Social-Media-App Clubhouse
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Die Social-Media-App Clubhouse mit dem Logo der Audio-Anwendung

Das soziale Netzwerk im Fokus

Clubhouse-App: So funktioniert die Debatten-Plattform

Clubhouse wurde 2020 veröffentlicht und gewann schnell eine Fangemeinde. In die App kommt man nur mit Einladung. Das Nutzererlebnis ist puristisch: Es werden ausschließlich Audiodateien hochgeladen.

Vancouver – Die App Clubhouse zählte Ende 2020 und damit knapp ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung rund 600.000 User. Das Prinzip beruht ausschließlich auf Audio-Inhalten. Bilder, Videos und Links, wie man sie von anderen sozialen Netzwerken kennt, fehlen. Stand April 2021 ist die Clubhouse-App nur für iOS-Smartphones verfügbar. Um in dem Netzwerk mitzumachen, ist eine Einladung notwendig.

Clubhouse: Gründung und Geschichte

Mit der App Clubhouse, einer Art Audio-Antwort auf Facebook, Instagram und Co., sollten Paul Davison und Rohan Seth einen regelrechten Hype auslösen. Davison ist Stanford-Absolvent und ehemaliger Mitarbeiter des sozialen Netzwerks Pinterest. Seth war für Google tätig. Das Duo gründete Anfang des Jahres 2020 das Softwareunternehmen Alpha Exploration Co. mit Sitz in Salt Lake City – und damit die Plattform Clubhouse.

Im Frühjahr 2020 war Clubhouse zum Download verfügbar. Ende Dezember zählte das dahinter stehende Unternehmen circa 600.000 Benutzer. Sie kamen insbesondere aus den USA.

Auf die App wurde zu diesem Zeitpunkt auch die kalifornische Wagniskapitalgesellschaft Andreessen Horowitz aufmerksam. Die rasant wachsenden Download- und Nutzerzahlen sorgten dafür, dass sie zwölf Millionen US-Dollar in Clubhouse investierten. In der Folge wurde sie mit einem Wert von 100 Millionen Dollar bewertet. Alpha Exploration selbst setzte einen Wert in Höhe von vier Milliarden Dollar an – ungeachtet der Tatsache, dass die Clubhouse-App sich Stand April 2021 nach wie vor im Beta-Stadium befindet und das Einladungssystem eine Überlastung verhindern soll. Zugleich erhöht die Exklusivität die Attraktivität des Netzwerks.

Clubhouse in Deutschland

In den USA war Clubhouse Ende 2019 bereits erfolgreich. In Deutschland hatte man zu diesem Zeitpunkt jedoch kaum etwas von dem neuen sozialen Netzwerk gehört. Das änderte sich kurze Zeit später.

Im Januar 2021 nahmen die Macher des Podcasts „Doppelgänger TechTalk“ das Thema Clubhouse in ihre Telegram-Gruppe auf. In dem Podcast diskutieren die Start-up- und Marketingberater Philipp Klöckner und Philipp Gloeckler über aktuelle Entwicklungen aus der Tech- und Internet-Branche. Bei Telegram riefen sie ihre Gruppenmitglieder dazu auf, sich gegenseitig zu Clubhouse einzuladen. Dadurch wurde auch eine Reihe von Influencern auf das neue Netzwerk aufmerksam, unter anderem Ann-Katrin Schmitz. Die Social-Media-Marketing-Spezialistin betreibt unter anderem einen Instagram-Account mit zahlreichen Followern. Mitte Januar 2021 informierte sie diese sowie ihre LinkedIn-Kontakte über Clubhouse. Die Botschaft erreichte insgesamt rund 140.000 Menschen.

Gloeckler und Klöckner sowie Ann-Katrin Schmitz trugen so dazu bei, dass Clubhouse am 19. Januar 2021 die App mit den meisten Downloads in Apples App Store war.

Clubhouse: Funktionen und Konzept der App

Clubhouse verzichtet auf praktisch alles, was andere soziale Netzwerke ausmacht. Statt auf Links, Likes, Kommentare und Co. setzt die App auf das reine Gespräch. Es gibt drei Arten von Anwendern:

  • Zuhörer
  • Sprecher
  • Moderatoren

Die Nutzer können Gesprächen lauschen und sich selbst beteiligen. Die Diskussionen finden thematisch sortiert in sogenannten Räumen statt. Diese werden von den Nutzern selbst gegründet. Über eine Kalenderfunktion lassen sich Gespräche ankündigen, um andere User zuhören zu lassen. Ein Moderator übernimmt die Zuweisung von Sprechern. Möchte man sich zu Wort melden, gibt man ihm ein „Handzeichen“ in Form eines Emojis. Der Moderator kann den Nutzer hörbar machen und ihn wieder stumm schalten.

Die weiteren Funktionen ähneln denen anderer Plattformen. Die Nutzer legen ein Profil an, können anderen folgen und den Clubs beitreten – Gruppen, die sich über ein bestimmtes Thema austauschen. Bei allen Talks handelt es sich um Live-Events. Die Gespräche werden nicht aufgezeichnet – außer von dem hinter Clubhouse stehenden Unternehmen.

