Rekordtempo erlebt. Vielen Chinesen gelang dadurch der Aufstieg aus der Armut in die Mittelschicht, doch die repressive Politik der Kommunistischen Partei führt vor allem im Ausland immer wieder zu Kritik.

China: Die Geschichte des Kaiserreiches

China gehört zu den ältesten Kulturen der Welt. Schon im 5. Jahrhundert v. Chr. verbreitete Konfuzius seine Lehre, die bis heute die Grundlage des chinesischen Denkens bildet.

Die Zeitrechnung des chinesischen Kaiserreiches beginnt mit der Qin-Dynastie. Qin Shihuangdi ließ sich 221 v. Chr. zum ersten „Gottkaiser vom China“ krönen und führte zahlreiche Reformen durch. Er ließ die Schrift vereinheitlichen und die Chinesische Mauer zum Schutz vor Feinden aus dem Norden errichten. Zu seinen Grabbeigaben gehört die berühmte Terrakottaarmee mit rund 8.000 lebensgroßen Kriegern, die heute die größte Touristenattraktion von Xi‘an darstellt, der Hauptstadt der Qin-Dynastie.

Ihr folgte die Han-Dynastie, die zahlreiche Gebiete eroberte und Handelsbeziehung zum Römischen Reich unterhielt. Nach ihr wird das chinesische Volk auch als Han-Chinesen bezeichnet. Nach dem Tod des letzten Han-Kaisers zerfiel sein Reich in drei Teile.

China im Mittelalter

Im Mittelalter war China dem Westen in der Entwicklung weit voraus. Lange vor den Europäern erfanden die Chinesen Dinge wie Papier, Porzellan, den Buchdruck und das Schwarzpulver. Im frühen 13. Jahrhundert begann der mongolische Herrscher Dschingis Khan Feldzüge gegen seine Nachbarn und begründete ein Reich, das sich vom Pazifik bis ans Mittelmeer ausdehnte. Sein Enkel Kublai Khan ernannte sich 1271 zum Kaiser von China und begründete die Yuan-Dynastie. Er machte Peking unter dem Namen Dadu zu seinem Sitz. Einer seiner berühmtesten Gäste war der Venezianer Marco Polo, der als erster Europäer die Seidenstraße bereiste und chinesische Güter erstmals in Europa einführte.

Der Yuan-Dynastie folgte 1368 die Ming-Dynastie, die zu einem großen Aufschwung führte. Kaiser Yongle ließ sich in Nanjing (wörtlich: Südliche Hauptstadt) nieder und baute Kublai Khans Dadu unter dem Namen Beijing (Nördliche Hauptstadt) komplett auf. So entstanden zu seiner Zeit der Himmelstempel und die Verbotene Stadt als neuer Kaiserpalast.

Die Qing, die aus der nördlichen Mandschurei einfielen, lösten die Ming schließlich ab und wurden zur letzten kaiserlichen Dynastie der chinesischen Geschichte.

China und die Europäer

Unter den Qing erlebte China zunächst eine weitere Blüte, doch ab dem 19. Jahrhundert kam es zu Spannungen mit europäischen Nationen. Insbesondere die britische East India Company hatte durch den Import von chinesischem Tee ein hohes Handelsdefizit aufgehäuft. Zum Ausgleich brachten sie massenhaft Opium aus ihrer indischen Kronkolonie nach China, das Millionen Chinesen süchtig machte. Zwei sogenannte Opiumkriege folgten, die beide Male in einer schmerzhaften Niederlage für China endeten. 1842 musste der Kaiser Hongkong als Kolonie an Großbritannien abtreten und weitere Häfen für den internationalen Handel öffnen. Weitere Kriege und interne Aufstände folgten, bis das zweitausendjährige Kaiserreich 1911 endgültig Geschichte war.

China im 20. Jahrhundert

Sun Yat-sen rief zwar am 1. Januar 1912 die Republik China aus, konnte sie jedoch nicht etablieren. Diverse Rivalitäten im Kampf um die Macht mündeten 1927 im Chinesischen Bürgerkrieg, der nur während der japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg pausierte. Nach der Niederlage der Japaner setzte sich der Konflikt fort. Auf der einen Seite stand die von Chiang Kai-shek geführte nationalistische Partei Kuomintang, die die von Sun Yat-sen gegründete Republik einführen wollte, auf der anderen Seite standen die Kommunisten unter Mao Zedong. Nach dem kommunistischen Sieg 1949 flohen die Nationalisten auf die Insel Taiwan und gründeten dort die unabhängige Republik China. Auf dem Festland entstand die kommunistische Volksrepublik China, die mit ihrer Ein-China-Politik bis heute Anspruch auf Taiwan erhebt.

