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Als dritte Nation der Erde will China eine Mondlandung unternehmen.

Raumfahrt

China will am Samstag auf dem Mond landen

Peking - Es ist das bislang größte unbemannte Raumfahrtabenteuer Chinas. An diesem Samstag soll erstmals ein chinesisches Raumschiff auf dem Mond landen. Offiziell wird der Zeitpunkt noch geheim gehalten.

Die Nervosität vor der ersten Mondlandung Chinas steigt spürbar. Dass im Weltall nicht immer alles glatt läuft, hat erst am Montag der missglückte Start eines Erdbeobachtungssatelliten gezeigt. Zum ersten Mal seit 1999 versagte eine chinesische Rakete vom Typ „Langer Marsch 4B“ den Dienst. Der gemeinsam mit Brasilien entwickelte Satellit stürzte zur Erde zurück. Das Unglück machte weltweit wenig Schlagzeilen - aber ein ähnliches Raketenversagen bei der Mondlandung am Samstag wäre ein peinlicher Rückschlag für das erfolgsverwöhnte, ehrgeizige Raumfahrtprogramm Chinas.

„Die Erkundung des Weltraums ist ein riskantes Unterfangen“, warnt denn auch die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. „Trotz der schnellen Fortschritte bei den Mondflügen ist China noch ein Neuling auf diesem Gebiet.“ Die kommunistische Propaganda preist die Raumfahrt als „Quelle nationalen Stolzes“ und „einen Teil des Traumes, China stärker zu machen“. Es geht um den „chinesischen Traum der nationalen Wiederbelebung“, den der neue Staats- und Parteichef Xi Jinping dem Milliardenvolk verspricht.

Zehn Jahre nach seinem ersten bemannten Raumflug 2003 wäre China mit einer erfolgreichen Mondlandung erst die dritte Nation der Erde, die so etwas kann - nach den USA und der Sowjetunion. „China fliegt für die wissenschaftliche Forschung, das nationale Prestige und die technologische Entwicklung zum Mond“, sagt der australische Raumfahrtexperte Morris Jones.

Es ist schon 44 Jahre her, dass die USA mit Neil Armstrong 1969 erstmals einen Astronauten auf den Mond geschickt haben. Das damalige Interesse am Mond erklärte sich vor allem durch den Wettlauf im All, den sich die USA und die Sowjetunion während des Kalten Krieges lieferten. „Als die USA auf dem Mond gelandet waren, war die Sache klar: Der Westen hatte gewonnen“, sagt der Raumfahrtexperte Dean Cheng von der Heritage Foundation in Washington.

„Heute gibt es ein neues Interesse: Es geht um die Demonstration der allgemeinen technologischen Leistungsfähigkeit“, sagt Cheng. So versuche jetzt nicht nur China, sondern auch Indien und Japan, der Welt zu zeigen, dass sie aus eigener Kraft zum Mond fliegen können. „Aber sie könnten durchaus dortbleiben und ihr Interesse aufrechterhalten - anders als es die USA und die Sowjetunion getan haben“, so Cheng. Das würden sich viele Wissenschaftler wünschen.

Kein Zweifel: Indem China sein „Jadehase“ (Yutu) genanntes Mondfahrzeug in der „Bucht der Regenbogen“ kurven lässt, beginnt eine neue Phase in der Erkundung des Erdtrabanten. Das neu geweckte Interesse am Mond zeigt sich schon seit fünf, sechs Jahren, wie Experten schildern. Selbst Russland denke an eine bemannte Mondlandung. Die USA haben seit 2008 drei Sonden auf den Weg gebracht und studieren das Gravitationsfeld des Mondes.

„Die Erkundung des Mondes diente während des Kalten Krieges vor allem der Politik, nicht der Wissenschaft“, sagt Professor Jiao Weixin von der Peking Universität. „Aber jetzt zielt es ziemlich deutlich auf die Wissenschaft.“ Für China spiele aber auch das Prestige bei der Mondlandung eine nicht unwesentliche Rolle. „Es ist ein Symbol der nationalen Stärke“, sagt der Professor. Wenn „Chang'e 3“ sicher und präzise auf dem Mond lande, werde das chinesische Volk ermutigt. „Die Menschen werden mehr Zuversicht in ihre Nation haben.“

Auch die Raumfahrtexpertin Joan Johnson-Freese vom US Naval War College in den USA sieht die Politik als wichtige Triebkraft hinter dem Aufbruch zum Mond: „Diese Erfolge im All sind für Chinas Ein-Parteien-Herrscher wichtig, um in solchen Zeiten, wo China sehr nationalistisch ist, Unterstützung durch das Volk zu sammeln.“

dpa

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