Cholera, Typhus, Dengue-Fieber

- München - Für einen würdevollen Abschied bleibt keine Zeit. Im Akkord heben Soldaten in Banda Aceh an der Nordspitze Sumatras Massengräber aus, um die Toten möglichst schnell unter die Erde zu bringen. Die Angst vor Epidemien in den Flutgebieten wächst. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchtet, dass Seuchen und Hungersnöte die Zahl der Opfer verdoppeln könnten.

Ohne sauberes Wasser steige innerhalb von Tagen die Seuchengefahr stark an, Millionen Menschen seien bedroht, befürchtet das UN-Kinderhilfswerk. Andere Experten warnen allerdings vor unseriösen Schätzungen. "Von einer Verdoppelung der Opferzahl sollte man so nicht sprechen", sagte Professor Thomas Löscher, Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München unserer Zeitung. Um Seuchen zu vermeiden, müssen sich die Anstrengungen auf das Trinkwasser konzentrieren. Die größte Gefahr gehe laut Löscher und anderen Experten aber weniger von den Leichen aus. "Fäkalien sind die Hauptursache für Verunreinigungen."

Kritischer beurteilt der Würzburger Tropenmediziner Bernd Köhler die Lage: "Die Leichen sollten so schnell wie möglich beseitigt werden." Zwar gehen von den Toten keine unmittelbaren Krankheitsgefahren durch Übertragung aus. Keime könnten aber von menschlichen Leichen ins Grundwasser gelangen und die Brunnen verseuchen. Löscher und andere halten diese Gefahr jedoch für minimal. Der Münchner Professor rechnet in den Katastrophengebieten vor allem mit Durchfallerkrankungen wie Cholera oder Typhus, auch Hepatitis-A könne sich jetzt ausbreiten. Die ohnehin schon schwierigen hygienischen Bedingungen hätten sich durch die Flutkatastrophe stark verschärft. Die Helfer vor Ort hätten aber gute Chancen, die Situation in den Griff zu bekommen und eine drohende Epidemie zu verhindern. "Die Aussichten sind ganz gut." Impfungen, wie sie jetzt in Indien angelaufen sind, seien allerdings nicht sehr zuverlässig. "Die Hygiene ist wichtiger", betont Löscher.

Zusätzlich dürften gerade in Notunterkünften, in denen Menschen auf sehr engem Raum leben, Atemwegserkrankungen häufiger auftreten. Längerfristig muss laut dem Krankheitsexperten auch mit Malaria oder Dengue-Fieber gerechnet werden. Für Löscher gehe die größte Gefahr aber von den Durchfallerkrankungen aus: "Gerade Kleinkinder sind davon härter betroffen."

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