Mao Zedong führte in der Volksrepublik eine sogenannte demokratische Diktatur ein, die jedoch schon bald in Repressionen mündete. Von 1958 bis 1961 sah die kommunistische Regierung den „Großen Sprung nach Vorn“ zur Mobilisierung der Volksmassen vor. Aus dem Sprung wurde durch Missmanagement eine große Hungersnot, die bis zu 45 Millionen Chinesen das Leben kostete. Trotz des Fehlschlags setzte Mao seine Politik 1966 unbeirrt mit der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“ fort. Kurioserweise kam es trotzdem zur Annäherung an die kapitalistischen USA: In der Sowjetunion hatte man einen gemeinsamen Feind entdeckt.

China heute: Der Wandel zur Wirtschaftsmacht

Mit Maos Tod 1976 endete die Kulturrevolution. Unter seinem Nachfolger Deng Xiaoping begann der Staat ab 1977 mit vorsichtigen Reformen hin zur sozialistischen Marktwirtschaft. Der eigentliche Wirtschaftsboom begann 1984 mit der Öffnung der Küstenstädte Shanghai, Guangzhou und Tianjin für den internationalen Handel. 2001 trat China der Welthandelsorganisation (WTO) bei und wurde aufgrund der niedrigen Produktionskosten zur „Werkbank der Welt“.

Im Außenhandel verfolgt China eine aggressive Politik, die die eigene Position weltweit stärken soll. 2013 verkündete Staatspräsident Xi Jinping das Projekt „One Belt One Road“, das unter anderem eine neue Seidenstraße auf Schienen vorsah. Seit 2011 können Züge durchgängig 11.000 Kilometer über Land von Duisburg nach Chongqing fahren.

China: Politik der Kommunistischen Partei

Die Volksrepublik China wird nach wie vor zentral von der Kommunistischen Partei (KP) regiert. Ihr Generalsekretär Xi Jinping ist zugleich Staatspräsident des Landes. Eine Begrenzung der Amtszeit auf zwei Wahlperioden wurde 2018 aufgehoben, sodass Xi Jinping bis zu seinem Lebensende regieren kann. Er steht dem Nationalen Volkskongress vor, dessen 3.000 Mitglieder einmal im Jahr zusammentreffen.

Noch immer prangern internationale Organisationen Menschenrechtsverletzungen in China und mangelnde Pressefreiheit an. Zahlreiche westliche Internetportale sind in China komplett verboten oder werden vom Staat streng zensiert.

China: Bevölkerung und Sprache

China ist das bevölkerungsreichste Land der Welt und hat etwa 1,4 Milliarden Einwohner. Aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums ab 1949 führte der Staat ab 1979 eine rigide Ein-Kind-Politik ein, die jedem Ehepaar nur ein Kind erlaubte. Mittlerweile wurde die Politik aufgrund der Überalterung der Gesellschaft etwas gelockert: Eltern dürfen wieder zwei Kinder haben.

Die chinesische Bevölkerung setzt sich aus 56 offiziell anerkannten Ethnien zusammen. Die wichtigsten im Überblick (Stand 2010):

RangEthnieAnzahlAnteil an der Bevölkerung in Prozent
1Han1.220.844.52091,60
2Zhuang111.966.3498,4
3Hui16.926.3811,27
4Mandschu10.586.0870,79
5Uiguren10.387.9850,78

Insgesamt gibt es im Vielvölkerstaat China 297 Sprachen und Dialekte. Die wichtigste Sprache ist Mandarin, die von 900 Millionen Chinesen als Muttersprache gesprochen wird und einzige Amtssprache von China ist. Weitere bedeutende Sprachen sind Wu, die Sprache der Küstenregion um Schanghai und Hangzhou, und Yue (Kantonesisch), die Sprache des Südens um Hongkong und Guangzhou.

China: Geografie und Städte

Als viertgrößter Staat der Welt verfügt China über eine abwechslungsreiche Geografie. Im Norden dominieren karge Steppen, im Westen ragen die Gipfel des Himalaja auf und im äußersten Süden ist das Klima schon tropisch. Der höchste Berg des Landes ist zugleich der höchste der Welt: Der 8.844 Meter hohe Mount Everest (Qomolangma auf Chinesisch) liegt auf der Grenze zu Nepal. Der Jangtse ist der drittlängste Fluss der Welt und durchzieht China auf 6.300 Kilometern Länge von Westen nach Osten.

Die größten Städte von China im Überblick (Stand 2010):

RangNameEinwohnerzahl
1Schanghai20.217.748
2Peking16.446.857
3Guangzhou10.641.408
4Shenzhen10.358.381
5Tianjin9.290.263

Guangzhou, Shenzhen und Hongkong im Delta des Perl-Flusses bilden mit anderen Städten eine Megalopolis mit über 60 Millionen Einwohnern. Die Region gilt als wirtschaftliches Herz von China.

Ausländische Touristen besuchen vor allem die Hauptstadt Peking (Beijing) mit einzigartigen Attraktionen wie der Verbotenen Stadt und der nahen Chinesischen Mauer und die weltoffene Hafenstadt Schanghai.

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