Das Profil besteht aus Vor- und Nachnamen, einer optionalen Beschreibung sowie den Links zu den eigenen Twitter- und Instagram-Accounts.

Clubhouse: So kommt man auf die Plattform

Die Nutzung der App erfordert eine Einladung eines bestehenden Nutzers. Dabei gilt eine Begrenzung von zwei Einladungen pro User. Zudem muss der Zugriff auf das Adressbuch des Smartphones freigegeben werden, um eine Einladung verschicken zu können. Der aktive Nutzer gibt die Mobilnummer des Eingeladenen bei Clubhouse an. Die App sendet diesem daraufhin eine SMS mit einem Einladungslink. Darüber hinaus erhält er einen Code, den er bei der Registrierung angibt. Es ist dabei zwingend notwendig, sich mit der Telefonnummer anzumelden, über die man den Code erhalten hat. So erkennt die App, dass es sich um einen eingeladenen Nutzer handelt.

Einladungen zu Clubhouse sind rar und folglich begehrt. Bei eBay in den USA werden sie zu Preisen von bis zu 400 Dollar gehandelt. In Deutschland wurden bereits 50 Euro und mehr aufgerufen.

Clubhouse: Prominente User

Clubhouse erlaubt nur private Profile. Unternehmen oder Marken können folglich keinen Account erstellen. Dennoch eröffnet die App vor allem für Experten in einem bestimmten Gebiet Möglichkeiten, sich, ihre Dienste und Leistungen einem wachsenden Publikum zu präsentieren.

Zahlreiche bekannte Personen aus Wirtschaft, Politik und Medien sind bereits bei Clubhouse aktiv. Dazu gehört in den USA zum Beispiel Tesla-Gründer Elon Musk. Die Popularität der App nahm dort massiv Fahrt auf, als dieser auf Clubhouse interviewt wurde. Im Februar 2021 twitterte Musk, er würde gerne mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin auf der App diskutieren. Auch Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, der Rapper Drake, die Schauspieler Jared Leto, Ashton Kutcher und Kevin Hart sowie Schauspielerin Tiffany Haddish nutzen Clubhouse.

Clubhouse: Nutzer in Deutschland

In Deutschland gehören folgende Prominente und Politiker zu den Nutzern der App:

  • Saskia Esken, Bundesvorsitzende der SPD
  • Kevin Kühnert, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD
  • Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP
  • Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen
  • Dorothee Bär, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung
  • Joko Winterscheidt, Moderator und Schauspieler
  • Olli Schulz, Sänger
  • Philipp Amthor, Mitglied des Deutschen Bundestags

Bodo Ramelow und Philipp Amthor legten bei Clubhouse zum Beispiel eine Gesangseinlage ein: Die Politiker gaben Volkslieder zum Besten. Im Winter 2021 fiel Ramelow nach einer Online-Konferenz der Ministerpräsidenten und Angela Merkel aufgrund einer Aussage in der App negativ auf. Er bezeichnete die Bundeskanzlerin als „Merkelchen“ und sagte, während der Konferenz habe er das Handyspiel „Candy Crush“ gespielt.

Ramelows Aussage folgte zunächst eine App-interne, bald darauf eine bundesweite mediale Kontroverse. Sie drehte sich nicht nur um die Worte an sich, sondern auch um die Vertraulichkeit bei Clubhouse. So wurde debattiert, ob das in den Räumen Gesagte nach der „Unter drei“-Regel behandelt werden sollte. Sie besagt, dass Informationen gegenüber Journalisten von diesen nicht direkt zitiert und der Informant nicht genannt werden darf. Ramelow entschuldigte sich später für seine Aussagen.

Clubhouse: Datenschutz und Account löschen

Mit dem Erfolg von Clubhouse gelangte die App in den Fokus von Datenschützern. Deren Kritik betrifft den für Einladungen notwendigen Zugriff auf das Adressbuch und somit die Sammlung von Daten ohne das Einverständnis des Nutzers. Darüber hinaus sei kein eindeutiger Zweck für die Erhebung der Informationen genannt und Clubhouse habe keinen Datenschutzbeauftragten. Es wurde zudem bekannt, dass die Betreiber Gespräche mitschneiden. Dennoch wurden verschiedenen Medien aus den USA zufolge rechtsextreme, rassistische oder sexistische Äußerungen nicht geahndet. In China ist Clubhouse seit Februar 2021 gesperrt, nachdem in den Räumen regimekritische Gespräche geführt wurden.

Um aus Clubhouse auszusteigen, genügt es nicht, die App zu löschen, der Account muss ebenfalls gelöscht werden. Dazu war es allerdings zunächst notwendig, bei Clubhouse eine E-Mail-Adresse anzulegen, sie verifizieren zu lassen und über diesen E-Mail-Account um die Kündigung zu bitten. Mittlerweile stellt Clubhouse ein Kontaktformular zur Verfügung, mit der man die Löschung des Profils beantragen kann.

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