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Ein neunjähriger Junge weint in einer sudanesischen Flüchtlingsunterkunft.

Clooneys Satellit zeigt Kriegsverbrechen in Abjei

Dschuba - Die umstrittene sudanesische Grenzregion Abjei ist nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation Schauplatz von Kriegsverbrechen gewesen.

Neue Satellitenaufnahmen zeigten, dass das nordsudanesische Militär rund ein Drittel aller öffentlichen Gebäude in Abjei niedergebrannt und unverhältnismäßige und willkürliche Gewalt gegen Zivilpersonen angewandt habe, teilte die von US-Schauspieler George Clooney gegründete Organisation Satellite Sentinel Project (SSP) am Sonntag in einer Stellungnahme mit.

“Die Gesamtheit der von Satelliten und von Quellen am Boden zusammengetragenen Beweise deuten auf staatlich unterstützte ethnische Säuberungen in weiten Teilen der umstrittenen Grenzregion Abjei hin“, hieß es weiter. SSP hat das Beweismaterial nach eigener Aussage dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) und dem UN-Sicherheitsrat zur Prüfung übergeben. “Wir haben nun unstrittige Beweise dafür, dass das Regime in Khartum in Abjei Kriegsverbrechen begeht. Wir können anhand von Bildern belegen, dass die sudanesischen Streitkräfte plündernd und brandschatzend durch Abjei ziehen“, erklärte Clooney.

Bis zu 35.000 Kinder vertrieben

Unterdessen erklärte das britische Büro der Hilfsorganisation Save the Children in einer Stellungnahme vom Sonntag, dass durch die neue Welle der Gewalt in der Region bis zu 35.000 Kinder vertrieben worden seien. Kinder, die seit Ausbruch der Kämpfe von ihren Familien getrennt worden seien, seien einer immensen Gefahr ausgeliefert, Opfer sexueller oder körperlicher Gewalt oder als Kindersoldaten in dem Konflikt missbraucht zu werden. Die Organisation äußerte sich außerdem “tief besorgt über jene Kinder, die derzeit von jeglicher humanitärer Hilfe abgeschnitten sind.“

Nordsudanesische Truppen marschierten am 21. Juli in Abjei ein und brachten den Ort gewaltsam in ihre Gewalt. Zuvor hatten die Truppen aus dem Norden Luftangriffe auf die Grenzregion geflogen, südsudanesische Truppen griffen Soldaten aus dem Norden an.

Die jüngste Eskalation des Streits um die fruchtbare und ölreiche Region Abjei gefährdet nur wenige Monate vor der Unabhängigkeit des Südens im Juli den Frieden in der Region. Der Südsudan wird sich am 9. Juli als eigenständiger Staat vom Norden abspalten. Die Entscheidung wurde im Januar in einem Referendum getroffen, das Teil eines Friedensabkommens aus dem Jahr 2005 ist. Es beendete damals den über zwei Jahrzehnte andauernden Bürgerkrieg, der mehr als zwei Millionen Menschen das Leben kostete. Über den Status von Abyei wurde bislang allerdings noch nicht entschieden.

dapd

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